Brennsteiner im Pech: „Auf einmal ist der Ski weg“
Nach nur zehn Sekunden ist der Medaillentraum von Stefan Brennsteiner im WM-Riesentorlauf geplatzt gewesen: Die Bindung ging auf, der rechte Ski war weg. Fünf Jahre habe er auf das Heim-Event in Saalbach-Hinterglemm hingearbeitet, sich gefreut, darüber geredet – beim fünften Tor war alles vorbei. „Das ist sicher eine meiner bitteren Stunden. Es kann noch bitterer enden, es war schon mal bitterer für mich. Der Skisport hat mich schon einiges gelehrt“, sagte der 33-Jährige.
Abgesehen von der Goldmedaille im Parallel-Teambewerb in Peking 2022 hat Brennsteiner bei Großereignissen noch nicht viel Glück gehabt. Obwohl er oftmals in Topform am Start war. „Wenn du mit einer Verletzung wegfährst, ist es noch einmal härter“, sagte der Riesentorlauf-Spezialist, der 2018 bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang einen Kreuzbandriss erlitten hatte. Bei den Winterspielen 2022 stürzte er auf Bronzekurs liegend im zweiten Durchgang. Bei der WM 2021 schied er im zweiten Lauf aus (Innenskifehler), bei jener 2023 wurde er Vierter.
In einer Form wie nie zuvor
„Es wäre brutal schön gewesen, eine Medaille zu gewinnen. Ich war noch nicht einmal richtig im Rennen. Deshalb ist es mit dem Ärger noch nicht so arg. Aber in ein, zwei Stunden wird es noch einmal schlimmer.“ Er habe sich riesig gefreut auf diese WM und geschaut, dass er sich in eine Form bringe wie wahrscheinlich nie zuvor. „Und dann fahre ich zehn Sekunden. Tut mir leid für die Fans und die Familie, es sind 150 Leute von mir hier.“
Und er wisse noch nicht einmal richtig, was überhaupt passiert ist. „Wenn ich meinen Standardfehler Innenski gemacht hätte, dann hätte ich schon irgendetwas zerlegt da hinten. Aber so ist es Ratlosigkeit, das tut weh.“ Man sage oft, man sei vielleicht ein bissl schlampig am Ski gestanden. „Aber ich bin sicher schon viel schlampigere Kurven gefahren und der Ski ist drangeblieben. Das sind einfach saublöde Umstände gewesen heute. Leider ist es schon wieder Geschichte.“
Blick nach vorne „brutal schwierig“
Vorwürfe an den Servicemann gäb es keine, der checke immer alles von hinten bis vorne. „Der hat nichts falsch gemacht, wenn, dann ist in der Bindung was gebrochen.“ Teamkollege Raphael Haaser meinte, er könne sich nicht erinnern, wann ihm das letzte Mal eine Bindung aufgegangen sei. „Es ist wie verhext.“ Und Marco Schwarz meinte: „Bei einer Heim-WM so ein Pech zu haben, ist irrsinnig schade. Aber ich bin überzeugt davon, dass er das gut wegstecken wird.“
Das könnte ein bisschen dauern. „Der Blick nach vorne ist brutal schwierig, ebenso die Motivation für die nächsten Tage zu finden“, sagte Brennsteiner. Er werde versuchen „dem wieder nicht so viel Gewichtung zu geben wie es die letzten Jahren“. Helfen könnte dabei die Familie. „Ich habe einen kleinen jungen Mann daheim, dem ist das wahrscheinlich alles gleich. Er sagt mir wahrscheinlich zehnmal: Papa ausgefallen. Aber im Endeffekt ändert sich seine Miene dadurch nicht und die hilft heute sicher.“
(APA/red.) / Artikelbild: GEPA
