Thiem würde nach Wien noch mehrere Challenger spielen

via Sky Sport Austria

Für Dominic Thiem ist die Rückkehr in die Top 100 noch 2022 sein vorerst größtes Ziel. Der 29-jährige Niederösterreicher meinte am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich des Erste Bank Open in Wien, dass er dafür seine Saison auch über die Stadthalle hinaus verlängern würde. Zudem analysierte er seine Schläge im Vergleich zu vor seiner Verletzung und sprach auch über die Generation nach den „big three“, die seiner Meinung nach das Tennis weiterentwickelt hat.

Vom Match gegen Marin Cilic, die aktuelle Nummer 16 der Welt, zuletzt in Tel Aviv hat Thiem doch einige gute Aspekt mitgenommen. „Die Rückhand ist teilweise sogar besser als vor der Verletzung. Serviert habe ich sehr gut, der Fitnesszustand passt, die Vorhand ist bei 6 bis 7 auf einer Skala bis zehn. Da ist auf jeden Fall noch viel Spielraum nach oben, und das Gleiche gilt auch für den Return, der sehr wichtig ist“, sagte Thiem.

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„Rückhand besser als vor der Verletzung, weil ich fälschlicherweise viel mehr damit gespielt habe“

Warum die Rückhand besser geworden ist, dafür gebe es aber auch einen anderen Grund. „Einfach, weil ich fälschlicherweise auch in den Matches viel mehr damit gespielt habe. Es ist immer noch nicht so wie es sein soll: Ich sollte viel mehr mit der Vorhand spielen, was ich noch nicht mache. Logischerweise spiele ich jetzt viel mehr Rückhand.“ Zu Beginn sei die Rückhand der einzige Schlag gewesen, mit dem er punkten konnte. „Für die Rückhand war es sicher gut, für den Slice und Rückhand longline“, erklärte der Ex-US-Open-Sieger lächelnd.

Gijon, Antwerpen, Wien – diese drei ATP-Turniere hat Thiem noch auf dem Plan – aber die Saison könnte für den Ex-Weltranglisten-Dritte im Kampf um die Top 100 noch länger dauern. „Top 100 ist ein großes Ziel. Das habe ich vor Augen. Wie man gesehen hat, ist es schwer. Es kann auch selbst mit guten Leistungen nicht reichen, dass ich genug Punkte zusammenkriege.“ Daher werde er nach Wien auf das Ranking schauen, wieviel ihm noch darauf fehlt. „Wenn es realistisch ist, dass ich mit zwei oder drei Challengern die Top 100 erreichen kann, dann hänge ich sicher noch was an.“

Er habe nun noch eine Trainingswoche und zwei Turniere und hoffe auf möglichst viele weitere Matches bis Wien. „Dann kann ich in Wien sicher noch um einiges besser spielen als jetzt in Rennes, Metz, Tel Aviv und auch einmal einen Sieg feiern gegen einen so guten Spieler. Hoffentlich passiert das in Wien.“ Dennoch müsse man realistisch auf das starke Wien-Feld schauen. Auch vor drei, vier Jahren sei ein Sieg keinesfalls garantiert gewesen bei starken Starterfeldern. „Das Turnier habe ich nur einmal gewonnen, und das war auch vier Mal mit Satzrückstand.“

Thiem und sieben Top-12-Spieler! Erste Bank Open mit prominentem Starterfeld

Ob der Druck, als Titelanwärter in Wien zu spielen, oder der Druck, zum letzten Mal mit geschütztem Ranking antreten zu können, ein anderer ist und ihn diese Situation innerlich unruhig macht? „Nein, überhaupt nicht. Ich habe einmal einen guten Plan jetzt.“ Natürlich würden im Hinblick auf nächstes Jahr die Top 100 einiges erleichtern, auch was den Hauptbewerb bei den Australian Open betrifft. „Aber der Plan würde sich auch nicht großartig ändern, sollte ich das Ziel nicht erreichen. Sollte ich als 130. die Saison beenden, werde ich wahrscheinlich in Australien Quali spielen und danach schauen, dass ich in die Top 100 komme.“

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Thiem befindet sich auch nach eigener Definition im zweiten Teil seiner Karriere. Teil eins hat eigentlich mit dem Sieg bei den US Open geendet. Dass nach dem ersten Major-Sieg alles nur noch eine Draufgabe ist, sei ein falscher Weg gewesen, gesteht Thiem. „So habe ich nach den US Open gedacht. Das ist für einen Sportler die falsche Herangehensweise und Denkweise. Wenn eine gewisse Zufriedenheit da ist, ist das nicht zielführend. Ich habe jetzt eh genug Zeit gehabt, deshalb ist es für mich so, dass ich es in den Teil eins der Karriere und Teil zwei unterteile. Teil eins war sensationell, aber im Teil zwei muss ich noch vieles beweisen. Das ist eine viel bessere Herangehensweise.“

Die Tennis-Welt hat sich inzwischen weitergedreht, Roger Federer hat aufgehört, Carlos Alcaraz ist US-Open-Sieger und Nummer eins. Muss Thiem nicht noch stärker sein, um wieder dorthin zurückzukommen, wo er schon einmal war, fragte ihn die APA. „Ja, auf jeden Fall, aber das ist jetzt nicht nur in der Situation wie jetzt gerade. Es war immer so: man muss sich immer weiter entwickeln, weil die anderen auch nicht stehenbleiben.“ Und er sieht diese Entwicklung durch Alcaraz, Jannik Sinner oder Frances Tiafoe. „Sie haben schon in gewisser Weise das Tennis ein bisschen verändert. Wenn ich die ‚big three‘ oder ‚four‘ anschaue, da war es schon in vielen Situationen um einiges defensiver und verhaltener. Ein Alcaraz, ein Sinner gehen vier, fünf Stunden volle Offensive, egal welcher Spielstand und die entwickeln das Spiel schon weiter.“

Wenn er selbst dort wieder anschließen wolle, müsse auch er diese Entwicklung nehmen. „Es war eine große Stärke von guten Spielern, über die Jahre hinweg ihr Spiel so weiterzuentwickeln, dass sie immer an der Spitze bleiben.“

Für Thiem steht demnächst auch ein wichtiger Termin abseits des Courts an. Der ÖTV-Star wird am kommenden Donnerstag bei Madame Tussauds Wien seine eigene Wachsfigur enthüllen.

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(APA) / Bild: GEPA