„Ultimative Demütigung“: Internationale Presse reagiert auf Manipulationsskandal
Nach dem Bekanntwerden des Manipulationsskandals und der Pressekonferenz des norwegischen Sportdirektors Jan-Erik Aalbu, die mit dem Eingeständnis endete, dass die Skisprunganzüge illegal verändert worden seien, gehen die Wogen in der Skisprungwelt hoch. Die internationale Presse zeigt sich schockiert.
Ein anonym gefilmtes und auf „X“ veröffentlichtes Video aus der Anzugsschneiderei des norwegischen Skisprungteams unter der Aufsicht von Cheftrainer Magnus Brevig deckte Manipulationen an norwegischen Anzügen auf. Der Aufschrei in den internationalen Medien ist groß. Über die weiteren Konsequenzen ist nichts bekannt. Die FIS gab am Sonntag bekannt, dass eine Untersuchungskommission eingeleitet wurde.
Am Sonntagnachmittag gab der norwegische Sportdirektor Jan Erik Aalbu den Betrug zu. Magnus Brevig soll das Vorgehen wissentlich geduldet haben.
Die Pressestimmen zu dem Skisprung-Skandal:
„Doping, nur mit einer anderen Nadel“
NRK (Norwegen): „Nun besteht wirklich die Gefahr, dass diese WM nicht wegen der magischen Siege von Johannes Hösflot Kläbo oder des besonderen Abschieds von Jarl Magnus Riiber in Erinnerung bleibt, sondern wegen dieses 50 Sekunden langen Video. Das ist Doping, nur mit einer anderen Art Nadel.“
VG (Norwegen): „Wie glaubwürdig ist es, dass der Betrug niemals zuvor stattgefunden hat? Auch Aalbu kann das nicht wissen. Nur wenige Athleten werden beim Doping erwischt, wenn sie es das erste Mal tun.“
DAGBLADET (Norwegen): „Was als peinlicher Regelverstoß begann, entwickelt sich für Norwegen zur ultimativen Demütigung. Wir sind diejenigen, die die Infektion in einer kranken internationalen Springsportumgebung verbreiten. Ausgerechnet in der nach der Fußball-Legende Nils Arne Eggen benannten Stadion-Loge wurde an den Anzügen der Norweger geschneidert. Eggens Maxime war der faire Sport, das faire Miteinander. Bei unseren Springern war es das genaue Gegenteil.“
„Tiefste Verunsicherung und Misstrauen“
SALZBURGER NACHRICHTEN: „Wenn es um Ruhm, Ehre und viel Geld geht, ist immer auch die Versuchung da, eine Abkürzung zum Erfolg zu probieren. Das Skispringen mit seinen technisch anspruchsvollen Komponenten war zwar immer anfällig für Tricksereien bei Anzügen oder Bindungen. Doch in der Vergangenheit ging es immer um Graubereiche oder gerade noch erlaubte Anpassungen. Nun springt auch auf den Schanzen der Generalverdacht mit. Der Schaden für den Skisprungsport ist immens.“
KRONEN-ZEITUNG: „Das Anzuggate löst in Norwegen eine Empörungswelle aus. Österreich winkt nun zweimal Gold am Grünen Tisch.“
DER STANDARD: „Skispringen am Rande des Abgrunds. Unabdingbar scheint, dass die FIS ihr kompliziertes und doch nicht treffsicheres Kontrollsystem überdenkt. In knapp einem Jahr geht es um olympische Goldmedaillen, und in der Szene herrschen tiefste Verunsicherung und Misstrauen.“
„Spielplatz für Betrüger“
GAZETA WYBORCZA (Polen): „Für die WM-Organisatoren in Trondheim ist das eine schreckliche Situation. Ebenso schlimm ist es für das Skispringen, das an Popularität und Zuschauerzahlen im Fernsehen verliert. Der Welt wird die Botschaft vermittelt, dass es sich beim Skispringen um eine unzuverlässige Disziplin handelt, einen Spielplatz für Betrüger.“
AFTONBLADET (Schweden): „In Trondheim endet es wie in Lahti 2001 und in Seefeld 2019: Mit einem spektakulären Skandal der Gastgeber-Nation. Von Norwegen hätten wir das nicht gedacht, aber jetzt ist es passiert.“
(SID/Red.) / Foto: IMAGO
