Gedenken an verstorbene Mutter: Emotionaler Sieg für Noskova
Im Moment ihres größten Triumphs dachte die neue Wimbledon-Siegerin Linda Noskova an ihre vor zwei Jahren gestorbene Mutter.
Die 21-jährige Tschechin hielt nach dem 6:2,5:7,6:3 gegen ihre befreundete Landsfrau Karolina Muchova die Venus Rosewater Dish als Trophäe für den Erfolg beim prestigeträchtigsten Tennis-Turnier der Welt in den Händen. Sie schickte einen Handkuss in den Himmel, blickte nach oben und hatte Tränen in den Augen.
„Es gibt noch eine Person, der ich danken möchte. Das ist meine Mum. Ich würde definitiv nicht ohne sie hier stehen“, sagte Noskova. Ihre Mutter Ivana starb vor zwei Jahren direkt vor dem Auftakt von Wimbledon. Noskova spielte dennoch und gewann erstmals ein Match beim Londoner Rasenturnier. Nun hat sie nach einem tschechischen Finale Wimbledon gewonnen – als dritte Tschechin in vier Jahren. Und als jüngste Tennisspielerin seit 2011, als ihre Landsfrau Petra Kvitova triumphierte.
Tennisikone Martina Navratilova war in der Royal Box bei Noskovas emotionaler Ansprache zu Tränen gerührt. Noskovas Vater Drahos Nosek, der auf der Tribüne mitgefiebert hatte, nahm seine Tochter stolz in die Arme, als sie vor der Siegerehrung zu ihm kam.
Nerven-Drama im Finale
Das Finale zwischen zwei Freundinnen nahm somit ein emotionales Ende. Noskova und Muchova kennen sich gut, spielten bei den Olympischen Spielen in Frankreich 2024 zusammen Doppel. Die Freundschaft hatte für diesen vorletzten Tag des zweiwöchigen Grand-Slam-Turniers ruhen müssen. Für beide geht es in der Weltrangliste nach vorne, Muchova und Noskova werden mit den Plätzen sechs und sieben neue persönliche Bestmarken erreichen.
Das Finale hatte eine Spannung entwickelt, wie sie lange nicht absehbar gewesen war. So schreibt dieses Finale auch eine Geschichte über den Umgang mit Druck, über mentalen Widerstand und über eine Pause, die einen besonderen Ansporn brachte. Der dreimalige Wimbledon-Sieger John McEnroe sprach von einer der „größten mentalen Leistungen, die man auf diesem Platz je sehen wird“.
Berlin-Siegerin Noskova dominierte klar. Sie steuerte auf einen Sieg in nur 68 Minuten zu, stand am Ende aber erst nach knapp zweieinhalb Stunden als Siegerin fest. Denn Noskova verlor fünf Spiele in Serie und den zweiten Satz. Noskova verschwindet kurz in der Garderobe und kommt an den Trophäen vorbei, die bereits für die Siegerehrung bereitgestellt wurden. Eine mitentscheidende Motivation. „Ich habe mir kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt. Aber was mir wirklich geholfen hat: Ich habe die Trophäen gesehen und mir gesagt, ich werde nicht mit der kleinen nach Hause gehen. Ich will die große.“
