„Es ist verrückt“ – Antonelli blendet WM-Chance aus
Kimi Antonelli versucht, die Chance auf die Fixierung des Formel-1-WM-Titels schon am Sonntag (21:00 Uhr live bei Sky und WOW) in Austin auszublenden.
„Es ist verrückt, wenn du daran denkst, deswegen will ich nicht daran denken“, sagte der Mercedes-Jungstar vor dem Grand Prix der USA. Je nach Rennausgang könnte der 20-jährige Italiener schon fünf Rennen vor Schluss als jüngster Weltmeister der Geschichte feststehen. Sein neunter Saisonsieg wäre dafür aber Voraussetzung.
Wahrscheinlicher erscheint die Krönung beim nächsten Rennen kommende Woche in Mexiko. Antonelli betonte, dass natürlich ein Traum wahr werden würde, wenn es in dieser Saison mit dem Titel klappen sollte. Der Youngster aus Bologna fährt erst sein zweites Jahr in der Königsklasse. Dabei sei sein Vater, den er als seinen „Fels“ bezeichnete, einst gegen die Rennsportkarriere gewesen. „Als ich klein war, bevor alles richtig begonnen hat, wollte er nicht, dass ich Rennen fahre“, erzählte Antonelli. Der Sport könne auch grausam sein, zudem sei es eine finanzielle Herausforderung.
Dieser stellte sich einst auch der Vater von Lewis Hamilton. Seine theoretisch noch existenten Titelchancen im Ferrari hat der Sohn für diese Saison längst abgeschrieben. „Er verdient es einfach, Weltmeister zu werden“, sagte Hamilton über Antonelli. Der nicht einmal halb so alte Italiener hatte nach Hamiltons Abgang von Mercedes im Jahr 2025 dessen Cockpit bei den Silberpfeilen übernommen. Für seinen Nachfolger hatte der 41-Jährige bei der Titeljagd aber noch einen grinsenden Rat parat: „Langsamer angehen!“
Hamilton will bis Afrika-Comeback weiterfahren
Hamilton selbst denkt noch lange nicht an sein Karriereende – nicht zuletzt wegen der für Anfang der 2030er-Jahre angekündigten Rückkehr der Formel 1 nach Afrika, auf einer neu zu errichtenden Strecke in Ruanda. „Ich bin nun gezwungen, noch etwas länger zu bleiben, da wir ein Rennen in Afrika haben – und es war schon immer mein Traum, in Afrika zu fahren“, sagte Hamilton. „Also muss ich weiterkämpfen, um fit zu bleiben. Wenn ich in den nächsten Jahren weiterhin gute Ergebnisse erzielen kann, werden wir weitermachen.“ Der Brite war 2007 als erster Schwarzer als Pilot in die Formel 1 eingestiegen. 2008 holte er seinen ersten von mittlerweile sieben WM-Titeln.
Der Rekordchampion bemüht sich seit langem um eine Rückkehr der Königsklasse nach Afrika, das zuletzt 1993 in Kyalami in Südafrika einen Grand Prix erlebt hat. Er habe unzählige Telefonate geführt und auch Treffen gehabt, berichtete Hamilton. „Ich setze mich schon seit vielen Jahren für ein Rennen dort ein. Dieser Kontinent verdient einen Grand Prix.“ Es gehe um mehr als nur ein Land. „Es geht um den Kontinent selbst, und es gibt so viele wunderschöne Länder darauf. Die Menschen sind so liebenswert. Die Kultur ist so reichhaltig, und ich halte es für wichtig, dass wir das der Welt zeigen können. Das können wir mit unserem Sport tun.“
Hamilton, der 2030 bereits 45 Jahre alt sein wird, betonte aber auch, dass nach Ruanda zu reisen nicht bedeute, „dass man die Dinge, die dort geschehen, außer Acht lässt“. Menschenrechtler bewerten die Lage in dem Land weiter sehr kritisch. Von willkürlichen Inhaftierungen ist die Rede. Regierungsgegner würden verfolgt, auch andere Menschen sehen sich demnach Misshandlungen ausgesetzt. Weltweit bekannt wurde Ruanda aber vor allem durch eine Tragödie 1994: Während des Völkermords radikaler Angehöriger der Volksgruppe der Hutu an den Tutsi und gemäßigten Hutu wurden innerhalb von 100 Tagen rund 800.000 Menschen ermordet.
Kritische Töne zu WM-Finale in Krisenregion
Ein anderer Konflikt beschäftigt die Formel 1 aktuell – jener im Nahen Osten. Dass die Formel 1 trotz des Iran-Krieges an den Planungen für den Saisonabschluss in Katar und Abu Dhabi festhält, stößt nicht bei allen Fahrern auf ungeteilte Zustimmung. „Es sieht so aus, dass sie sehr überzeugt sind, dass es so kommt“, sagte Williams-Pilot Carlos Sainz über die Zuversicht der Verantwortlichen, die Rennen am 29. November und 6. Dezember in der Region austragen zu können. „Aus meiner persönlichen Sicht ist es aber sehr schwer, zum jetzigen Zeitpunkt überzeugt zu sein. Es passieren immer noch viele Dinge im Nahen Osten.“
Sainz sprach zudem die Zwischenwahlen in den USA Anfang November an. „Ich denke, es ist relativ voreilig, so überzeugt zu sein“, meinte der Spanier. Wenn der Internationale Automobilverband (FIA) und die Formel 1 zu dem Schluss kämen, dass es weiterhin sicher und eine gute Lösung sei, müsse man sich als Fahrer aber nach deren Entscheidung richten.
Wegen des Iran-Kriegs hatten im ersten Saisonabschnitt bereits die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien abgesagt werden müssen. Der Grand Prix von Bahrain wurde Anfang Oktober in Malaysia nachgeholt. Sollten auch Katar und Abu Dhabi abgesagt werden, hätte das große finanzielle Folgen für die Formel 1. Beide Länder zahlen hohe Antrittsprämien. Das WM-Rennen dürfte aller Voraussicht nach aber bereits vor dem finalen Doppel zugunsten von Antonelli entschieden sein.
