Blau-Weiß Linz will „Absteiger-Fluch“ nach 30 Jahren beenden
30 Jahre währt die Durststrecke bereits: Seit dem FC Linz 1996 ist keinem Absteiger aus der ADMIRAL Bundesliga der sofortige Wiederaufstieg gelungen. Nachfolgeclub Blau-Weiß Linz will in der am Freitag beginnenden Saison der ADMIRAL 2. Liga diese Unserie beenden, die schnellstmögliche Rückkehr in die Bundesliga wurde als Ziel ausgegeben. Als stärkste Herausforderer werden Vizemeister SKN St. Pölten und die Vienna eingeschätzt, hoch gehandelt wird auch Aufsteiger Wacker Innsbruck.
BW Linz setzt bei der Mission Wiederaufstieg weiter auf Michael Köllner. Der Bayer hat die Oberösterreicher zu Jahresbeginn übernommen, eine Trendwende geschafft, den Klassenerhalt aber knapp nicht. Dennoch verlängerte der 56-Jährige, weil er trotz sportlicher Enttäuschung im Verein keine Depression, sondern neuerliche Aufbruchstimmung verspürte. „Wenn man absteigt und unmittelbar nach Spielschluss keine Pfiffe bekommt, sondern starke Unterstützung erfährt, ist das schon was“ erzählte Köllner. Auch dass so viele Dauerkarten (3.000) verkauft wurden wie noch nie, sah er als „deutliches Signal der Fans. Das ist außergewöhnlich“.
BW Linz setzt Ziel Wiederaufstieg
Das Ziel für diese Saison ist klar. „Wir schauen, dass wir so schnell wie möglich wieder in die Bundesliga zurückkehren“. Postwendend ist das 30 Jahre lang keinem Club gelungen, aber „es wird schon irgendwann mal wieder einen geben, und wenn es am Ende vielleicht wir sind. Wir hoffen, dass wir Geschichte schreiben können und den sofortigen Wiederaufstieg schaffen“, meinte Köllner. Warum so viele Clubs daran gescheitert sind, entziehe sich einer Generalbewertung. Gründe kann es viele geben. „Die Frustration ist groß, für manche ist es schwierig, dass sie die zweite Liga annehmen. Es gibt finanzielle Einbußen. Persönlich ist man in seinem Status verletzt, weil Niederlagen tun weh, hinterlassen Narben. Dann gelingt es manchen schneller, manchen weniger. Deshalb haben wir schon geschaut, dass wir viele Spieler holen, die unbekümmert sind in dieser Situation“, sagte Köllner der APA.
Der Umbau war tiefgreifend. Leistungsträger wie Simon Seidl, Shon Weissman, Alexander Briedl oder Simon Pirkl haben den Verein verlassen. Nur acht Profis aus dem Kader der vergangenen Saison sind übrig, 15 Neue wurden geholt. „Wir wollen der Mannschaft neue Energie geben“, erklärte Köllner. In der Vorbereitung hat das gut funktioniert, die Blau-Weißen blieben in den sechs Testspielen ungeschlagen. Man habe gesehen, dass die „Mannschaft hoch motiviert ist und dass wir richtig gute Jungs haben. Wir müssen jetzt aber ein paar Spiele abwarten, um einschätzen zu können, wie stark die Konkurrenz ist und wie stark wir im Vergleich zur Konkurrenz sind“.
SKN als Herausforderer
Einer der Herausforderer ist der SKN St. Pölten. Die Niederösterreicher hatten im Mai im Aufstiegsduell mit Austria Lustenau um einen Punkt das Nachsehen, drei torlose Remis im Finish brachten sie um die Früchte einer starken Saison. Die Enttäuschung wurde in der Vorbereitung aufgearbeitet und gilt nun als Antrieb für diese Saison. Trainer Cem Sekerlioglu baut auf eine starke Defensive und hofft auf eine Effizienzsteigerung im Abschluss. „Wenn du 14-mal zu null spielst, bist du defensiv richtig gut organisiert. Wir werden defensiv genau nichts verändern. Aber wir haben einfach zu wenig Tore geschossen. Wir hatten nicht zu wenig Chancen, der Vollstrecker hat gefehlt, das gilt es, besser zu machen“, sagte Sekerlioglu. Nur zwei Spieler haben mehr als drei Tore erzielt, daher wurde nachgerüstet. „Jannik Wanner, Lukas Gabbichler und Jonathan Amon sind drei neue Spieler für die Offensive, bei denen Schnelligkeit und Abschlussstärke vorhanden ist“, sagte der SKN-Coach.
Sekerlioglu ist nicht nur deshalb voller Vorfreude auf die neue Saison. Clubs wie Wacker Innsbruck und BW Linz würden die Liga bereichern. „Bessere Stadien, mehr Zuschauer, geile Fanbase, es gibt schon richtig lässige Mannschaften“, meinte er. „Ich glaube, die Liga ist interessanter als letztes Jahr. Es wird ein ganz anderes Niveau sein, auch wenn es im Vorjahr nicht schlecht war. BW Linz ist ein superinteressanter Absteiger. Die Vienna hat gute Transfers getätigt und finanzielle Kraft. Wacker Innsbruck als Aufsteiger mit Los Angeles FC im Hintergrund, da bin ich gespannt, was möglich ist. Voitsberg ist mit einem Torrekord aufgestiegen, Bregenz hat einen japanischen Investor. Da tut sich echt viel, man wird sehen, wie sich das entwickeln wird“, erklärte Sekerlioglu.
Viel neu auf der Hohen Warte
Ähnlich schätzt Patrick Enengl das Potenzial ein. „Die Liga ist so gut wie schon lange nicht mehr, sehr attraktiv“, sagte der Coach der Vienna. Enengl wurde von Ligakonkurrent Amstetten abgeworben und will mit einer grundlegend neu ausgerichteten Mannschaft angreifen. Neben dem Trainer wurden auch elf Spieler geholt und 14 abgegeben. „Es ist sehr viel Neues, das darf man nicht unterschätzen, das geht nicht von heute auf morgen. Da muss man Zeit geben, reinzuwachsen. Wir wollen uns im ersten Drittel festigen“, sagte Enengl. Seine taktischen Vorgaben sind klar: „Wir wollen sehr zielorientiert sein, schnellstmöglich auf Torerfolg gehen, intensiven, sehr proaktiven Fußball spielen.“ Von den Neuen sticht der erfahrene Innenverteidiger Felix Luckeneder heraus, Tobias Anselm und Maximilian Fillafer bringen einiges an Bundesliga-Erfahrung mit.
