Österreichs RTL-Männer wollen im Kugelmatch Treffer landen
Mit den Rängen zwei durch Marco Schwarz, vier durch Stefan Brennsteiner und sechs durch Raphael Haaser ist Österreichs Riesentorläufern vor einem Jahr in Sölden ein Traumstart in die alpine Ski-Weltcup-Saison gelungen. Sonntag zählen sie auf dem Rettenbachferner zu den Mitfavoriten (10.00/13.00 Uhr), wie auch Olympiasieger und Kugelgewinner Lucas Pinheiro Braathen (BRA) und Marco Odermatt (SUI). Die viel zitierte Standortbestimmung wird allerorts herbeigesehnt.
Denn bis zum nächsten Riesentorlauf Ende November in Copper Mountain sind noch Wochen Zeit, um in die Spur zu finden, sollte der Einstand nicht wunschgemäß verlaufen. „Es war vergangenes Jahr das Motto, dass wir gleich von Anfang an auf Topniveau sein sollen. Das hat funktioniert. Gute Ergebnisse beflügeln, jedes Topergebnis bringt etwas, aber überbewerten kann man es nicht“, sagte ÖSV-Männer-Cheftrainer Marko Pfeifer zur APA. Was er sehen will, ist Sieg-Mentalität – lieber Entschlossenheit und Fehler machen anstatt verhaltenes Auftreten und auf Platzierung fahren.
Odermatt ist nach wie vor hungrig
Die Branchen-Größen sprühen vor Tatendrang. „Wenn ich versuche, jeden Tag besser zu werden, weiß ich, dass ich große Dinge schaffen kann“, kündigte Braathen an. „Ich denke, ich bin immer noch hungrig“, sagte Odermatt, der vergangenen Winter nach vier Erfolgen en suite die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf an Braathen abgeben musste. Verteidigt der fünffache Gesamtweltcupsieger in seinem laut FIS 200. Weltcuprennen den Vorjahressieg, schließt er mit dann 55 Siegen zu seiner Landsfrau Vreni Schneider und zum US-Amerikaner Ted Ligety als vierfachen Sölden-Gewinner auf.
Über die Saison 2025/26 gesehen bester ÖSV-Riesentorläufer war mit sieben Top-fünf-Rängen inklusive dem Premierensieg in Copper Mountain Brennsteiner. Der letzte rot-weiß-rote Triumph in Sölden ist mittlerweile zwölf Jahre her und wurde von Marcel Hirscher errungen. Der gibt, nun für die Niederlande fahrend, noch kein Comeback nach Verletzungspause. Brennsteiner wird sich nach dem Rennhangfahren vergangene Woche auf der Altschneepräparierung auf die nun vorhandene Neuschneeauflage einstellen. „Diese Erfahrung sammelt man über die Jahre, damit man weiß, was zu tun ist“, sagte er.
Er werde das Rennen nicht überbewerten, ob es in die Hose gehe oder er aufs Podium komme, erklärte Schwarz. „Ein guter Einstieg ist aber immer Gold wert. Der nimmt schon noch einmal viel Druck raus, das Selbstvertrauen steigt.“ Sich und seine Kollegen sieht er absolut konkurrenzfähig. „Wir haben ein starkes Teamgefüge. Wir brauchen uns vor niemandem verstecken. Aber natürlich muss man die üblichen Verdächtigen immer auf der Rechnung haben.“
Haaser setzt weiter auf drei Disziplinen
Riesentorlauf-Weltmeister Raphael Haaser ließ in der Vorsaison dem sechsten Platz in Sölden im weiteren Saisonverlauf noch einen achten und einen neunten Rang folgen. Im Super-G kam er dreimal als Dritter auf das Podest, in der Abfahrt war er einmal Fünfter. Er setzt erneut auf drei Disziplinen, Podestplätze sind überall möglich. „Ich habe Kilometer auf den langen Ski gesammelt, dass da noch etwas weiter geht. Und im Riesentorlauf habe ich geschaut, dass ich mehr Konstanz reinbringe.“
Die Beziehung zu Sölden habe schlecht angefangen (dreimal nicht klassiert), sich in den letzten zwei Jahren aber recht gut entwickelt (Siebenter, Sechster). „Wenn es heuer ähnlich läuft wie letztes Jahr, passt das, um in die Saison rein zu starten. Ganz schlecht haben wir nicht gearbeitet, ich gehe positiv in den Sonntag.“ Nach dem Materialwechsel habe er in der Vorsaison davon ausgehen müssen, dass ein paar harte Rennen kommen. „Es sind einige mehr geworden. Ich hoffe, dass es heuer deutlich konstanter und besser verläuft.“
Sturm hat den Speed, Eisner gibt Debüt
Joshua Sturm schrieb im März beim Weltcupfinale in Hafjell als Siebenter erstmals unter den besten zehn an. „Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich ein großes Stück näher dran bin an dem, wo ich hinwill. Ich kann mir viel zutrauen. Ich bin sehr bereit und habe einen guten Plan“, erläuterte der 25-Jährige. Pfeifer sieht das Potenzial. „Den Speed hat er, den hat er auch für ein Podium im Riesentorlauf. Aber er hat eine Nummer nach zwanzig, wir müssen ruhig bleiben. Es wäre eine coole Initialzündung, wenn er heuer bissl einen Durchbruch schaffen würde.“
Weiters für den ÖSV am Start sind Patrick Feurstein, Lukas Feurstein, Noel Zwischenbrugger und überraschend Jakob Eisner, der im Europacup noch nie besser als 21. war. Der Weltcup-Debütant aus Kärnten hat wegen des steilen Hangs Respekt vor der Aufgabe. „Aber es kann mir liegen, weil mir das Steile im Riesentorlauf entgegenkommt. Ich will alles geben, was ich draufhabe. Mit der hohen Startnummer wird es keine leichte Aufgabe.“
