Zagiczek im Interview: „Austria Wien steht finanziell äußerst stabil da“
Ende August 2023 wurde Harald Zagiczek als Finanzvorstand der Wiener Austria präsentiert. Drei Jahre später nähert sich seine bisherige Amtszeit dem Ende, sein Vertrag läuft mit Ende September 2026 aus. Im Gespräch mit Sky-Reporter Johannes Brandl spricht Zagiczek über die wirtschaftliche Entwicklung des Klubs, den Weg zurück zu schwarzen Zahlen, die Herausforderungen der kommenden Jahre sowie seine persönliche Zukunft bei den Veilchen.
Sky: Wie steht Austria Wien finanziell da?
„Austria Wien steht finanziell äußerst stabil da. Es war auch in der Vergangenheit immer so, dass der Klub seinen Verpflichtungen nachkommen konnte. Spieler und Mitarbeiter mussten niemals auf ihr Gehalt warten. Allerdings mussten wir durch bestehende Verbindlichkeiten und die damit verbundenen Belastungen negative Jahresergebnisse hinnehmen. Das konnten wir abstellen. Wir haben viele operative und strukturelle Themen geklärt, einiges umorganisiert und umstrukturiert. Für das Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2026 endet, werden wir erstmals seit rund zehn Jahren einen Gewinn ausweisen. Das bedeutet, dass wir unser Vermögen von einer Periode zur nächsten operativ vergrößert haben. Wir sind hier stabil. Natürlich bringt jedes Jahr neue Herausforderungen mit sich, weshalb wir weiterhin sehr ambitioniert arbeiten müssen.“
Das Stadion wurde verkauft, ein Schuldenabbau trotzdem weiterhin notwendig, laufende Kosten müssen getragen werden. Wie viel Umsatz braucht Austria Wien, um positiv abzuschließen?
„Unsere Bilanzen sind öffentlich, unser Break-even inklusive der notwendigen Verbesserungen liegt bei rund 30 Millionen Euro Umsatz.“
Sie haben als Ziel für die Saison 2025/26 ein positives Jahresergebnis ausgegeben. Können Sie bereits verraten, wie hoch dieses ausfällt?
„Ich möchte dem nicht vorgreifen, aber es wird ein satter siebenstelliger Gewinn sein.“
Wie setzt sich die Finanzierung der Austria zusammen?
„Es gibt keinen festgelegten Schlüssel. Wir bewegen uns aber im Vergleich mit anderen Vereinen in einem sehr guten Bereich. Rund 40 Prozent unserer Erlöse stammen aus Sponsoring, VIP-Angeboten sowie Partner- und Business-Netzwerken. Das halte ich für einen attraktiven Anteil. Dazu kommen noch Einnahmen aus dem Ticketing, Merchandising, TV-Rechte, sowie Gastronomieerlöse, sonstige Erlöse und Transfereinnahmen. Unser Ziel ist es, die kommerzielle Seite des Klubs kontinuierlich weiterzuentwickeln, also Sponsoring, Ticketing, Vermarktungsrechte und Business-Partnerschaften. „
Aussagen von Zorn „wurden teilweise missverstanden“
Die Aussagen von Sportvorstand Tomas Zorn über die eingeschränkte Handlungsfähigkeit auf dem Transfermarkt sorgten zuletzt für Diskussionen. Wie handlungsfähig ist Austria Wien derzeit?
