7 Medaillen: ÖSV-Team aus Außenseiterrolle zum Heim-Erfolg

Die alpine Ski-WM von Saalbach-Hinterglemm geht den Vorzeichen zum Trotz als sportliche Erfolgsgeschichte in die ÖSV-Historie ein. „Wir haben die Erwartungen übertroffen, die öffentliche Wahrnehmung war sicher eine andere. Ich danke den gefährlichen Außenseitern, die zugeschlagen haben“, sagte ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober stolz. Das zuvor nicht überragend erfolgreiche Team holte in elf Bewerben sieben Medaillen – zwei in Gold, drei in Silber und zwei in Bronze.

Erfreulich fiel die Bilanz auch deswegen aus, weil sechs Medaillen in traditionellen Disziplinen gewonnen wurden. Bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in Frankreich, als das ÖSV-Team erstmals seit 36 Jahren ohne Gold geblieben war, sah das anders aus. Weil auch organisatorisch alles glatt lief und das OK-Team gemeinsam mit dem Verband für eine neue WM-Benchmark sorgte, sprach Stadlober allgemein von einem „Wintermärchen.“

13:7 in Crans-Montana ein „Wunschtraum“

Sportdirektor Mario Stecher blickte auf ein „tolles Skifest und Werbung pur“ für den Skisport zurück. „Die Ausgangsposition war, dass wir in jedem Bewerb die Chance haben, um eine Medaille mitzukämpfen. Es haben sich sehr, sehr viele Sachen bewahrheitet.“ Man sei aber am falschen Dampfer, wenn man trotz sieben Medaillen sage, „alles Jubel, Trubel, Heiterkeit“. Man dürfe nicht vergessen, dass man Probleme habe, klar aufgezeigt habe das wieder der Riesentorlauf der Frauen. „Da haben wir ganz gewaltigen Aufholbedarf.“

Insgesamt werde man – im Vergleich zur Schweiz – die Trendwende nicht gleich im nächsten Jahr schaffen können. „Es wäre vermessen, zu sagen, wir blasen Richtung Angriff für Crans-Montana und werden dort die Schweizer mit 13:7 besiegen. Das ist ein Wunschtraum.“ Die Schweiz als erfolgreichste Nation holte 13 Medaillen (5/5/3), Österreich als zweiterfolgreichste sieben (2/3/2). Die nächste WM in zwei Jahren findet in Crans-Montana statt.

Alpinchef Herbert Mandl bedauerte, dass Manuel Feller im Slalom bei seiner Heim-WM mit einer Blechernen heimgehen musste, insgesamt sah er, dass sich Österreich bei der WM „sehr gut“ präsentiert habe. Angesprochen auf persönliche Highlights erwähnte er die Goldmedaillen von Stephanie Venier im Super-G („Ein Glanzlicht gesetzt“) und Raphael Haaser im Riesentorlauf, „einer Disziplin, in der wir in den letzten Jahren sehr gehadert haben“.

„Sehr zufriedene“ Bilanz im Männer-Team

Der „wunderschöne“ Abschluss im Männer-Team blieb nach Rang vier durch Feller im Slalom verwehrt, meinte Cheftrainer Marko Pfeifer, „aber wir können sehr, sehr zufrieden sein mit der WM“. Es gab Gold im Riesentorlauf und Silber im Super-G durch Haaser sowie Silber durch Vincent Kriechmayr (Pfeifer: „Glänzt für uns wie Gold“) in der Abfahrt. Auch wenn nur die Medaillen zählen, habe man sich mannschaftlich in jeder Disziplin sehr stark präsentiert. Sorgen um die Zukunft mache er sich keine, Hausaufgaben was den Nachwuchs betrifft werden man machen.

Ein Wermutstropfen sei, dass Marco Schwarz um zwei Zehntel die Bronzemedaille im Riesentorlauf verpasst habe. „Der war richtig enttäuscht, das wäre eine Mega-Geschichte gewesen mit dem Minimalaufwand. Wir müssen sehr hoch schätzen, was er geleistet hat, dass er bei der WM dabei ist und fast eine Medaille macht“, sagte Pfeifer. Man werde ihn in Richtung Speed wieder aufbauen, die Zukunft werde Riesentorlauf, Super-G und Abfahrt sein.

Bei Frauen ließ Gold Stein vom Herzen fallen

Die Frauen holten vier Medaillen – in jedem Bewerb außer dem Riesentorlauf jeweils eine. „Die Erwartungen wurden erfüllt“, konnte Roland Assinger nach Gold für Venier (Super-G), Silber für Mirjam Puchner (Abfahrt) und zweimal Bronze durch Katharina Liensberger (Slalom) sowie in der Teamkombi (Venier/Katharina Truppe) bilanzieren. „Vor allem im Speed hat man mit der ein oder anderen Medaille liebäugeln können. Mit Super-G-Gold ist ein Stein vom Herzen gefallen, das hat Druck genommen.“

Mit dem Kurs, „die Gaudi immer in den Vordergrund“ zu stellen, fuhr das Team laut Assinger gut. „Wenn es nicht hinhaut, die Welt dreht sich weiter. Der Skisport ist so ein kleiner Teil, man darf das nicht fanatisch nehmen“, sagte der Kärntner und erinnerte an den schmalen Grat zwischen Freud und Leid. „Man muss auch an die (verletzten) Ricarda Haaser und Nina Ortlieb denken.“

Überschuss wird in den Sport gesteckt

Sportlicher Erfolg ist das eine, wirtschaftlicher das andere. Laut Christian Scherer wird unter dem Strich „was übrigbleiben“, viel konkreter wurde der ÖSV-Geschäftsführer aber nicht. Fest steht demnach, dass der Überschuss in den Sport gesteckt werden soll. „Das müssen wir auch, um gewisse Defizite zu kompensieren“, sagte Scherer. Das erklärte Ziel ist es, „in allen Bewerben um Goldmedaillen“ mitzufahren. „Natürlich wünscht man sich, dass man vielleicht einmal zu zweit am Podest steht.“

So, wie es bei dieser WM den wie erwartet starken Schweizern gleich viermal gelang. „Es ist gut, dass es die Rivalität gibt, sonst hätten wir keinen Reibebaum. Wellentäler wird es immer geben und Konkurrenz wird es auch immer geben“, sagte Stadlober.

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(APA) / Artikelbild: GEPA