Vor 50 Jahren: Als Niki Lauda in den Flammen am Nürburgring um sein Leben bangen musste
Am 1. August 1976 bezahlte Niki Lauda am Nürburgring nach einem schrecklichen Feuerunfall beinahe mit seinem Leben. Nur kurze Zeit später stieg er wieder in den Rennwagen und kämpfte um die Weltmeisterschaft. Abseits Laudas Leistungen auf der Rennstrecke, trug dieses Ereignis zu seinem Legendenstatus bei und schaffte es bis nach Hollywood.
Lauda machte weiter, wo er 1975 aufhörte
Lauda startete die Saison als Titelverteidiger. Im Jahr davor wurde er im Ferrari das erste Mal Formel-1-Weltmeister. Ähnlich gut verlief dann auch 1976 der Beginn. Die ersten beiden Rennen in Brasilien und Südafrika endeten mit einem Lauda-Triumph. Bis zum Grand Prix von Deutschland feierte der damals 27-jährige Ferrari-Pilot fünf Siege und führte die WM an.
Die berüchtigte 22,8 Kilometer lange „Nordschleife“ am Nürburgring war im Vorfeld von Sicherheitsdebatten seitens der Fahrer geprägt. Viele Piloten beklagten mangelnde Sicherheitseinrichtungen und das Rennen stand kurz vor der Absage. Das spätere Unfallopfer selbst organisierte eine Fahrerversammlung. Die Abstimmung fiel knapp für einen Start aus.
Fahrerkollegen wurden zu Lebensrettern
Lauda nahm das Rennen vom zweiten Platz hinter James Hunt im McLaren in Angriff. Der Wiener verlor nach dem misslungenen Start einige Plätze und fiel zurück. In der zweiten Runde kam es wahrscheinlich durch einen Defekt an der Radaufhängung zum folgenschweren Unfall: Lauda verlor die Kontrolle und der Ferrari 312T2 krachte gegen einen Erdwall und glitt unkontrolliert über die Strecke.
Aufgrund der bisher erst kurzen Renndistanz waren die Tanks des Ferraris noch voll mit Benzin und der Bolide fing innerhalb kurzer Zeit Feuer. Das Feld lag in der zweiten Umrundung noch dicht beieinander, wodurch der US-Amerikaner Brett Lunger sowie der Österreicher mit deutscher Rennlizenz startende Harald Ertl das brennende Wrack rammten. Der Weltmeister war hilflos im flammenden Auto eingeklemmt. Lunger, Ertl, Guy Edwards – der gerade noch ausweichen konnte – sowie Arturo Merzario unternahmen anschließend Rettungsversuche und bargen ihn aus dem verunfallten Ferrari.
Der amtierende Weltmeister verlor beim Aufprall seinen Helm, war aber beim Feuerunfall noch teilweise bei Bewusstsein. Ein Rettungswagen brachte Lauda dann in ein naheliegendes Krankenhaus, von wo er in die auf Brandwunden spezialisierte Klinik nach Ludwigshafen geflogen wurde. Die schweren Verbrennungen erreichten nicht nur das Gesicht, sondern auch die Lunge und es kam zum Überlebenskampf.
Lauda hatte viele giftige Gase eingeatmet und wurde zwischenzeitlich in den künstlichen Tiefschlaf versetzt. Danach kam es zu schmerzhaften Behandlungen wie dem Absaugen der Lunge. Mit Narben und Verbrennungen am Körper, erholte sich der Titelverteidiger dann aber schnell. Nach mehreren Operationen und Transplantationen wagte er nur 42 Tage nach dem Horrorcrash das Comeback. Er verpasste damit nur zwei Rennen.
WM-Kampf spitzte sich zu
Beim Ferrari-Heim-Grand-Prix in Italien war Lauda zurück im Geschehen. Mit verbranntem und vernarbtem Gesicht konnte der Österreicher kaum mit den Augen blinzeln. Ferrari hatte in Laudas Abwesenheit den Argentinier Carlos Reutemann als Lauda-Ersatz engagiert. Damit waren in Monza drei Ferraris im Rennen. „Ich konnte Reutemann niemals ausstehen und anstatt mir zur Seite zu stehen, holte Ferrari einfach einen Ersatzmann für mich“, reagierte Lauda damals wütend.

