Medienmogul als Austria-Investor? Die kuriose Geschichte von Acun Ilicali
Laut türkischen Medien ist die Wiener Austria dem türkischen Medienmogul und Investor Acun Ilicali angeboten worden. Laut Auskunft der Wiener Austria ist an dem Gerücht nichts dran, aber ein Blick auf die bewegende Geschichte von Ilicali lohnt trotzdem. Wer ist der Mann der Hull City im Jahr 2022 gekauft hat?
Wenn in der Türkei über Medienmacht gesprochen wird, fällt sein Name fast zwangsläufig: Acun Ilıcalı. Der Unternehmer, Fernsehproduzent und Klubbesitzer hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt. Vom gescheiterten Jungunternehmer und schlecht bezahlten Sportreporter entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Medienunternehmer des Landes. Nun wird sein Name auch in Österreich diskutiert, nachdem türkische Medien berichteten, dass die Wiener Austria dem Investor angeboten worden sein soll.
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Die Geschichte von Acun Ilıcalı liest sich dabei fast wie das Drehbuch einer jener Fernsehproduktionen, mit denen er später Millionen Menschen unterhalten sollte.
Vom Verkäufer zum Reporter
Geboren wurde Ilıcalı 1969 in Edirne im europäischen Teil der Türkei. Sein Weg nach oben begann alles andere als glamourös. Nach einem nicht abgeschlossenen Studium versuchte er sich zunächst als Unternehmer und betrieb einen Jeansladen in Istanbul. Das Geschäft scheiterte allerdings, Ilıcalı verlor viel Geld und stand praktisch vor dem Neuanfang.
Die Wende brachte der Journalismus. Anfang der 1990er-Jahre erhielt Ilıcalı die Chance, beim Fernsehsender Show TV als Sportreporter zu arbeiten. Das Gehalt war bescheiden. Nach eigenen Angaben verdiente er in seinen ersten Jahren gerade einmal 100 Dollar pro Monat. Dennoch entwickelte er schnell jene Hartnäckigkeit und Risikobereitschaft, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten. Schon damals war Ilıcalı dafür bekannt, Konventionen eher kreativ auszulegen.
Berühmt dank WM-Anekdote
Eine bis heute legendäre Geschichte stammt von der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Eigentlich sollte der junge Reporter direkt vom Turnier berichten. Stattdessen flog er kurzfristig zurück nach Istanbul, um den Geburtstag seiner damaligen Freundin zu feiern.
Als eine Live-Schaltung anstand, improvisierte Ilıcalı. Die Partygäste sollten den Eindruck vermitteln, als befände sich der Reporter tatsächlich unter brasilianischen Fans bei der WM. Der Plan scheiterte spektakulär. Die vermeintlichen Brasilianer sangen keine Samba-Lieder, sondern türkische Songs. Der Schwindel flog auf und wurde rasch zur Medienanekdote. Jahre später erzählte Ilıcalı die Geschichte selbst immer wieder mit einem Schmunzeln.
Rückblickend verrät die Episode viel über seinen Charakter. Wo andere Probleme sahen, sah Ilıcalı eine Gelegenheit zur Improvisation. Nicht jede Idee funktionierte, doch genau diese Mischung aus Mut, Kreativität und Risikofreude sollte später die Grundlage seines Erfolgs werden.
Der Mann, der der Türkei die Reality-Shows brachte
Seinen eigentlichen Durchbruch verdankte Ilıcalı nicht dem Sportjournalismus, sondern einem Reiseformat. Für die Sendung „Acun Firarda“ bereiste er mehr als 100 Länder und berichtete von exotischen Orten rund um den Globus. Statt auf klassische Reporter-Distanz setzte er auf Emotionen, Humor und Unterhaltung. Das Publikum liebte den unkonventionellen Stil.
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Aus dem Reporter wurde ein Fernsehstar. Aus dem Fernsehstar ein Unternehmer. 2004 gründete er die Produktionsfirma Acun Medya, die sich innerhalb weniger Jahre zu einer dominierenden Kraft im türkischen Fernsehen entwickelte. Statt teure Eigenentwicklungen zu produzieren, erkannte Ilıcalı früh das Potenzial internationaler Erfolgsformate. Er kaufte Lizenzen und passte die Sendungen für den türkischen Markt an. Das Konzept erwies sich als Goldgrube.
Zu seinem Portfolio gehörten türkische Versionen von: Survivor, The Voice, Got Talent, Deal or No Deal, Fear Factor, MasterChef. Die Produktionen erreichten regelmäßig Spitzenquoten und machten Ilıcalı zu einem der bekanntesten Gesichter der türkischen Unterhaltungsbranche.
Fernsehen als Imperium
Sein größter Erfolg bestand jedoch nicht darin, Fernsehsendungen zu produzieren, sondern ein gesamtes Mediennetzwerk aufzubauen.
2013 übernahm er den Sender TV8, später kam TV8.5 hinzu. Mit der Streamingplattform Exxen investierte er frühzeitig in digitale Inhalte und reagierte damit auf die Veränderung des Medienkonsums. Während viele traditionelle TV-Unternehmen noch auf das klassische Fernsehen setzten, dachte Ilıcalı bereits an die nächste Generation von Zuschauern.
Zwischen 2018 und 2021 wurde er mehrfach vom Branchenmagazin Variety zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Medienindustrie gezählt.
Vom Fernsehchef zum Fußballinvestor
Irgendwann reichte dem Medienmogul das Fernsehen allein nicht mehr.
2022 übernahm Ilıcalı den englischen Traditionsverein Hull City AFC. Das Engagement passt zu einem Unternehmer, der Unterhaltung stets ganzheitlich denkt. Sportrechte gehören weltweit zu den wertvollsten Inhalten für Fernsehsender und Streamingplattformen. Die Verbindung von Medien und Fußball liegt daher auf der Hand.
Mehr Entertainer als Finanzinvestor
Wer in Acun Ilıcalı den typischen Finanzinvestor vermutet, liegt allerdings daneben. Anders als viele Klubbesitzer stammt er nicht aus der Bankenwelt oder dem Private-Equity-Geschäft. Sein Kapital ist Aufmerksamkeit. Seine Karriere basiert darauf, Menschen zu unterhalten und daraus funktionierende Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Vielleicht erklärt gerade das seinen außergewöhnlichen Aufstieg. Vom gescheiterten Jeanshändler über den Sportreporter mit einem Monatsgehalt von 100 Dollar bis zum Besitzer eines Medienimperiums verlief seine Karriere alles andere als geradlinig.
Oder, um es mit einem Satz zusammenzufassen: Aus einem Mann, der bei einer WM-Liveschaltung brasilianische Fans improvisieren musste, wurde einer der mächtigsten Medienunternehmer der Türkei.
