Ferrari hofft in Monza auf Heimsieg – Antonelli auf Aufholjagd

Ferrari oder Kimi Antonelli? Das Mercedes-Wunderkind hat mit seinem Traumstart in die Formel-1-Saison das Herz vieler italienischer Fans erobert und die Tifosi vor ein Dilemma gestellt. Denn auf den Tribünen im Königlichen Park werden beim Großen Preis von Italien am Sonntag (15.00 Uhr/ServusTV, Sky) nicht mehr nur der Scuderia mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc die Daumen gedrückt, sondern auch dem WM-Leader aus Bologna. Dieser hofft beim Heimrennen auf eine Aufholjagd.

Wegen eines unerlaubten Motorenwechsels wird der Lokalmatador von ganz hinten in den Grand Prix starten, die Hoffnungen auf einen Heimsieg im Speedtempel sind deshalb gedämpft. Das sei zwar enttäuschend für ihn und seine Fans, erklärte Teamchef Toto Wolff, „aber in unserem Sport werden keine Sentimentalitäten belohnt.“ Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs nördlich von Mailand sind Überholmanöver wegen der langen Geraden besonders gut zu bewerkstelligen, der Schaden der ohnehin unausweichlichen Startplatzstrafe für eine zusätzliche neue Power Unit soll sich dadurch in Grenzen halten.

„Wenn man Entscheidungen im Sinne des WM-Kampfes trifft, muss man manchmal einen kurzfristigen Preis dafür zahlen“, sagte Wolff. Antonelli fühlt sich dadurch sogar entspannter. „Ich freue mich riesig. Ich gehe die Sache definitiv mit einer anderen Einstellung und Denkweise an, und ich habe das Gefühl, dass ich das Wochenende viel mehr genießen kann“, sagte der 20-Jährige, der seit wenigen Tagen kein Teenager mehr ist.

Antonelli patzte bei Monza-Debüt

Die Erinnerungen an seine Monza-Premiere wird der Shootingstar ausblenden. Im Vorjahr versenkte er seinen Silberpfeil im Training im Kiesbett, kassierte im Rennen eine Zeitstrafe und musste sich mit einem neunten Platz begnügen. Seitdem zeigte die Lernkurve Antonellis steil nach oben. Mit einem Vorsprung von 59 Punkten auf Teamkollege George Russell und Hamilton ist er weiter auf dem besten Weg, der jüngste Weltmeister der Formel-1-Historie zu werden. Dieser Polster droht aber zu schrumpfen.

Zwar kommt Antonelli als erster italienischer WM-Spitzenreiter seit der Legende Alberto Ascari 1953 zum Heimrennen nach Monza, die größeren Chancen auf einen Heimsieg liegen aber bei Ferrari. Die Scuderia hofft vor den fanatischen Tifosi auf ein Motorenupgrade, das den Unterschied ausmachen soll. „Das Feld liegt extrem dicht beisammen. In diesem Jahr dreht sich alles um kleine Verbesserungen“, sagte Ferrari-Teamchef Fred Vasseur. Hamilton und Leclerc, Monza-Sieger 2024, werden mit einer besonderen Lackierung an den Start gehen, mit der Rekordweltmeister Michael Schumacher Tribut gezollt wird. Der siebenfache Champion hatte vor 30 Jahren erstmals in Monza gewonnen.

McLaren will Erfolgslauf prolongieren

Im Entwicklungsrennen wird auch McLaren ein kleines Aerodynamik-Upgrade mit nach Monza bringen. Damit will Weltmeister Lando Norris seinen Erfolgslauf fortsetzen, der Titelverteidiger hatte zuletzt in Ungarn und Zandvoort triumphiert. Gefragt nach seinen WM-Ambitionen hielt sich der Brite aber zurück. „Im Moment habe ich nicht das Auto, das ich brauche, um um die Meisterschaft zu kämpfen“, sagte Norris, derzeit WM-Vierter mit einem Rückstand von 83 Punkten. Der McLaren sei in bestimmten Bereichen wie in Hochgeschwindigkeitspassagen sehr gut, erklärte er, aber „es ist nicht so wie im Vorjahr, wo wir überall sehr gut waren“.

Auf ein Erfolgserlebnis hofft auch Monza-Vorjahressieger Max Verstappen, der beim Heimrennen in Zandvoort vor zwei Wochen nach einem Crash in der ersten Runde eine Enttäuschung erlebt hatte. „Es ist schwer vorherzusagen, wie konkurrenzfähig wir dort sein werden. Es ist eine Strecke, auf der wir in der Vergangenheit meist gut abgeschnitten haben, also werden wir abwarten und sehen, was möglich ist“, sagte der Red-Bull-Pilot. In Monza hat Verstappen erneut Liam Lawson als Teamkollegen an seiner Seite, weil Isack Hadjar wegen einer Handgelenksverletzung weiter ausfällt. Beim RB-Schwesternteam Racing Bulls startet wieder Yuki Tsunoda.

Faktor Batterie

Spannend wird in Monza auch der Faktor Batterie. Der Kurs bietet nur geringe Möglichkeiten zur Energierückgewinnung, weshalb die Fahrer wohl öfter vom Gaspedal gehen werden, um die Batterie wieder aufzuladen. „Das ist eine interessante Herausforderung, die wahrscheinlich zu einem spannenden Wochenende führen wird“, kündigte Wolff an. Zudem werden Temperaturen von mehr als 31 Grad Celsius prognostiziert, weshalb der Automobil-Weltverband FIA eine Hitzewarnung für den Grand Prix aussprach.

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