„Liverpool-Besieger“ Aufhauser traut LASK „einen Punkt“ zu
Es sind wenige, aber es gibt sie: österreichische Fußballer, die einen Sieg über Liverpool bejubeln durften. Rene Aufhauser ist einer von ihnen, 2004 feierte er mit dem GAK gar in Anfield einen denkwürdigen 1:0-Erfolg über die Reds. Der 20-fache englische Meister gastiert am Mittwoch (18.45 Uhr) in der Fußball-Champions-League beim LASK, den Aufhauser nicht auf verlorenem Posten sieht. „Ich traue ihnen zu, einen Punkt zu holen“, sagte der 58-fache ÖFB-Teamkicker.
10 Spiele, 8 Niederlagen, 1 Remis – und eben der Sieg des GAK vor 22 Jahren. Die Europacupbilanz österreichischer gegen englische Klubs ist bescheiden. Umso schöner ist die Erinnerung Aufhausers an jenen Abend des 24. August 2004. Nach einer 0:2-Heimniederlage im Hinspiel der letzten Qualirunde zur Champions League war das 1:0 durch einen Treffer von Mario Tokic zwar zu wenig zum Weiterkommen, brannte sich aber in die Erinnerung der Spieler und von Trainer Walter Schachner ein.
„Mit so langem Abstand denke ich mit extremem Stolz daran“, sagte Aufhauser, auch wenn direkt nach Abpfiff noch leicht die Enttäuschung über das Aus überwogen hatte. Schließlich kamen die von Rafael Benitez trainierten Gastgeber um Steven Gerrard in der letzten Viertelstunde arg ins Wanken. Acht Minuten vor dem Ende verhinderte bei einem Kopfball Roland Kollmanns nur eine Glanzparade von Jerzy Dudek die Verlängerung. „Auch die heimischen Fans haben unsere Leistung nach dem Abpfiff mit Applaus honoriert.“
Kurioses Doppel-Gelb ohne Folge: „Ein Wahnsinn“
Hätte sich das Blatt tatsächlich noch zugunsten der Grazer gewendet, wäre das nicht ohne Nachspiel geblieben. Denn Aufhauser hätte nach seiner zweiten gelben Karte in der 76. Minute eigentlich vom Platz fliegen müssen. „Das war schon kurios“, meinte Aufhauser. Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo entging dieses Detail, der Sünder selbst glaubte mehr oder weniger, sein Nebenmann Gernot Sick habe Gelb gesehen. „Ein Wahnsinn. Wenn wir weitergekommen wären, hätte es ein Wiederholungsspiel gegeben.“

Was damals im Hinblick auf das Ungleichgewicht der beiden Teams galt, habe nun auch für den LASK Gewicht – ganz abgesehen von der aktuellen Linzer Unserie. „Es braucht eine gewisse Selbstsicherheit, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wichtig wird es sein, in der ersten Viertelstunde nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren. Du kannst auch diesen Gegner phasenweise kontrollieren, wo bei uns in der Liga die Gegner schneller wieder den Ball haben wollen. Du kriegst auch da immer wieder die Spielkontrolle“, meinte Aufhauser. „Aber klarerweise brauchst du einen Sterntag.“
Neue Rolle als Therapeut – Fußball im Hintergrund
Möglich, dass sich Aufhauser das Spiel im TV anschaut, fix ist das derzeit aber nicht. Denn der Fußball spielt im Leben des 50-Jährigen nur noch eine untergeordnete Rolle. Vor drei Jahren eröffnete der Steirer in Salzburg eine Praxis für Akupunkt-Massage („Akupunktur ohne Nadeln“) und lässt seinen – nicht aus dem Profisport kommenden – Patienten das angedeihen, was ihm einst selbst half. Als „Co“ von Oscar Garcia, Marco Rose oder Jesse Marsch bei Red Bull Salzburg war er immer wieder als möglicher Cheftrainer im Gespräch, geworden ist es nichts. 2022 führte er noch Liefering bzw. die Youth-League-Truppe ins Finale der U19-Königsklasse – seitdem herrscht Funkstille.
Abgesehen von seinem „Ferialjob“ im Sommercamp, das die Fußballergewerkschaft VdF für vertragslose Kicker anbietet, entfernt sich Aufhauser immer mehr vom Profikick. „Vor fünf Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können.“ Doch die Arbeit in der Praxis, die völlig veränderte Lebensqualität – all das hat er zu schätzen gelernt. „Du sollst niemals nie sagen. Aber auch wenn es nichts mehr werden sollte, wäre ich ein sehr glücklicher Mensch.“
