Sturm Graz vs. Austria Lustenau: „Ein Duell der Wiedergutmachungen“

via Sky Sport Austria

Nach der herben Europa League-Pleite beim 0:6 von SK Sturm Graz gegen Feyenoord Rotterdam am Donnerstag steht beim Team von Trainer Christian Ilzer Wiedergutmachung auf dem Programm. In Lustenau wiederum ist man sich sicher, dass die „Blackies“ aus Graz mit viel Wut im Bauch agieren und im Duell am Sonntag ein Exempel statuieren wollen. Doch auch auf Seiten der Grün-Weißen wartet ein Aufeinandertreffen, in dem man Vergangenes reinwaschen möchte.

Lustenau will rabenschwarze Bundesliga-Stunde vergessen machen

Das letzte Bundesliga-Duell der beiden Teams datiert vom 20.05.2000. Ein Tag, der in den Köpfen vieler eingefleischter Lustenau-Anhänger wohl noch heute Angst und Bange auslöst. Der Endstand aus Sicht der Vorarlberger lautete damals 0:7. Der vierfache Torschütze auf Seiten von Sturm Graz: Ivica Vastic. Der 35. Spieltag der Saison 1999/2000 stellt bis heute eine der dunkelsten Stunden der Lustenauer Bundesliga-Geschichte und den Tiefpunkt einer gebrauchten Saison, gefolgt vom bitteren Gang in die 2. Liga, dar. 22 Jahre danach zeigt sich ein konträres Bild im Ländle: Als graue Maus in die Spielzeit gestartet, stellt Lustenau nach dem ersten Saisonviertel wohl das Überraschungsteam der Spielzeit dar. Ein Duell voller Rachegelüste und Revanchegedanken auf beiden Seiten geht am Sonntag in der Merkur-Arena in Graz über die Bühne.

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Vertrauen in die grün-weißen Stärken auch bei Rückschlägen

Speziell nach dem bitteren 0:6 gegen Red Bull Salzburg, in dem Lustenau die eigenen Grenzen in eindrucksvoller Manier aufgezeigt wurden und der Pokalschmach beim Wiener Sportclub, zu der Coach Mader anmerkte, dass es sicherlich die „bitterste Niederlage seiner Trainerlaufbahn“ und „ein Stich ins Herz“ gewesen sei, wurden erste Zweifel am Lustenauer Projekt laut. Die Sorgen, dass die Euphorie im Ländle nach dem unerwarteten Höhenflug ein jähes Ende findet, konnte in den vergangenen beiden Runden wieder aus den Köpfen der Anhängerschaft gestrichen werden. Einer Achterbahnfahrt der Gefühle gegen die Wiener Austria, in der man trotz Unterzahl und dank einer laut Mader „leidenschaftlichen und aufopfernden Leistung“ einen Zähler aus Favoriten entführen konnte, folgte ein weiterer Achtungserfolg mit dem Punktgewinn gegen den Tabellenzweiten LASK Linz – und ließen den Optimismus im Ländle rasch zurückkehren. Bezeichnend für den Glauben an die eigenen Stärken steht eine Statistik, die ligaweit ihresgleichen sucht: Lustenau geriet beim 1:1 gegen den LASK zwar bereits zum siebten Mal in Serie in der Bundesliga mit 0:1 in Rückstand, konnte daraus jedoch noch bemerkenswerte neun Punkte (zwei Siege und drei Remis) einfahren. Im Interview mit Sky-Reporter Eric Niederseer hat das Lustenauer Urgestein Pius Grabher für diese Qualität folgende Erklärung parat: „Das ist definitiv etwas, das uns auszeichnet. Wir wären sicherlich in den unteren Reihen der Tabelle, wenn wir nicht die Mentalität und Überzeugung hätten, dass wir auch trotz eines Rückstandes ins Spiel zurückkommen können. Grund dafür ist einfach, dass wir uns fast alle schon lange kennen. Dass wir eine eingespielte Truppe sind, in der sich jeder auf den anderen verlassen kann. Da gibt es keine Schuldzuweisung, sondern nur motivierende Worte. Wir wissen, dass wir nur gemeinsam Rückschläge wieder wegstecken können. Auch den gewinnbringenden Faktor eines dichten Mannschaftsgefüges weiß der 29-Jährige einzuschätzen: „Oft ist es so, dass die Protagonisten, die von der Bank kommen, die entscheidenden Spieler sind, die einem Match nochmals die nötige Wende geben können, wie es bei uns in den vergangenen Wochen bereits mehrmals der Fall war. Das ist eine riesige Qualität, die wir mitbringen. Eine Qualität, die man als Aufsteiger so nicht immer mitbringt.“ Doch nun erfährt das wiedererlangte Selbstvertrauen in Lustenau am Sonntag eine erneute Bewährungsprobe.

