Straka hofft in Wien auf Traum-Finale Zverev vs. Alcaraz
Österreichs größtes Tennisturnier und auch höchstdotierte Sportveranstaltung steht vor der Tür und geht diesmal ganz in den Herbstferien über die Bühne.
Nicht weniger als sechs Top-Ten-Spieler haben sich für die diesjährige Auflage der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle angesagt. Nach der verletzungsbedingten Absage von Jannik Sinner kehrt Carlos Alcaraz zurück. Neben ihm werden auch viele Augen auf Alexander Zverev gerichtet sein, der sich zur Nummer eins küren kann.
Jahrelang war Zverev auch in Wien immer wieder nach seiner Jagd nach dem ersten Major-Titel befragt worden. Nicht zuletzt seine ganz bittere Fünfsatz-Finalniederlage bei den US Open 2020 gegen Dominic Thiem hatte Zverev den Fluch als besten Spieler, der (noch) nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, gebrandmarkt. Doch 2026 ist ganz klar sein Jahr: Erster Majorsieg bei den French Open, Finale in Wimbledon, zweiter Grand-Slam-Triumph bei den US Open. Unabhängig von allen Unkenrufen, ob nun Sinner oder Alcaraz verletzt waren, verdient. Auch Zverev ist durch Verletzungen oft weit zurückgeworfen worden.
Straka: „Zverev definitiv keine Zufalls-Nummer-eins“
Und nun steht der Wien-Sieger von 2021, der im Vorjahr in der Stadthalle Sinner im Endspiel erst mit 5:7 im dritten Satz unterlegen ist, ausgerechnet in Österreichs Bundeshauptstadt vor dem letzten Schritt zur Nummer eins. Genau genommen sind es zwei. Denn nach Berechnungen der Veranstalter braucht Zverev zwei Siege und somit einen Viertelfinaleinzug, um sich schon in der Stadthalle den nächsten Traum zu erfüllen. Per Jahresende ist ihm der Tennis-Thron ohnehin sicher. „Es gibt niemanden auf der Tour, der nicht sagt, es ist verdient und es steht ihm zu“, erklärte Turnierboss Herwig Straka am Freitag im APA-Interview. „Er ist definitiv keine Zufalls-Nummer-eins. Er ist heuer der Beste gewesen, ob jemand verletzt ist oder nicht.“ Der 60-jährige Steirer glaubt auch, dass Zverev mit dem Bonus der baldigen Nummer eins im Rücken schwerer zu schlagen sein wird.
Und selbst im auch von Straka ersehnten Traumfinale Zverev gegen Alcaraz sieht er für den 29-jährigen Deutschen gute Chancen. „Er hat auch die Waffen, eine Nummer eins zu sein.“ Straka ist nach der Absage von Sinner und nach der lange erwarteten Verschiebung des Six Kings Slam mit der Verpflichtung von Alcaraz ein Coup gelungen. Wegen der Situation in Saudi-Arabien war Straka gut vorbereitet auf einen sofortigen Anruf. „Erst nachdem er früh in Shanghai verloren hat, war für mich klar, jetzt ist die Chance groß. Wenn er Shanghai bis ins Finale gekommen wäre, hätte er wohl nicht gespielt.“
Selbst Top 3 in Wien waren nicht unmöglich
Übrigens: Alcaraz ist nicht als „Ersatz“ für Sinner zu verstehen. Straka hätte auch mit einem Extrainvestment die Chance ergriffen, möglicherweise sogar die Top 3 in Wien zu haben. „Wir hätten ihn trotzdem genommen, auch wenn es kitschig und übertrieben vielleicht wäre.“ Doch es gelte, Alcaraz, der einmal 2021 und noch jung in Wien war, von der tollen Energie des Wiener Turniers zu überzeugen. „Ich hoffe schon, dass er dann öfter auch wiederkommt.“
Auch Superstar Novak Djokovic war schon viel länger Thema für Wien. Doch durch seinen körperlichen Zusammenbruch bei den US Open hat der Major-Rekordsieger alles auf Stopp gestellt. „Er hat sich dann wochenlang nicht entschieden. Wir waren schon kurz vor dem Unterschreiben, aber er hat nicht final zugesagt.“ Der 39-Jährige spielt nun in Basel. „In der Reihenfolge, in der es passiert ist, habe ich ihn dann nicht mehr genommen.“
Nur Rodionov mit ÖTV-Wildcard, Schwärzler bei Bresnik
Aus österreichischer Sicht hat im Einzel nur Jurij Rodionov eine Wildcard für den Hauptbewerb erhalten. „Auch weil es zur Zeit kein zweiter Österreicher verdient, muss man ehrlich sagen“, erklärte Straka. Neben ihm haben Alcaraz, Grigor Dimitrow und zuletzt der aussichtsreiche Spanier Martin Landaluce „Freikarten“ erhalten. In Letzterem erkennt Straka eine Zukunftsaktie, es steckt auch kein Deal dahinter, versicherte er. Landaluce hat nämlich den gleichen Manager wie Alcaraz. Frühes Vertrauen in junge Spieler habe sich schon sehr oft ausgezahlt und der Steirer erwähnt u.a. auch Sinner, der einst mit Wildcard in Wien am Start war.
So bleiben Lukas Neumayer und Joel Schwärzler Wildcards für die stark besetzte Qualifikation. Beide Spieler sind nun übrigens unter den Fittichen von Trainerguru Günter Bresnik. Denn der ehemalige Thiem-Macher hatte schon zuletzt mit Schwärzler in der Südstadt trainiert, mehrere Medien berichteten nun über eine gestartete Zusammenarbeit des strengen Bresnik mit dem etwas schlampigen Talent.
Erwartet werden wieder über 80.000 Fans, vielleicht fällt der Vorjahresrekord (82.000). Dass das Turnier in den Herbstferien stattfindet, bewertet Straka nicht zu hoch. „Ich habe gelernt, wenn du ein attraktives Produkt hast, ist es völlig egal, wie das Wetter ist oder ob Ferien sind.“ Die Zweitlocation Marxhalle sei ein „Herbstferienprodukt, wenn sich Leute kurzfristig entscheiden“. Fix ist übrigens schon, dass Wien auch über 2028 hinaus bei diesem Herbsttermin bleiben wird.