„Ich glaube, dass diese Aussagen teilweise missverstanden wurden. Tomas hat es dann auch zurechtgerückt. Gemeint war, dass das vorgegebene Sportbudget vollständig verplant ist. Wenn man darüber hinaus weitere Maßnahmen setzen möchte, müssten zunächst Einsparungen an anderer Stelle erfolgen. Andernfalls würden wir vom Budget abweichen und ein negatives Ergebnis riskieren. Aus meiner Sicht wurde das Sportbudget optimal eingesetzt. Es ist ausgewogen zwischen Mannschaft, Staff und Nachwuchs verteilt. Tomas macht hier einen sehr guten Job. Weitere Maßnahmen sind möglich, müssen aber entsprechend gegenfinanziert werden.“
Zorn über Neuzugänge: „Sind aktuell nicht handlungsfähig“
Von einem Budget von rund 30 Millionen Euro fließen etwa 11 Millionen in den Sportbereich und rund sieben Millionen in die Kampfmannschaft. Ist es das Ziel, diesen Anteil weiter zu erhöhen?
„Wenn man den gesamten Sportbereich betrachtet, mit allen zusätzlich den Sport betreffenden Aufwendungen, wie beispielsweise Staff, Akademie, Nachwuchs, Reisekosten, Scouting, etc., dann fließen bereits deutlich mehr als 50 Prozent des Gesamtetats in den Sport. Natürlich wollen wir jeden zusätzlichen Euro möglichst in den sportlichen Bereich investieren. Jeder und Jede bei Austria Wien möchte, dass der Klub sportlich maximal erfolgreich ist, gleichzeitig trägt die Gesellschaft viele weitere Verpflichtungen, die notwendig sind, um den Gesamtbetrieb aufrechtzuerhalten. Ich halte unsere Struktur für sehr effizient.“
Woher kommt der Anspruch, ein Top-4-Klub der Bundesliga zu sein, wenn die Personalkosten der Kampfmannschaft eher im Bereich einiger Konkurrenten liegen, die um die Plätze fünf bis acht spielen?
„Wir sehen uns aufgrund unserer sportlichen Investitionen budgetär ungefähr auf Rang fünf in Österreich. Unser realistisches Ziel ist die Qualifikation für die Meistergruppe. Wenn wir dort vertreten sind, ist alles möglich. Der höhere Anspruch ergibt sich aus der Geschichte, Tradition und Strahlkraft von Austria Wien. In diesen Bereichen und vor allem in der Nachwuchsarbeit zählen wir sicherlich zu den Topklubs in Österreich.“
Ist es schwierig, bei Austria Wien realistisch zu denken?
„Bei Austria Wien ist es immer ambitioniert. Wenn man die Fans sieht, die Atmosphäre im Stadion erlebt und die Emotionen spürt, möchte man immer mehr erreichen. Bei diesem Klub will man immer gewinnen.“
Ndukwe-Deal „sehr attraktiv“ für Wiener Austria
Weil Sie die starke Nachwuchsarbeit angesprochen haben: Im Sommer wurde Ifeanyi Ndukwe zum FC Liverpool verkauft. Wenn man die Transfersummen sieht, die von Klubs der Premier-League bezahlt werden: War der Transfer von Ndukwe zu Liverpool möglicherweise zu günstig?
„Ich bin überzeugt, dass die Sportdirektion mit dem Transfer von Ndukwe einen sehr attraktiven Deal für Austria Wien abgeschlossen hat, den es in dieser Größenordnung für einen Spieler, der bis dahin noch nie in der Kampfmannschaft gespielt hat, noch nie gegeben hat. Der Transfer ist eine Auszeichnung für die hervorragende Arbeit in unserer Akademie. Zudem haben wir uns Beteiligungen für mögliche Weiterverkäufe gesichert. Sollte sich der Spieler in England entsprechend entwickeln, auch wenn uns bewusst ist, dass er aktuell verliehen werden muss, kann das für Austria Wien wirtschaftlich sehr attraktiv werden. Ich glaube, dass dieser Schritt sowohl für den Spieler als auch für den Klub richtig war.“

Im Mai 2025 wurde die Verlängerung mit der Generali bis Juni 2026 offiziell kommuniziert. Wie ist hier der aktuelle Stand?
„Wir haben eine langfristige Kooperation mit jährlichen Verlängerungsoptionen. Die Partnerschaft mit der Generali besteht langfristig weiter.“
Die Generali Arena bleibt also auch künftig die Generali Arena?
