Eishockey-WM in Deutschland am wackeln: Boykottdrohung, Sponsorenrückzug
Präsident Frank Lutz hatte bereits am Wochenende erklärt, dass der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine Rückgabe der WM vom 13. bis 30. Mai in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim nicht ausschließe.
Der Druck auf den Weltverband, der mit seinem neuen Präsidenten Franz Reindl am Montag und Dienstag konferierte, wurde auch von anderer Seite erhöht: Der schwedische Büromöbelhersteller AJ, seit 1989 einer der größten Sponsoren bei Eishockey-Weltmeisterschaften und zuletzt mit seinem Schriftzug auf den Schiedsrichtertrikots präsent, zog sich als erster Geldgeber zurück. „Im Geschäftsleben gibt es viele schwierige Entscheidungen“, sagte der CEO David Bry, „aber das war keine. Dies ist ein Protest gegen Russland.“ Auch der tschechische Wettanbieter Tipsport, ebenfalls IIHF-Partner, kündigte an, nicht bei russischen Spielen werben zu wollen. Der WM-Hauptsponsor kommt auch aus Tschechien – die VW-Tochter Skoda.
Doch die deutsche Bundesregierung hat auch die Olympiabewerbung um die Spiele 2036, 2040 und 2044 im Blick. Sollte sie sich gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellen, das die vollständige Rückkehr Russlands unter eigener Flagge für Los Angeles 2028 angekündigt und allen Fachverbänden empfohlen hat, dürften die Chancen drastisch sinken. Zur WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main und zur Junioren-EM im Schwimmen in München durften russische Sportlerinnen und Sportler einreisen.
Das womöglich letzte Turnier ohne Russland ist die Frauen-WM in Dänemark.