Lustenau will nicht Leidtragender der Grazer Europa League-Pleite werden Dass eine herbe Pleite eine positive Trotzreaktion innerhalb einer Mannschaft auslösen kann, hat Trainer Markus Mader am eigenen Beispiel bereits erlebt. Nun wartet auf der Gegenseite mit Sturm Graz ein Team, das mit ähnlichen Emotionen aufwartet. Diese Bedrohung weiß Trainer Mader einzuordnen: „Das klare Ergebnis in Rotterdam ist natürlich sehr gefährlich für uns, da in Graz wohl jeder auf Wiedergutmachung aus ist. Sturm will diese Schlappe ausmerzen und wir sind jetzt vermutlich die Leidtragenden. Natürlich kommt da der Aufsteiger genau zur rechten Zeit, aber genau deshalb werden wir es ihnen umso schwerer machen. Wir waren nach Salzburg in der gleichen Situation und haben die richtige Reaktion gezeigt. Sturm wird das genau gleich machen wollen. Aber nochmal: Es kommt eine andere Mannschaft: Das ist nicht Feyenoord Rotterdam, sondern Austria Lustenau.“

Merkur-Arena kein gutes Pflaster für Lustenauer Ambitionen

Ein Blick auf die Bilanz der bisherigen Bundesliga-Duelle gegen den SK Sturm Graz lässt Böses erahnen. In zwölf Spielen stehen elf Niederlagen und lediglich ein Remis für Lustenau zu Buche. Die Differenz von acht erzielten Toren bei 42 erhaltenen Gegentreffern liest sich noch erschreckender. Doch was gibt Lustenau dennoch Hoffnung und Mut? Hierzu hat Trainer Mader die passende Antwort parat: „Wir haben beschlossen, uns nicht mehr allzu sehr an die Gegner anzupassen. Wir wollen einen eigenen Spielstil definieren und erreichen, dass sich ein besserer Gegner auch mal an uns anpassen muss. Das ist ein Punkt, der für uns als Team der nächste Schritt ist. Wir sind nicht die Mannschaft, die sagt, wir fahren nach Graz, wir stellen uns hinten rein, hauen 95 Minuten Bälle weg und in der 96. Minute machen wir durch einen Konter das 1-0. Wir haben unter der Woche im Training versucht, die Situationen, die Sturm Graz stark machen, nachzuspielen. Wenn wir die Lösungen finden, die wir auch im Training umgesetzt haben, mache ich mir gar keine Sorgen. Wir haben unsere Qualitäten und vielleicht können wir sie überraschen.“ Über die persönlichen Emotionen vor dem Highlight gegen den SK Sturm Graz meint Grabher: „Das ist generell etwas Besonderes in Graz zu spielen. Sturm ist dafür bekannt, dass sie einen tollen Fanclub haben und im Stadion eine enorm gute Atmosphäre vorherrscht. Für die meisten von uns ist es das erste Mal, für mich auch. Von dem her ist man da einfach gespannt, wie es im Stadion selber sein wird. Und natürlich freut man sich nach den Duellen gegen Red Bull Salzburg, Austria Wien und LASK Linz auf das nächste Topteam in Österreich.“

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Schöne Randnotiz: Cem Türkmen erstmals für U-21 Nationalteam einberufen

Abgesehen von der Vorfreude vor dem Duell in der Merkur-Arena gibt es weitere positive Nachrichten im Lustenauer Spielerlager: Der zentral-defensive Mittelfeldakteur Cem Türkmen wurde für das kommende Testspiel gegen Georgien erstmals ins U-21 Nationalteam der Türkei einberufen. Zu den Emotionen rund um seine Nominierung meint Türkmen: „Es ist der Traum eines jeden, für das Nationalteam auflaufen zu können. Es ist der nächste Schritt für mich, jeder will für sein Land spielen – egal ob es Türkei oder Deutschland ist, das war mir persönlich eigentlich egal, es ist beides top. Ich will weiter meine Leistung abrufen und zeigen, dass ich dort hingehöre. Ich habe noch ein bisschen Zeit, mich entscheiden zu können und habe mir über die Wahl zwischen Deutschland und der Türkei noch keine Gedanken gemacht. Es gab zwar bereits Kontakt mit dem DFB aber das war’s dann auch.“ Auch seitens Mader gab es Lob für die Entwicklung seines Schützlings: „Cem war ein junger Spieler, als er hierhergekommen ist, mit einem jugendlichen Fußballerdenken. Er hat sich durch einige Rückschläge durchboxen müssen, hat einen wichtigen Reifeprozess durchgemacht. Es gehört dazu, dass man sich den Herausforderungen stellt und durch Tiefen geht. Man hat von Anfang an gesehen, dass er eine sehr gute Intelligenz und ein großes Spielverständnis hat. Er denkt in vielen Situationen noch schneller und komplizierter als vielleicht andere seiner Teamkollegen. Er ist ein Fußballer, der sehr viel Qualität mitbringt. Er ist ein Spieler, der mit seinem derzeitigen Status nie zufrieden ist, sondern immer weiter Gas geben will. Mit der Einberufung hat er sicher einen richtigen Schritt gemacht und wer weiß, was da noch alles, siehe Cham, passieren kann.“

Auf die Qualitäten von Cem Türkmen und Pius Grabher wird es im Lustenauer Spiel auch am Sonntag wieder ankommen – aber speziell darauf, welches der beiden Teams diesmal einen sportlichen Rückschlag gekonnt wegstecken und zurückschlagen kann. Sie sehen das Duell zwischen dem SK Sturm Graz und der SC Austria Lustenau am Sonntag live und exklusiv ab 13:30 Uhr auf Sky Sport Austria 3 – streame das Spiel mit dem Sky X Traumpass!

(Eric Niederseer) / Bild: GEPA