Canucks-Neustart: Rossi schielt auf Leaderrolle
Bei den Vancouver Canucks ist über den Sommer kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Canucks waren in der vergangenen Saison mit Abstand das schwächste Team der National Hockey League (NHL) und haben die komplette Führung ausgewechselt. Mit neuen Co-Präsidenten, General Manager und Trainerteam wurde ein langfristiger Aufbau eines neuen Teams („Rebuild“) ausgerufen. Der Vorarlberger Marco Rossi will dabei eine Führungsrolle einnehmen. Die Saison beginnt am Dienstag.
14 Punkte betrug der Rückstand auf den Vorletzten in einer Saison, in der die Canucks am 12. Dezember eine neue Richtung eingeschlagen haben. Kapitän und Starverteidiger Quinn Hughes wollte in Vancouver seinen bis Sommer 2027 laufenden Vertrag nicht verlängern und wurde an Minnesota Wild abgegeben. Im Gegenzug wechselten neben einem Erstrundendraft Verteidiger Zeev Buium, Stürmer Liam Öhgren und Rossi an die kanadische Westküste. Der Center hatte in Minnesota nicht die Wertschätzung erhalten, die er sich erhofft hatte. „Das Interesse von Vancouver war schon in den letzten Jahren groß. Als der Trade gekommen ist, war ich froh“, sagte Rossi.
Während Minnesota um den Stanley Cup mitspielen will, wird Vancouver unter den für die sportlichen Belange zuständigen Co-Präsidenten Daniel und Henrik Sedin sowie General Manager Ryan Johnson und Trainer Manny Malhotra, beide vom Farmteam Abbotsford Canucks aufgestiegen, einige Jahre brauchen, um eine erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Um die jungen Spieler zu führen, wurden angesehene Routiniers wie Brendan Gallagher, Luke Schenn oder Jamie Oleksiak geholt.
Rossi will vorangehen
Auch der gerade erst 25 Jahre alt gewordene Rossi will sich als Führungsspieler etablieren. „Minnesota war eine der ältesten Mannschaften und in Vancouver sind wir eine der jüngsten. Natürlich ist die Rolle von mir anders. Ich versuche, mehr Verantwortung zu übernehmen und als Leader voranzugehen“, erklärte der Center. Dieser ist an NHL-Spielen (235), Toren (57), Assists (79) und Scorerpunkten (136) jeweils bereits Österreichs Nummer vier hinter Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl. „Ich bin immer noch jung, aber in der Mannschaft gehöre ich schon zu den erfahreneren Spielern. Ich versuche, das weiterzugeben. Es ist was anderes, wenn ich als Junger zu einem anderen Jungen was sage, als wenn es ein 35-Jähriger macht.“
Sein Einstand in Vancouver war unglücklich, zweimal brach er sich vergangene Saison den Mittelfuß. Die Verletzung ist nun vollständig ausgeheilt, nach einer Sommervorbereitung mit eigenem Fitnesscoach und Training mit der Mannschaft des HC Davos fühlt er sich bereit. „Ich habe mich noch nie so gut gefühlt“, betonte Rossi, der schon im Saisonfinish seine Qualitäten gezeigt hatte. Mit der geänderten Situation hat er sich längst angefreundet: „Alles ist sehr positiv. Wir sind eine junge Mannschaft und alle sehr hungrig.“
„Spielen alle, um zu gewinnen“
Während der Club das kommende Spieljahr mehr an Entwicklungen als an Ergebnissen messen will, herrscht in der Mannschaft natürlich Siegeswille. „Wir spielen alle, um zu gewinnen. Niemand will verlieren“, betonte Rossi. „Das ist jetzt ein Prozess, durch den wir gehen müssen. Es ist natürlich mühsam, aber wichtig ist Geduld und daran glauben und dann wird was Gutes rauskommen. Wichtig ist trotzdem, dass wir die Play-offs vor Augen halten. Es ist nicht so, dass wir sagen, es ist egal, was passiert. Dann schauen wir mal, wie weit wir weg sind oder ob wir es schaffen, und dann kann man ein Resümee ziehen“, erklärte der Stürmer. „Hoffentlich geht es aufwärts.“
Rossi, der im Sommer geheiratet hat, fühlt sich nicht nur in der Mannschaft wohl. Auch die Begeisterung für den Sport ist nördlich der Grenze noch einmal eine andere. „Minnesota war schon sehr Eishockey-verrückt für USA-Verhältnisse, aber Kanada ist noch einmal ein anderes Level, wie eine Religion. Sehr cool“, sagte der Vorarlberger.