England will Spanien-Serie im Wembley beenden
Gut zwei Monate nach dem Triumph von East Rutherford tritt Spaniens Fußball-Nationalteam erstmals als neuer Weltmeister an. Von einem Hangover will Teamchef Luis de la Fuente allerdings nichts wissen. „Es ist eine neue Geschichte, ein neuer Film. Und wir wollen die Stars dieses neuen Films sein“, erklärte der spanische Erfolgstrainer vor dem Start in die Nations League am Samstag (20.45 Uhr) im ausverkauften Wembley-Stadion von London gegen England.
Die Nations League hat für De la Fuente eine besondere Bedeutung. Der 65-Jährige hatte im Dezember 2022 das spanische Nationalteam übernommen und im Juni 2023 zum Finalsieg in dem Bewerb geführt. Es war der Start einer Erfolgsgeschichte, die im EM-Titel 2024 und WM-Triumph 2026 gipfelte. Der erste Erfolg habe „das Team verändert. Endlich hatte jeder das Gefühl, dass wir wieder Titel gewinnen können“, erklärte De la Fuente. Die Mannschaft habe sich danach Schritt für Schritt entwickelt und sukzessive verbessert. „Heute sind wir das Produkt all dessen“, meinte er.
Spanien seit 38 Spielen ohne Niederlage
Seit 38 Spielen ist seine Auswahl mittlerweile ungeschlagen, nur zwei Niederlagen (abgesehen von Elfmeterschießen) hat „La Roja“ in den 50 Länderspielen unter De la Fuente kassiert. Den Hunger auf weitere Erfolge haben die Spanier aber nicht verloren, ist er überzeugt. „Ich kenne ihren Charakter. Wir werden von Anfang an unglaublich fokussiert sein. Das ist unsere Mentalität. Es gibt immer ein Ziel zu erreichen, und das Wichtigste ist das Hier und Jetzt.“
Die Herausforderung am Samstag ist genau die richtige für den Start in die nächste Periode. „Gegen England im Wembley zu spielen – da brauchst du keine weitere Motivation. Sie sind der perfekte Gegner, um sofort wieder in Schwung zu kommen. England hat ein großartiges Nationalteam, das so gut ist wie wir. Nichts, was wir bisher erreicht haben, wird uns helfen, England zu schlagen“, sagte De la Fuente. Zudem werden alle kommenden Konkurrenten zusätzlich motiviert sein, gegen den Weltmeister zu bestehen. „Wir müssen genauso motiviert sein wie die Gegner. Wenn wir es nicht auf dieses Level schaffen, werden wir nicht gewinnen“, betonte der Teamchef.
Tuchel will mit England Heim-EM gewinnen
Bei den Engländern sitzt der Stachel nach dem dramatischen Scheitern bei der WM, als sie im Halbfinale gegen Argentinien (1:2) im Finish eine 1:0-Führung verspielten, noch tief. Teamchef Thomas Tuchel war aber bemüht, Zuversicht zu verbreiten. „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir jetzt einen Neuanfang machen“, sagte der 53-Jährige. „Wir bauen auf einem soliden und wertvollen Fundament.“ Obwohl in britischen Medien eine Personaldebatte entstanden war, habe er selbst nie Zweifel an seiner Zukunft bei den „Three Lions“ gehabt. „Ich kann Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich während der gesamten WM die volle Unterstützung all meiner Vorgesetzten gespürt habe“, sagte Tuchel.
Damit sich das nicht ändert, müssen in Zukunft Ergebnisse her. Die Engländer sind mit Schottland, Wales und Irland Gastgeber der EM 2028 und wollen dort ihren zweiten großen Titel nach dem WM-Triumph 1966 im eigenen Land holen. „Das Ziel ist, die Heim-EURO zu gewinnen“, betonte Tuchel. Dass gleich ein Kräftemessen mit dem „aktuell besten Team der Welt“ ansteht, sei eine gute Sache. „Wir haben das Gefühl, dass der Abstand kleiner wird, und wollen ein Zeichen setzen. Die Motivation könnte nicht größer sein“, betonte der Deutsche, der auf die angeschlagenen Cole Palmer, Declan Rice und Marcus Rashford verzichten muss.
Eigene Stärken im Vordergrund
Von der Spielweise wollen sich die Engländer nicht an den Spaniern orientieren. „Wir verfügen nicht über diese Stärke, die Spiele so zu kontrollieren wie die Spanier. Das haben wir nicht in uns“, sagte Flügelspieler Anthony Gordon. Deshalb gelte es, die eigenen Stärken zu forcieren. „Körperbetont spielen, direkten Fußball spielen, auf Konter setzen“, gab der 25-jährige Barcelona-Akteur die Marschroute vor.