„Selbstverständlich. Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden und haben derzeit keine Alternative als Naming-Right-Partner im Blick. Wir sind mit der Generali sehr glücklich.“
Die vergangenen Jahre waren für den Verein sehr herausfordernd. Wie hat sich das persönlich auf Sie ausgewirkt?
„Die letzten drei Jahre haben mein Leben stark verändert. Der Job bei Austria Wien ist ein Sieben-Tage-Job. Man ist im Grunde rund um die Uhr mit dem Klub beschäftigt. Ich habe viele persönliche Dinge hintenangestellt und mich voll auf Austria Wien konzentriert. Mein Umfeld kennt mich und hat Verständnis dafür. Natürlich brauche auch ich Auszeiten, aber der Fokus lag in den vergangenen Jahren eindeutig auf dem Klub.“
Wie wichtig sind Regenerationszeiten, auch für einen Vorstand?
„Sehr wichtig. Müdigkeit macht sich körperlich bemerkbar und wirkt sich auch auf den Kopf aus. Spaziergänge, Zeit daheim oder sportliche Aktivitäten helfen dabei, neue Energie zu tanken.“
Ein großes Thema bei der Austria ist immer wieder die Beziehung zwischen Verein und Investoren. Wie gestaltet sich derzeit die Kommunikation mit der WTF-Gruppe?
„Ich konzentriere mich als Vorstand auf die operative Führung der Austria Wien AG. Es gibt einen Aufsichtsrat, dem regelmäßig über die finanzielle Situation und strategische Themen berichtet wird. Darauf liegt mein Fokus. Die Kommunikation zwischen den Gesellschaftern erfolgt auf anderer Ebene.“
Ist es weiterhin ein Ziel, die Anteile der WTF-Gruppe zurückzukaufen?
„Das ist eine Angelegenheit der Gesellschafter. Unabhängig davon, wem die Anteile gehören, bleibt meine Aufgabe dieselbe: bestmöglich für Austria Wien zu arbeiten.“
Ihnen wird immer wieder nachgesagt, sich auch in sportliche Entscheidungen einzubringen. Ist es gelungen, Wirtschaft und Sport voneinander zu trennen?
„Im Vorstand gibt es eine Gesamtverantwortung. Wenn sportliche Entscheidungen wirtschaftliche Auswirkungen haben, dann ist es sogar meine Pflicht, meine Expertise einzubringen. Was sportliche Inhalte betrifft, also Spielsystem, Taktik oder ähnliche Themen, habe ich niemals Einfluss genommen. Wir haben mit Stephan Helm einen Trainer und Tomas Zorn einen Sportvorstand, die meine volle Unterstützung genießen. Mein Verantwortungsbereich ist die wirtschaftliche Seite des Klubs.“

Vertrag von Zagiczek läuft in Kürze aus
Ihr Vertrag läuft Ende September aus. Laut Sky-Informationen liegt Ihnen bereits ein neues Angebot vor, dieses soll eine Laufzeit von neun Monaten haben. Werden Sie unterschreiben?
„Zu meiner Vertragssituation werde ich mich äußern, wenn es soweit ist. Derzeit möchte ich dazu nichts sagen.“
Ende August wird es eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung geben, wo es sicher auch um Ihre Zukunft geht. Mit welchen Erwartungen gehen Sie hinein?
„Ich möchte dem Aufsichtsrat nicht vorgreifen. Ich hoffe, dass meine Arbeit der vergangenen drei Jahre sachlich bewertet wird. Es gab Erfolge, es gab Dinge, die nicht optimal gelaufen sind. Am Ende wird man alles gegeneinander abwägen und eine Entscheidung treffen.“
Gehen Sie entspannt in diese Sitzung?
„Ja.“
Vielen Dank für das Gespräch!
