„Iceman“ Haaser nach WM-Gold: „Gibt Wichtigeres auf der Welt“

Bei der ersten Zeremonie im Ziel ging Raphael Haaser auf ein Knie, verbarg das Gesicht halb hinter einem Handschuh und verharrte ein paar Momente in vollkommener Ruhe. „Ich habe ein bissl Zeit gebraucht, um das ein bissl sacken zu lassen. Wenn man da in das Stadion schaut, es gibt für einen Skifahrer nichts Cooleres, als vor Heimpublikum in so einem Stadion eine gute Leistung abzurufen“, sagte der neue Riesentorlauf-Weltmeister von Saalbach-Hinterglemm. „Es ist unglaublich.“

Gut war die Leistung nicht, sie war vielmehr „im zweiten im unteren Teil fantastisch“, wie Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer den Goldlauf einordnete. „Abnormal wie er den Riesentorlauf gewinnt, das ist schon speziell. Unglaublich, dass er die Schweizer Armada, die so stark ist, gebogen hat.“ Haaser, der bisher im Riesentorlauf im Weltcup nie besser als Siebenter war und das zuletzt im Oktober in Sölden – setzte sich vor Thomas Tumler, Loic Meillard und Topfavorit Marco Odermatt durch.

Nur sieben Saisonrennen und Verletzungspause vor WM

Haaser fuhr in dieser Saison nur sieben Rennen im Weltcup, fünf vor und zwei nach seiner am 14. Dezember in Val d’Isere zugezogenen Knieverletzung. Im Super-G von Kitzbühel gab er sein Comeback und qualifizierte sich als Zweiter für das WM-Team. Dort gewann er nur einen Tag nach dem Sturz und der schweren Knieverletzung seiner Schwester Ricarda die Silbermedaille im Super-G und meinte vor dem Riesentorlauf auf dem Zwölferkogel: „Etwas zu haben ist immer besser, als nichts zu haben.“ Nach der Goldmedaille lautet es so: „Das ist noch besser, als nichts zu haben.“

Er habe sich schon im ersten Durchgang sehr gut gefühlt und sich vorgenommen, es im zweiten ähnlich anzulegen. „Das ist mir gut gelungen.“ So viele hätten an diesem Erfolg Anteil, Familie, Trainer, die Skifirma. „Einfach ein großes Danke.“ Er hätte dies freilich unterschrieben, als er verletzt daheim auf der Couch gehockt sei. „Es ist schon ein bissl surreal, es wird noch einige Zeit dauern, das zu realisieren.“

Haaser glaubte immer an WM-Start

Dass es lange nicht fix war, ob Haaser rechtzeitig für die WM fit wird, bestätigte Trainer Pfeifer. „Es hat geheißen, sechs bis acht Wochen Pause, da wäre es nicht realistisch gewesen. Wir haben gut mit den Ärzten kommuniziert, die Freigabe bekommen, es war relativ wenig Zeit. Techniktrainer Hannes Wallner ist dann mit ihm frei Skifahren und Technik fahren gegangen, so hat sich das aufgebaut.“

Unglaublich, wie Haaser danach in Kitzbühel gefahren sei. „Ich habe gewusst, ich hätte ihn gern bei der WM dabei, aber natürlich brauche ich ein Ergebnis, sonst kann ich ihn nicht aufstellen. Dann qualifiziert er sich und holt Silber und Gold. Unglaublich, was der Raffi aufführt“, sagte Pfeifer, für den es die erste Goldmedaille in seiner Funktion als Cheftrainer ist. „Eine Goldene bei der Heim-WM wird man als Cheftrainer auch nur einmal erleben.“

Richtige Einordnung des Skisports als Lebenseinstellung

„Ich wollte nicht auf wen angewiesen sein bezüglich der Aufstellung. Da war der größere Druck, kann ich davor noch einen Weltcup bestreiten, um mich selbst aufzustellen“, erklärte der 27-jährige Haaser, was ihn beschäftigte. „Die Prognose, wie lange es dauert, war länger. Ich habe mir gesagt, ich muss alles dransetzen, dass ich das so kurz wie möglich halte.“ Dass sich die Heim-WM für ihn ausgehen wird, habe er hundertprozentig gewusst.

Den Spitznamen „Iceman“ trägt Haaser, der mit der deutschen Skirennläuferin Fabiana Dorigo (zwei WM-Starts) liiert ist, wegen seiner an den Tag gelegten Gelassenheit. „Das ist vielleicht ein bissl so meine Lebenseinstellung, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt als das da, obwohl ich natürlich sehr dankbar bin, solche Erfolge zu feiern.“ Was ihn beschäftigt? „Gesundheit, Frieden und dass jeder was zu essen hat, das wäre schon einmal sehr viel wert.“

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(APA) / Artikelbild: GEPA