Goldener WM-Abschluss für Schweiz – weinendes Auge bei Österreich

Zum zweiten Mal nacheinander sind die österreichischen Slalom-Spezialisten bei einer Ski-WM leer ausgegangen.

Manuel Fellers vierter Platz sorgte für einen Schönheitsfehler eines sonst perfekten Events aus Gastgeber-Sicht. Im Freudentaumel lag dagegen auch am letzten Tag in Saalbach-Hinterglemm die Schweizer Mannschaft, für die Loic Meillard die fünfte Goldmedaille gewann. Die Männer-Equipe egalisierte mit neun Medaillen einen ÖSV-Rekord aus dem Jahr 1999.

„Natürlich haben wir uns im Herren-Slalom schon eine Medaille erwartet. Es tut mir vor allem für den Felli weh, dass er bei seiner Heim-Weltmeisterschaft mit der Blechernen nach Hause gehen muss. Er hat alles probiert im zweiten Durchgang“, sagte ÖSV-Alpinchef Herbert Mandl. „Natürlich wäre es für uns wunderschön gewesen, wenn er da noch am Stockerl gewesen wäre. Verloren haben wir es im ersten Durchgang, da waren die Zeitrückstände zu groß“, meinte Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer. Nach Fellers Aus in der Teamkombi habe er das Gefühl gehabt, der Tiroler wolle da nicht zu viel riskieren. „Das ist auch menschlich. Im Kombi-Slalom ist er gefahren wie ein Irrer.“

Dass die Niederlage, wie Feller es selber formulierte, ihn länger belasten könnte, glaubt Pfeifer nicht. „Im Endeffekt muss man die Lehren daraus ziehen, dass es im ersten zu wenig war. Das ist halt immer sehr viel Kopfsache. Wie man den Manu kennt, wird er sich wieder aufrichten“, sagte der dennoch positiv bilanzierende Pfeifer. Mit insgesamt sieben Medaillen für Männer und Frauen – zweimal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze – übertraf das österreichische Team die Erwartungen.

Meillard fand in Saalbach seine Erfüllung

Für die Schweiz wurden es dank Meillard 13 Medaillen, je fünf in Gold und in Silber, drei in Bronze. Einmal nur hatten die Schweizer Alpinen an einer Weltmeisterschaft besser abgeschnitten: 1987 waren es in Crans-Montana 14 Medaillen. Den Hauptanteil scheffelten die Männer, die in Saalbach einen Rekord einstellten: Neun Medaillen pro Geschlecht hatte erst einmal eine Nation bei einer WM geschafft, und zwar Österreichs Frauen 1999 in Vail/Beaver Creek.

„Das ist sicher eine Woche, die nicht nur mir, sondern dem gesamten Team immer in Erinnerung bleiben wird. All die Emotionen, die wir mit unserem ganzen Umfeld geteilt haben – einfach unglaublich“, sagte Meillard, der oft im Schatten von Marco Odermatt steht, den Schweizer Superstar jedoch bei der WM überflügelte. An der Seite von Franjo von Allmen gewann er Gold in der Team-Kombination, dazu kam später Bronze im Riesentorlauf und eben der goldene Abschluss im Slalom. Für Odermatt blieb „nur“ der Titel im Super-G.

„Bei der WM zählen nur die Medaillen. Wenn du in jedem Rennen eine holst, ist das genial“, sagte der 28-jährige Meillard. Meillard und Saalbach – das passt: Im WM-Ort war der Filigrantechniker vor mehr als sechs Jahren zum ersten Mal auf ein Weltcup-Podest gestiegen, im vergangenen Winter hatte er beim Saisonfinale seinen bis heute letzten Weltcupsieg gefeiert.

Stecher verweist auf Potenzial in Österreich

„Die Schweiz hat in den vergangenen 15, 20 Jahren einfach richtig gute Arbeit geleistet. Nicht nur ganz vorne, sondern auch, was den Nachwuchs anbelangt“, sagte ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher anerkennend in Richtung des westlichen Nachbarlandes, das 2027 die nächste WM in Crans-Montana veranstalten wird. „Die haben einige Dinge auch verändert, einige Dinge vielleicht sogar kopiert von Österreich.“

Ein gewisses Nachwuchsproblem in Österreich wollte Stecher in einem Mediengespräch nicht leugnen, er sah jedoch keinen Grund zur Panik. „Wir wissen natürlich, dass wir in einigen Jahrgängen nicht ganz so gut aufgestellt sind. Das ist nichts Neues. Wir brauchen jetzt aber auch nicht sagen, kein Mensch im Nachwuchs kann mehr Ski fahren, weil das stimmt einfach nicht“, betonte Stecher. „Ich glaube, wir haben in Österreich sehr, sehr gutes Potenzial, sehr, sehr viel Potenzial. Unsere Challenge ist es, diese Kinder wirklich auch weiterzubringen, im Alter zwischen 14 und 17 Jahren den nächsten Step machen zu lassen.“

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(APA) / Bild: GEPA