Rückkehr auf den Col de Loze: Gall mit Vorfreude auf dritte Tour de France

Felix Gall kommt mit gestärktem Selbstvertrauen zu seiner dritten Tour de France, die am Samstag in Lille gestartet wird. Beim Blick auf den Etappenplan sticht auch aus seiner Sicht das 18. Teilstück am 24. Juli hervor. Da geht es von Vif über 171 km via Courchevel auf den Col de Loze auf 2.304 Metern. Für Gall ein erfreuliches Wiedersehen, hat er doch ebendort vor zwei Jahren als erster Österreicher die Königsetappe des wichtigsten Radrennens der Welt gewonnen.

„Ich freue mich auf die dritte Woche. Ich habe mir die Col de la Loze-Etappe im Trainingslager angeschaut. Es war schon etwas Besonderes, auf dem Berg wieder zurückzusein, wo ich 2023 die Etappe gewonnen habe“, sagte Gall mit einem Lächeln. Im Vergleich zu damals habe er sich von den Werten her verbessert. „Von den Leistungswerten und wenn alles nach Plan und perfekt verläuft, kann ich fast jeden schlagen“, sagte Gall, der zuletzt bei der Tour de Suisse im Bergzeitfahren Zweiter und Gesamt-Vierter wurde.

2023 war Gall noch nicht als Kapitän seines Teams zur „Großen Schleife“ gekommen und hatte dann sensationell nicht nur erwähntes Teilstück gewonnen, sondern auch Rang acht in der Gesamtwertung belegt. Zudem holte er Rang zwei im Bergklassement und auf der vorletzten Etappe. Der größte Unterschied zu damals ist für ihn schnell erklärt: „Ich weiß, was auf mich zukommt. 23 war meine erste Tour, die überraschenderweise sehr, sehr gut war, und es irgendwie so passiert ist. Letztes Jahr ist es vor allem in der dritten Woche nicht ganz so gut gelaufen. Ich habe jetzt zwei Varianten gesehen von der Tour. Ich bin etwas ruhiger und erfahrener.“ Der Col de la Loze wird nach 2020 und 2023 zum dritten Mal bei der Tour überwunden, diesmal erstmals von der Ostflanke.

Mit simplen Änderungen mehr Zeitfahrpotenzial

Fortschritte hat Gall zuletzt auch im Zeitfahren gemacht. „Ich habe in der Vergangenheit das Problem gehabt, dass ich biomechanisch die Leistung in der Zeitfahrposition nicht abrufen habe können“, sagte Gall und erklärte dies auf Nachfrage genauer. Er habe im Renntempo ab 400 Watt Leistung Probleme bekommen. „So nach sieben, acht Minuten ist meine Leistung extrem abgefallen, und ich habe so ein Kribbeln, ein Taubheitsgefühl, in den Füßen gekriegt, und es ist dann bis zu den Knien hochgewandert. Ich habe dann wirklich überhaupt kein Gefühl mehr gehabt. Das war auch letztes Jahr bei der Tour ganz krass, da kann ich dann vielleicht 300 Watt fahren, da kommt man dann nicht wirklich weiter.“

Nach langer Suche habe man ein nervliches Problem lokalisiert. „So dramatisch das Problem im Rennen ist, so einfach ist es dann – dass ich mehr Fokus auf das Dehnen lege und auf Mobilität.“ Zudem habe man minimal die Position verändert. „Ich bin jetzt kein Zeitfahrspezialist, aber das große Manko ist nicht mehr so vorhanden, wie es einmal war.“

Trickkiste: Fast 100 Gramm weniger Farbe

In vielen Sportarten werden für Großereignisse noch Extratricks ausgepackt. Im durchorganisierten Profi-Radsport ist das natürlich auch so. Gall nannte auf APA-Nachfrage ein Beispiel in Bezug auf das Rennrad. „Sie haben ein paar Rahmen vorbereitet, die ohne Lackierung auskommen. Normalerweise kommt der Carbonrahmen aus der Form raus und man muss eine Grundierung draufmachen, dann die eigentliche Farbe – das wiegt dann halt 100 Gramm extra.“ Nun wurde in fünfstündiger Handarbeit geschliffen, sehr fein poliert. „Die wenige Farbe, die man sieht, sind Aufkleber. Die ganze Farbe wiegt halt dann ein paar Gramm statt 100 Gramm, das sind so ganz feine Sachen.“

Ein Detail, das auf insgesamt 52.500 Höhenmetern, die es für die 184 Fahrer aus 23 Teams zu bewältigen gibt, eine kleine Rolle spielen kann. Eine der schwierigsten Etappen ist die 16. Etappe auf den Mont Ventoux (1.910 m), den Gall von einem Eintagesrennen vor drei Jahren kennt. „Da sind wir zweimal auf den Mont Ventoux raufgefahren, damals war es extrem heiß und extrem lang. Das wird der Auftakt zu den ganzen schweren Bergetappen, ein beeindruckender Berg mit einer Megaaussicht, und es ist ein mythischer Berg – da wird es sicher große Abstände auch geben“, meinte der Osttiroler.

Gall gut in Kapitänsrolle reingewachsen

Zum zweiten Mal geht er als Kapitän in die Tour, Decathlon hat alles um Gall herum aufgebaut. Mittlerweile sei er in diese Rolle gut hineingewachsen, attestiert sich der 27-Jährige selbst. „Ich habe sehr große Unterstützung und auch Vertrauen, das hilft mir natürlich, dass ich ruhig bleibe und mich auf meine Dinge konzentriere, die ich in der Hand habe. Letztes Jahr war es ein bisserl eine neue Situation für mich, aber mittlerweile habe ich mich ganz gut daran gewöhnt.“

Sein Team sei nun ein von den Fahrern her gut durchmischtes. „Wir haben bei der Tour de Suisse gezeigt, dass wir uns vor niemanden verstecken brauchen, und das Rennen in die Hand nehmen können. Natürlich ist die Tour ein bisserl ein höheres Level“, weiß auch Gall, der übrigens in diesem Jahr auch noch die Vuelta (ab 23. August) bestreiten möchte. Auf den Flachetappen könne er auf erfahrene Leute vertrauen. „Wenn die sagen, dass ich auf ihrem Hinterrad bleiben soll, dann kann ich das auch ohne Sorgen machen.“

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(APA) / Foto: GEPA