Tiroler Cup-Duell: Einst miteinander, heute gegeneinander

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Mit dem FC Wacker Innsbruck und der WSG Tirol treffen am Mittwochabend zwei Vereine im Achtelfinale des ÖFB-Cups aufeinander, die nicht nur durch räumliche Nähe, sondern auch durch gemeinsame Erfolge verbunden sind. Wir blicken zur Vorbereitung auf ein besonderes Kapitel Tiroler Fußballgeschichte zurück.

„Unsere gemeinsame Geschichte ist der bedeutendste Teil des Tiroler Fußballs“, schreibt WSG-Präsidentin Diana Langes auf Anfrage von Sky Sport. Diese gemeinsame Geschichte beginnt im Juli 1971. Der damals frischgebackene Meister FC Wacker Innsbruck und der zweite Tiroler Erstligist WSG Wattens beschließen, ihre Profiabteilungen zusammenzulegen. Ab der Saison 1971/1972 treten die beiden Vereine zusammen in einer Spielgemeinschaft unter dem Namen SSW Innsbruck an. Es folgt eine Blütezeit für den Tiroler Fußball. Die Spielgemeinschaft erringt je vier Meisterschaften und Cup-Titel. 1978 scheitert das Team im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister nur aufgrund der Auswärtstorregel am Vorjahresfinalisten Borussia Mönchengladbach. Die Erfolgsphase endet jedoch ein Jahr später, als man im Sommer 1979 trotz Cupsieg den Gang in die 2. Division antreten muss. Zwei Jahre später steigt die SSW zwar wieder auf, an die Erfolge der 1970er-Jahre kann sie aber nicht mehr anknüpfen.

Die Mannschaftskapitäne Berti Vogts (Borussia Mönchengladbach) und Werner Krieß (SSW Innsbruck) begrüßen sich im Europapokal der Landesmeister. Foto: Imago.

Turbulente Phase in Innsbruck

Im Sommer 1986 ist die Spielgemeinschaft schließlich zu Ende, die Spiellizenz für die oberste Spielklasse geht an den neu gegründeten FC Swarovski Tirol in Innsbruck. Besonders dramatisch ist der Umbruch für Wacker Innsbruck, das sich nun in der untersten Spielklasse wiederfindet. Der FC Tirol erlebt hingegen sportlich erfolgreiche Jahre mit zwei Meisterschaften 1989 und 1990, dem Cup-Sieg 1989 sowie dem Einzug ins UEFA-Cup-Semifinale 1987. Als sich der Sponsor Swarovski 1992 aus dem Profifußball zurückzieht, ist das gleichbedeutend mit dem Ende für den Verein. Die Spiellizenz für die 1. Division geht zurück an Wacker Innsbruck – allerdings nur für ein Jahr.

Zu Beginn der Saison 1993/1994 wird die Profiabteilung von Wacker nämlich in den neu gegründeten Verein FC Innsbruck Tirol überführt. Wacker stürzt damit erneut in den Amateurfußball ab. Der Bedeutungsverlust ist diesmal nicht mehr aufzuhalten, am 20. Mai 1999 wird der Verein auf der Hauptversammlung aufgelöst. Zur gleichen Zeit startet der FC Tirol sportlich durch. Dreimal in Folge gewinnt das Team die Meisterschaft (2000, 2001, 2002) und scheitert 2001 nach einem Lattentreffer in der 94. Minute denkbar knapp an der Qualifikation für die Champions League. Die finanzielle Lage ist jedoch weit weniger rosig: Kurz nach Gewinn der dritten Meisterschaft geht der Verein in Konkurs und löst sich im Sommer 2002 auf.

Zweite Spielgemeinschaft und Situation heute

Und in Wattens? Bei der WSG geht es nach dem Ende der Spielgemeinschaft 1986 deutlich ruhiger zu. Die Wattener pendeln in den Jahren 1986 bis 2002 zwischen der zweiten und dritten Liga. Als in Innsbruck der Profifußball kollabiert, wird diese Stabilität der WSG zum Rettungsanker. Denn in Innsbruck gründet sich 2002 zwar der neue Verein FC Wacker Tirol (seit 2007 wieder FC Wacker Innsbruck), dieser müsste allerdings in der untersten Spielklasse starten. Um dies zu verhindern, gehen die WSG und Wacker erneut eine Spielgemeinschaft ein, diesmal auf ein Jahr befristet. Der Plan geht auf: Die Mannschaft übernimmt den Startplatz der WSG in der drittklassigen Regionalliga West, wird überlegen Meister und steigt auf. Dem FC Wacker gelingt im folgenden Jahr sogar der Durchmarsch in die Bundesliga, die WSG spielt ab Herbst 2005 wieder drittklassig.

Wacker Innsbruck verbringt die folgenden Jahre zwischen Erst- und Zweitklassigkeit. In der Saison 2016/2017 kommt es zu den ersten direkten Duellen zwischen den Tiroler Vereinen, als beide in der zweitklassigen Ersten Liga spielen. In der Folgesaison steigt Wacker auf, muss aber nach einem Jahr wieder zurück in die Zweitklassigkeit. Dass Tirol nicht ohne Bundesligist bleibt, liegt am gleichzeitigen Aufstieg der WSG 2019. Damit zieht Wattens sportlich an Innsbruck vorbei. Infolge des Aufstiegs benennt sich der Verein in WSG Tirol um und trägt seine Heimspiele seitdem im Innsbrucker Tivoli-Stadion aus. In der Tiroler Hauptstadt folgen auf den Abstieg von Wacker indes erneut turbulente Jahre, die im Entzug der Profilizenz und dem Neustart in der Tiroler Liga 2022 münden. Bei der WSG zeigt sich hingegen Kontinuität, sie ist seit ihrem Aufstieg fixer Bestandteil der Bundesliga. Lob kommt dafür auch von der Innsbrucker Konkurrenz: „Die WSG macht seit vielen Jahren einen guten Job, das verdient Anerkennung“, schreibt Hannes Rauch, Präsident von Wacker Innsbruck.

Zweikampf zwischen Simon Zangerl (Wattens) und Matthias Maak (Innsbruck) beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams 2018. Foto: GEPA.

Als Favorit ins Match am Mittwoch geht daher die WSG. Und auch die Formkurve spricht für die Wattener: Während diese vier Punkte aus den letzten zwei Spielen holten, setzte es für Wacker zuletzt zwei Niederlagen am Stück. Vereinspräsident Rauch freut sich dennoch „auf ein echtes Tiroler Derby vor einer sensationellen Kulisse am Tivoli“. Das steht jedenfalls bereit: Bis Mittwoch letzter Woche waren schon über 13.000 Tickets verkauft.