Tour de France in der Hitzeschlacht: Wenn selbst Wasser knapp wird
Die Tour de France der Männer und Frauen 2026 findet während extremer Hitze und Waldbränden in Frankreich statt. Temperaturen von über 35 Grad belasten Fahrer*innen und Organisator*innen gleichermaßen.
Während Teams mit aufwendigen Kühlmaßnahmen gegensteuern, mussten Strecken bereits angepasst werden. Die außergewöhnlichen Bedingungen entfachen zudem eine Debatte über die Zukunft des Rennkalenders.
35 Grad, Waldbrände und Streckenanpassungen
Die Tour de France der Männer liegt mittlerweile über eine Woche zurück, für die Frauen steht am Freitag die sechste Etappe auf dem Programm. Doch eines verbindet beide Rennen: die extremen Bedingungen. Eine anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen von teils über 35 Grad stellt Fahrer*innen und Organisator*innen vor enorme Herausforderungen. In mehreren Regionen Frankreichs verschärfte die Trockenheit zudem die Waldbrandgefahr. Die Organisator*innen reagierten bereits bei den Männern mit einer verkürzten Schlussetappe und behielten sich kurzfristige Streckenänderungen oder sogar Absagen bis unmittelbar vor dem Start vor.
Hitze als zusätzlicher „Gegner“
Die hohen Temperaturen stellen nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch den Körper vor enorme Herausforderungen. Bereits ab etwa 25 Grad gerät der Organismus zunehmend unter Stress. Um die Körpertemperatur konstant zu halten, wird mehr Blut in die Haut geleitet, während gleichzeitig die arbeitende Muskulatur ausreichend versorgt werden muss. Das Herz schlägt schneller, der Flüssigkeitsverlust steigt und das Risiko für Kreislaufprobleme oder im Extremfall einen Hitzschlag nimmt zu. Warnsignale wie Schwindel, Übelkeit, Erschöpfung oder Sehstörungen müssen deshalb ernst genommen werden.
22 Trinkflaschen pro Fahrer
Auf den Bergetappen mit tausenden Höhenmetern sind Wasser und Kühlung zu den wichtigsten Begleitern geworden. Immer wieder wandern die Hände der Fahrer*innen auf den Rücken, auf der Suche nach einer noch vollen Trinkflasche. Teams versuchen mit Kältewesten, Eissocken und sogar gekühlten Matratzen, die Belastung zu reduzieren.
Wie hoch der Flüssigkeitsbedarf inzwischen ist, verdeutlicht eine Aussage von Joxean Fernández Matxin, sportlicher Leiter des UAE-Teams um Tadej Pogačar: Allein auf den ersten 30 Kilometern einer Etappe seien rund 180 Trinkflaschen verbraucht worden, das sind etwa 22 Flaschen pro Fahrer.
Auch die Frauen kämpfen gegen die Hitze
Auch bei den Frauen macht sich die Hitze deutlich bemerkbar. Bereits auf der fünften Etappe wurden angesichts der hohen Temperaturen immer wieder Rufe nach Wasser laut. Auf der sechsten Etappe nahmen einige Fahrerinnen sogar Trinkflaschen von Zuschauer*innen am Streckenrand entgegen. Die offizielle Verpflegung endet unabhängig davon elf Kilometer vor dem Ziel. Trotz der extremen Bedingungen erreichten letztlich alle Fahrerinnen das Ziel.
Pogačar fordert Umdenken
Die anhaltende Hitzewelle sorgt inzwischen auch für grundsätzliche Diskussionen. Tour-de-France-Sieger Tadej Pogačar sprach sich dafür aus, den gesamten Rennkalender künftig weiter nach hinten ins Jahr zu verlegen, um Rennen unter derart extremen Temperaturen zu vermeiden.
Was ihr bei einem Hitzschlag tun könnt
Nach den Empfehlungen des Österreichischen Roten Kreuzes sollte die betroffene Person möglichst rasch in den Schatten oder an einen kühlen Ort gebracht werden. Kopf und Nacken können mit feuchten Tüchern gekühlt werden. Ist die Person bei Bewusstsein, helfen Wasser oder andere alkoholfreie und koffeinfreie Getränke.
Zudem empfiehlt das Rote Kreuz eine Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper. Bessert sich der Zustand nicht rasch oder verschlechtert er sich, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden und umgehend der Notruf unter 112 kontaktiert werden.