Mexiko als WM-Wende? Norris dominiert, Piastri schwächelt
Der Brite Lando Norris hat nach seiner Machtdemonstration in Mexiko die Buhrufe von den Rängen souverän weggelächelt.
Das Momentum im WM-Kampf liegt vier Rennwochenenden vor Schluss eindeutig bei ihm, denn sein McLaren-Teamkollege Oscar Piastri schwächelt gehörig. „Das war definitiv meine beste Leistung“, betonte Norris nach seinem überlegenen Erfolg vor Charles Leclerc im Ferrari und Red-Bull-Titelverteidiger Max Verstappen.
Die internationale Presse überschüttete Norris mit Lob. „Der Brite von McLaren ließ der Konkurrenz nur Brösel übrig“, urteilte die französische Sportzeitung „L’Equipe„. Der englische „Guardian“ schrieb: „Wenn das Timing in einem Rennen entscheidend ist, dann hat Lando Norris mit seinem absolut makellosen Urteilsvermögen genau den richtigen Moment getroffen.“
Norris im Hoch, Piastri-Tief mit Monza als Knackpunkt
Die Schmähungen von den Rängen steckte Norris locker weg. „Ich weiß nicht, warum ich nicht aufhören kann zu lachen, wenn ich ausgebuht werde. Ich glaube, das macht es unterhaltsamer für mich. Also, ja, sie können weitermachen, wenn sie wollen“, sagte Norris. Gut finde er die Buhrufe jedoch nicht. „Natürlich will man das nicht. Mir ist es lieber, wenn die Leute mich anfeuern. Aber ich konzentriere mich einfach auf meine Sache“, sagte der Brite. Und die machte er in Mexiko besonders gut, während sein Stallrivale Piastri hinter Sensationsmann Oliver Bearman (Haas) nur Fünfter wurde. Wodurch er Norris in der WM-Wertung um einen Punkt vorbeilassen musste. „Wenn dein Teamkollege das Rennen gewinnt und du landest auf Platz fünf, ist das nicht super“, sagte Piastri, der mit seinem Boliden neuerdings fremdelt, während Norris mit dem McLaren besser zurechtkommt.
“Ich konzentriere mich auf mich selbst“ – Norris will fokussiert bleiben
Dabei sei am Auto seit einiger Zeit nichts mehr verändert worden, betonte Piastri. Sein Abwärtstrend ist offensichtlich: Sieben Siege in den ersten 15 Grand Prix, aber als Dritter in Monza nur noch ein Podestplatz in den fünf Rennen danach. Dass er in Monza seine Position als Zweiter gegen Norris auf Geheiß des Teams eintauschen musste, hatte die Diskussionen um die Rangordnung bei McLaren befeuert. Doch Monza war nur so etwas wie der Anfang. Es folgten ein Beinahe-Crash-Intermezzo in Singapur mit einer nicht weiter genannten Konsequenz für Norris und eine tatsächliche Kollision der beiden McLaren-Rivalen beim Sprint in Austin mit Teilschuld von Piastri, woraufhin die Sanktion gegen Norris wieder aufgehoben wurde.
Unglücklicher Verstappen verringerte Abstand zur Spitze
Verstappen hat abseits der internen Rivalität bei McLaren seinen Rückstand auf die Spitze von 40 auf 36 Punkte verkürzt. Glücklich war der Weltmeister damit aber nicht. „Ich habe vor dem Wochenende gesagt, alles muss perfekt laufen. Dieses Wochenende war nicht perfekt“, sagte der Niederländer, für den noch mehr drinnen gewesen wäre. Allerdings stellte der ehemalige Ferrari-Pilot Carlos Sainz seinen Williams so unglücklich nach einem Dreher ab, dass kurz vor Schluss wegen einer virtuellen Safety-Car-Phase Überholverbot herrschte. Verstappen konnte Leclerc dadurch nicht mehr überholen. „Sainz hat da ein verspätetes Abschiedsgeschenk an Ferrari getätigt“, ärgerte sich Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko. Vor einem Jahr hatte Sainz im Ferrari in Mexiko gewonnen, nach der Saison hatte der Spanier für Lewis Hamilton Platz machen müssen.
An den noch ausstehenden vier Rennwochenenden in Sao Paulo, Las Vegas, Katar und Abu Dhabi sind maximal noch 116 Punkte zu holen. „Unsere Chancen sind intakt“, bekräftigte Marko. „Dass ein Team einen Vorteil auf einer Strecke hat, ist nicht mehr gegeben.“ Deshalb werden die Fahrer entscheiden. Und da sind zwei gerade obenauf: Norris durch den Sieg, Verstappen durch die unerwartete Rückkehr in den WM-Kampf. „Ich hoffe, dass die beiden McLaren weiterhin bei ihrer Fairnessregel bleiben“, meinte Marko in Richtung der WM-Spitzenreiter. „Wir haben den Vorteil, dass sich bei uns alles auf Max entscheidet.“ Im Lichte des anhaltenden WM-Kampfes wurde die Entscheidung über Verstappens Teamkollege in der Saison 2026 und die Besetzung der beiden Racing-Bulls-Cockpits bis zum Saisonende vertagt.
„Norris ist der neue König“: Die Pressestimmen zum Mexiko-GP
(APA) / Bild: Imago
