Vienna im Aufwind! Kleer: „Der Anspruch muss Top 3 sein“

Der First Vienna Football-Club 1894 ist der älteste Fußballklub Österreichs – und aktuell in starker Form.

In der Jahrestabelle 2026 liegt die Vienna mit 15 Punkten aus acht Spielen an der Spitze, vor Hertha Wels (14 Punkte) sowie Austria Lustenau und den Young Violets (jeweils 13 Punkte). Bemerkenswert dabei: Drei der fünf Siege gelangen gegen Aufstiegskandidaten – Austria Lustenau, FAC und SKN St. Pölten.

Seit September des letzten Jahres ist Hans Kleer Cheftrainer der Vienna. Im Sky-Interview spricht der gebürtige Wiener über die Entwicklung seines Teams, die Youngsters der Vienna und kommende Ziele.

„Als Mannschaft klar verbessert“

„Die Entwicklung seit Jänner, seit der Vorbereitung im Frühjahr, ist eigentlich sehr, sehr gut. Wir haben Veränderungen vorgenommen, haben Spieler abgegeben, mit denen wir nicht mehr gerechnet haben. Wir haben versucht, in der Offensive einzusparen, weil die Saisonziele nicht mehr erreichbar waren“, so Kleer.

Abgegeben wurden unter anderem Marco Djuricin (SKN St. Pölten), Patrick Schmidt (Tarxien/Malta) sowie Bamba Susso (NK Aluminij/Slowenien). Doch auch auf der Zugangsseite tat sich im Winter einiges: Mit Marco Gantschnig und Florian Prohart holte man zwei Spieler mit Ligaerfahrung. Zudem kamen Maguru Odagaki (Traiskirchen) und Max Mergner (FC Bayern II). Letzterer fällt aktuell mit einer schweren Knieverletzung für mehrere Monate aus.

Kleer führt weiter aus: „Wir sind im Auftreten als Mannschaft ganz klar verbessert.“ Die Vorbereitung habe man gezielt genutzt, um Abläufe mit und gegen den Ball zu optimieren. Außerdem wurde ein verstärkter Fokus auf Standards gelegt: „Im Herbst haben wir bei Standards noch viele Gegentreffer kassiert, das haben wir nun ausgemerzt. In den acht Spielen haben wir bislang kein Tor nach Standards bekommen.“

„Wir sind eine Mannschaft, gegen die es sehr unangenehm ist zu spielen.“

Jugend drängt nach

Durch die Abgänge im Winter sowie verletzungsbedingte Ausfälle – unter anderem von Jong-min Seo und Amir Abdijanovic – rückten auch Jugend- bzw. Eigenbauspieler verstärkt in den Fokus.

Vor allem Santino Pistrol (18), Felix Nagele (19) und Vincent Zeidler (17) kamen vermehrt zu Einsätzen, teilweise auch von Beginn an. „Die Jungs haben im Herbst teilweise noch in der Stadtliga gespielt“, betont Kleer und findet lobende Worte: „Die Entwicklung dieser drei Jungen ist sehr, sehr gut!“

Mit Ex-Rapidler Bernhard Zimmermann verfügt die Vienna zudem über einen treffsicheren Stürmer. Mit 11 Toren ist der 24-Jährige aktuell der drittbeste Schütze der ADMIRAL 2. Liga. „Für uns ist es wichtig, dass er im Strafraum das Selbstvertrauen hat und vor allem im Frühjahr regelmäßig trifft“, sagt Kleer. Zimmermanns Vertrag läuft im Sommer 2027 aus.

Blick voraus

In der Tabelle liegt die Vienna im gesicherten Mittelfeld. Weder mit dem Abstieg noch mit dem Aufstieg wird man in dieser Saison etwas zu tun haben. Worum geht es also noch? „Der Fokus liegt seit dem Winter auch auf der kommenden Saison“, erklärt Kleer.

„Die restlichen Spiele sind für andere Spieler im Verein eine Chance. Der ein oder andere ist jetzt auch neu im Trainingsbetrieb dabei und wird seine Möglichkeit bekommen. Für die anderen heißt es, sich zu zeigen und zu empfehlen, um in der nächsten Saison eine Rolle spielen zu können.“

„Wollen tabellarisch eine andere Rolle spielen“

Heißt das logische Ziel für die kommende Saison Aufstieg in die ADMIRAL Bundesliga? Kleer bleibt vorsichtig: „Ich glaube, das Ziel Aufstieg zu formulieren ist immer schwierig. Aber natürlich will die Vienna tabellarisch eine andere Rolle spielen. Der Anspruch muss schon sein, dass man unter den Top 3 ist!“

Austausch mit Elsneg „ziemlich gut und offen“

Vor knapp zwei Monaten präsentierte die Vienna den langjährigen GAK-Verantwortlichen Didi Elsneg als neuen Sportdirektor.

„Didi hat sich die Situation in den ersten Wochen genau angeschaut und alles kennengelernt. Der Austausch ist regelmäßig, auch über die Kadersituation sind wir im regen Austausch“, so Kleer.

Auch seine eigene Zukunft ist Thema: „Wie der Verein verkündet hat, wird es in den nächsten Wochen eine Entscheidung geben.“ Die Zusammenarbeit mit Elsneg beschreibt er als „ziemlich gut und offen“.

Vom vorherigen Sportdirektor Andreas Ivanschitz trennte sich der Klub bereits im November, die Wintertransfers verantwortete Kleer somit selbst. Dabei setzte er gezielt auf Stabilität und Führungsqualität – etwa bei Marco Gantschnig: „Erfahrung und Mentalität waren das, was wir gebraucht haben. Wir waren viel zu ruhig. Solche Spieler sind extrem wichtig, um Verantwortung zu übernehmen und Ziele zu erreichen.“

Im „kleinen Wiener Derby“ gegen den FAC übernahm der 28-jährige Marco Gantschnig Verantwortung und erzielte per Elfmeter den entscheidenden Treffer zum 1:0.

Die Lizenz zur Bundesliga

Persönlich steht für Hans Kleer im zweiten Halbjahr – voraussichtlich nach der Fußball-WM im Sommer – der UEFA-Pro-Diplom-Kurs an. Er ist einer von 12 ausgewählten Teilnehmer:innen.

„Wenn man hospitieren geht und Informationen von Kollegen bekommt, kann man immer etwas mitnehmen. Ich freue mich darauf, mich weiterzuentwickeln“, sagt der 56-Jährige.

Die UEFA-Pro-Lizenz ist die höchste Trainerausbildung im internationalen Fußball und berechtigt zur Tätigkeit in der obersten Spielklasse. Ist die Bundesliga also das Ziel? „Ja, vor allem mit der Vienna!“, so Kleer.

Aufsteiger-Tipp

Auf die Frage, wer am Ende der Saison den Aufstieg schafft, will sich Kleer nicht klar festlegen: „Vor ein paar Wochen hätte ich noch St. Pölten gesagt. Aber nach den letzten Ergebnissen und wenn ich mir anschaue, welche Gegner noch kommen, würde ich fast tippen, dass Austria Lustenau es macht.“

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Bilder: GEPA