„Bestanden“: 0:0 gegen Nottingham stärkt Sturms Glauben

Nach dem Achtungserfolg gegen Nottingham Forest skandierten die Fans in Graz stolz: „Hier regiert der SK Sturm.“ Das leidenschaftlich erkämpfte 0:0 gegen den Favoriten aus der reichen Premier League war das gefühlte Maximum für Österreichs Fußball-Meister, der zur Europa-League-Halbzeit alle Chancen auf ein Weiterkommen hat. „Wir sind kämpferisch und läuferisch ans Limit gegangen“, sagte Verteidiger Emanuel Aiwu. „Wir haben gegen eine Premier-League-Mannschaft bestanden.“

Die Sturm-Akteure werteten den Punktgewinn auch als Beleg dafür, dass Geld nicht immer Fußball spielt. Mit 645 zu 53 Millionen Euro war die Ausgangslage in Sachen Marktwert der Spieler denkbar eindeutig gewesen. „Es sind auch nur Menschen“, betonte Aiwu nach der Punkteteilung, während sein Verteidiger-Kollege Karic die Unsummen auch dem „Hype um die Premier League geschuldet“ sah. „Wenn du am Spielfeld stehst, denkst du nicht nach, wie viel Marktwert dein Gegenspieler hat. Wer die entscheidenden Zweikämpfe gewinnt, wird wahrscheinlich als Sieger vom Platz gehen.“

Die geschlossen starke Mannschaftsleistung rund um Elferkiller Oliver Christensen in einer Phase, in der Sturm nicht alles leicht von der Hand geht, freute die Protagonisten ganz besonders. Zumal sich alle einig waren, dass es noch Luft nach oben gibt. „Wir haben ein paar gute Situationen zu schlampig fertig gespielt. Da wären zwei, drei, vier Chancen mehr möglich gewesen, vielleicht fällt der Ball rein“, erklärte der bosnische Neo-Teamspieler Karic und ergänzte voller Zuversicht: „Ich glaube an unseren Weg. Wir werden ihn konsequent weitergehen und ich bin ganz sicher, dass der Erfolg auch kommt.“

Vertragsverlängerung in Sicht? Säumel: „Hat noch keiner mit mir gesprochen“

Sturm-Coach Jürgen Säumel attestierte seiner Mannschaft nicht zuletzt noch einiges „Entwicklungspotenzial“. Mit Jacob Hödl (18) und Filip Rozga (19) zeigten zwei Rohdiamanten in der Startelf mit einem unerschrockenen Auftritt auf. Hödl habe sich nach einem Rückschritt gegen den WAC im Training wieder aufgedrängt, so Säumel. „Deswegen überrascht mich die Leistung nicht. Aber auch er muss mit dem Ball im letzten Drittel noch genauer werden.“

Die vorzeitige Auswechslung von Spielmacher Otar Kiteishvili erfolgte aus Belastungsgründen vor dem Liga-Hit gegen Salzburg. „Ich muss das große Ganze im Blick haben. Das Wichtigste ist die Gesundheit der Spieler“, sagte Säumel. „Auch Kitei hat das eine oder andere Wehwehchen. Am Sonntag haben wir ein sehr wichtiges Spiel, in dem ich auf ihn nicht verzichten will.“

Nächste Stufe: Auswärts im Europacup bestehen

Zur Halbzeit der Europa-League-Ligaphase ist Sturm als 25. von 36 Mannschaften die erste außerhalb der Aufstiegsränge. „Es ist okay. Es ist nicht hervorragend, ich hätte mir zwei, drei Punkte mehr gewünscht. Aber die Gegner waren keine, die du im Vorbeigehen wegschießt“, sagte Karic. „Jetzt haben wir noch vier coole Spiele.“ Es geht gegen Panathinaikos Athen (a), Roter Stern Belgrad (h), Feyenoord Rotterdam (a) und Brann Bergen (h).

Für ein Weiterkommen könnte Sturm endlich auch Auswärtspunkte gut gebrauchen. Denn während man unter Säumel in fünf Europacup-Heimspielen sogar ungeschlagen ist und 13 Punkte holte, herrscht nach Auswärtsspielen Leere am Punktekonto. Einen „Trend“ glaubt Säumel darin nicht zu erkennen, einen Auftrag aber sehr wohl. „Es wäre einer der nächsten Schritte in der Entwicklung der Mannschaft, dann auch auswärts im Europacup Punkte mitzunehmen. Aber jetzt gilt der Fokus einmal Salzburg. Wir freuen uns auf die Begegnung und wollen das Spiel gewinnen.“ Es wäre erst der zweite im fünften Liga-Heimspiel der Saison.

(APA)/Beitragsbild: GEPA