Mit Platz vier in Monza beeindruckte der Verunglückte damals den Formel-1-Zirkus. James Hunt sammelte jedoch viele WM-Punkte, während Lauda um sein Leben kämpfte. So kam es beim letzten Lauf des dramatischen Jahres 1976 im japanischen Fuji zum Showdown.

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Lauda setzte sich mit nur noch drei Zählern Vorsprung auf den Engländer Hunt hinters Steuer des Ferraris. Damals gab es für einen Sieg nur neun Punkte und Lauda hatte nach seinem Unfall 25 Punkte Vorsprung auf den McLaren-Star. Der Sonntag bot den Fahrern strömenden Regen und auch Nebel machte sich in Fuji breit.
Die Veranstalter ließen den letzten WM-Lauf mit dem Einverständnis der Rennfahrer starten. Lauda fiel nach dem Rennbeginn ins Mittelfeld zurück und fuhr nach lediglich zwei absolvierten Umrundungen zurück an die Ferrari-Box und stieg aus. Trotz aussichtsreicher Position im Titelkampf, zog Lauda das Leben gegenüber einer erfolgreichen Titelverteidigung vor. „Ich will mich nicht nochmal umbringen“, sagte er damals im Unwetter von Japan.

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Mario Andretti siegte, James Hunt wurde Dritter. Der Engländer war mit 69 Punkten Weltmeister. Nur einen Punkt vor Lauda. „Ich verlor die Weltmeisterschaft um einen Punkt, aber dafür bin ich am Leben“, analysierte der „Vize“ nach dem Rennen.
Die genaue Ursache des Unfalls auf dem Nürburgring wurde nie geklärt. Lauda behauptete aber, es sei ganz klar ein technisches Gebrechen gewesen. Offizielle TV-Aufnahmen gibt es dazu keine, da an der Unfallstelle keine Kameras platziert waren. Nur ein französischer Zuschauer hielt das Unglück zufällig fest.
Hollywood, WM-Titel und vorläufiges Karriereende
Die atemberaubende Saison hätte sich selbst der renommierteste Hollywood-Regisseur wohl nicht ausdenken können. Ron Howard verfilmte das Spektakel und produzierte 2013 mit „Rush – alles für den Sieg“ einen mehrfach prämierten Streifen. So kam der Unfall auch lange Zeit danach wieder ins Gedächtnis von vielen Menschen.

Im nachfolgenden Rennjahr wurde Lauda überlegen Weltmeister und war schon zwei Rennen vor Saisonschluss nicht mehr von Platz eins zu verdrängen. 1979 verkündete der zweifache Weltmeister seinen Rücktritt. Drei Jahre später kam er wieder zurück und wurde 1984 mit McLaren zum dritten Mal Weltmeister.
Über sein Ereignis am Nürburgring sprach Lauda immer offen. Ein von Wunden gezeichnetes Gesicht bremste ihn nicht. „Es zählt nur der Charakter, nicht das Aussehen eines Menschen“, betonte er 1978 in „Sport am Montag“ im ORF.
Beim Italiener Merzario, der Lauda aus dem Auto zog und sich dabei die Hände verbrannte, bedankte er sich hingegen lange nicht. Später bezeichnete dies Lauda als „dummen, großen Fehler“. Merzario beklagte damals Laudas mangelnde Empathie. „Ich ziehe dich aus dem Feuer und du sagst nicht mal danke. Ich dachte damals nur: Leck mich doch am Arsch“. Spät aber doch folgte doch noch die Anerkennung und Lauda schenkte Merzario in Salzburg eine Rolex-Uhr.
2012 beschrieb Merzario die späte Erkenntnis bei Motorsport-Total so: „Es hat mich zuerst nicht interessiert, da ich noch sauer auf ihn war. Aber ich habe ihm dann verziehen und die Uhr bis heute aufbewahrt“. Lauda verstarb am 20. Mai 2019 nach mehreren gesundheitlichen Problemen mit 70 Jahren in Zürich. Auf der Nordschleife wurde nach 1976 nie mehr ein Formel-1-Rennen ausgetragen.
Die Ereignisse rund um den 1. August vor 50 Jahren bleiben in Österreich wohl ewig in Erinnerung. In Wien stürzte am selben Tag die Reichsbrücke ein.
