Rückkehr der Gäste-Fans: Das waren die größten Wiener-Derby-Skandale

Wenn am Sonntag (ab 16:30 Uhr live auf Sky Sport Austria 1 – streame das Spiel mit Sky X) der SK Rapid und die Wiener Austria in der Generali Arena aufeinandertreffen, ist großartige Stimmung garantiert. Das Stadion ist bereits seit einigen Tagen restlos ausverkauft. Zum ersten Mal seit den Ausschreitungen des 343. Wiener Derbys sind Gäste-Fans wieder erlaubt.

Zur Erinnerung: Nach dem Abpfiff der Partie am 22. September 2024 werfen Austria-Fans pyrotechnische Gegenstände auf die angrenzende Familientribüne. Rapid-Anhänger reagieren und stürmen in die andere Ecke des Stadions, Leuchtkörper fliegen, es folgt eine Schlägerei. Die Bilanz: 17 Stadionbesucher und zehn Polizisten verletzt. Rapid und die Austria hatten sich nach den Vorfällen darauf geeinigt, vier Derbys ohne Auswärtsfans auszutragen – zwei in Hütteldorf, zwei in Favoriten. Diese Maßnahme läuft nun aus. Was sie letztlich gebracht hat, wird sich jetzt beim 348. Duell der beiden Mannschaften zeigen.

Wie die Rivalität begann

Die Geschichte des Wiener Derbys begann offiziell am 8. September 1911, als Rapid die damals noch „Amateure“ genannte Austria mit 4:1 besiegte – der erste von bislang über 140 Rapid-Erfolgen. Die Austria musste länger warten: Erst im zwölften Aufeinandertreffen gelang ihr mit einem 1:0 der erste Derby-Sieg.

Das Match im Mai 1937 war eine Härteschlacht. Austria führte im Praterstadion bereits 5:0, als die Partie vorzeitig abgebrochen wurde, weil Rapid nach Ausschlüssen und Verletzungen nur noch sechs Spieler auf dem Feld aufbieten konnte.

Die größten Skandale der Wiener Derby-Geschichte

29. September 1973: Nach einem Foul von Austria-Stürmer Julio Morales an Rapid-Goalie Adolf Antrich und dem kurz darauf erfolgten Ausgleich für die Austria gingen bei den Rapid-Fans die Wogen hoch – das Spiel musste abgebrochen werden und es folgte ein Platzsturm. Die Austria setzte sich mit 3:1 durch.

22. Oktober 2005: Austria-Tormann Joey Didulica, der beim Derby zuvor Rapid-Stürmer Axel Lawaree mit einem Foul schwer verletzt hatte, wird vor Spielbeginn von Rapid-Fans mit Feuerwerkskörpern und Leuchtraketen beworfen. Das 275. Wiener Derby wird erst mit einer halben Stunde Verspätung und unter Protest von Rapid angepfiffen.

24. August 2008: Das Wiener Derby zwischen Rapid und Austria (3:0) steht bereits in der 6. Minute vor dem Abbruch. Rapid-Tormann Georg Koch geht zu Boden, nachdem ein aus dem dahinterliegenden Austria-Sektor geworfener Feuerwerkskörper in seiner Nähe explodiert war. Es war das letzte Spiel von Koch für Rapid. Der Deutsche bekam seine Gleichgewichtsstörungen nie wieder in den Griff und musste später seine Karriere beenden.

22. Mai 2011: Hunderte Rapid-Anhänger stürmen im Derby gegen die Austria beim Stand von 0:2 auf den Rasen und attackieren Austria-Fans mit Leuchtraketen. Das Spiel wird abgebrochen und mit 3:0 für die „Veilchen“ gewertet. Rapid erhält als Strafe ein Geisterspiel und ein Strafgeld von 50.000 Euro.

04. April 2014: Zwei Tage vor dem Derby schlagen vermummte Rapid-Fans abends in der Nähe der Generali Arena den Austria-Nachwuchsspieler Valentin Grubeck krankenhausreif.

Sektorensperren für Rapid und Austria

09. November 2014: Beim Derby im Happel-Stadion kommt es zu Ausschreitungen. Die Folge: In den darauffolgenden beiden Duellen der Erzrivalen bleiben die Gästesektoren geschlossen. Zudem gibt es bedingte Sperren der Heimsektoren, die schließlich für beide Clubs schlagend werden.

04. August 2016: Rapid-Profi Maximilian Entrup wird beim Auslaufen nach dem Heim-3:0 in der Europa-League-Qualifikation über Schodsina im Allianz Stadion Ziel einer Knallkörper-Attacke von Hütteldorfer Anhängern. Der Stürmer war einst Mitglied der aktiven Austria-Fanszene.

12. Februar 2017: Nach Ausschreitungen vor und während des Derbys im Happel-Stadion muss Rapid 35.000 Euro und die Austria 20.000 Euro zahlen.

06. August 2017: Rapid-Fans provozieren mit Wurfgeschoßen auf Austrias Raphael Holzhauser eine mehrminütige Derby-Unterbrechung. Der Club erhält dafür eine Geldstrafe von 30.000 Euro.

04. Februar 2018: Das Derby im Allianz Stadion steht neuerlich vor dem Abbruch, weil Gegenstände unter anderem auf Holzhauser und Felipe Pires geworfen wurden.  Die Liga verhängt am 12. Februar eine Teilsektorsperre für zwei Rapid-Heimspiele, wobei eine Partie bedingt auf zwölf Monate ausgesprochen wird, und eine 100.000-Euro-Strafe.

09. Mai 2022: Nach Krawallen zwischen Austria- und Rapid-Fans werden vier Personen verletzt.

20. März 2023: Nach dem von Rapid verlorenen Derby (0:2) in der Generali-Arena spricht die Polizei über 50 Anzeigen aus – viele davon im Zusammenhang mit Pyrotechnik – aus. Beim Abmarsch zünden Rapid-Fans Bengalos im U-Bahnbereich bei Favoriten, u.a. direkt am Bahnsteig vor einer voll besetzten U-Bahn mit offenen Türen.

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25. Februar 2024: Rapids Co-Trainer Stefan Kulovits und grün-weiße Spieler stimmen nach dem 3:0-Sieg gemeinsam mit Fans homophobe Gesänge an. Kapitän Guido Burgstaller, Marco Grüll, Thorsten Schick, Maximilian Hofmann und Niklas Hedl werden im Nachgang für mehrere Spiele gesperrt. Der Bundesliga-Strafsenat spricht einen Punkteabzug aus und verhängt eine Geldstrafe in der Höhe von 170.000 Euro. Der unbedingte Abzug von zwei Punkten wird später auf einen bedingten Abzug von einem Punkt geändert, Rapid spielt weiter auf Bewährung.

22. September 2024: Nach dem Abpfiff der Partie werfen Austria-Fans Böller auf die angrenzende Familientribüne. Rapid-Anhänger reagieren und stürmen in die andere Ecke des Stadions, Leuchtkörper fliegen, es folgt eine Schlägerei. Die Polizei reagiert spät, die bisherige Bilanz: 17 Stadionbesucher und zehn Polizisten verletzt.

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Beitragsbild: GEPA