Zwischen Rekorden, Chancen und Kritik: Das war die XXL-WM 2026
Mit dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ging ein Turnier zu Ende, das den internationalen Fußball nachhaltig verändern dürfte. Erstmals nahmen 48 statt 32 Nationalmannschaften an einer Weltmeisterschaft teil, zudem wurde das Turnier gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen.
Insgesamt wurden 104 Spiele ausgetragen; so viele wie nie zuvor. Die FIFA wollte mit der Reform den Fußball weiter globalisieren, wirtschaftlich neue Maßstäbe setzen und mehr Nationen die Teilnahme ermöglichen. Gleichzeitig entwickelte sich die Weltmeisterschaft zu einer der umstrittensten Austragungen der vergangenen Jahrzehnte. Neben sportlichen Höhepunkten standen politische Diskussionen, wirtschaftliche Interessen und Fragen der Nachhaltigkeit immer wieder im Mittelpunkt.

Mehr Teams, mehr Spiele, mehr Reichweite
Zu den größten Veränderungen gehörte die Erweiterung des Teilnehmerfeldes. Durch die zusätzlichen 16 Startplätze qualifizierten sich zahlreiche Nationen erstmals für eine Weltmeisterschaft. Vor allem Verbände aus Afrika, Asien und Ozeanien profitierten von der Reform, wodurch das Turnier internationaler wurde als jede WM zuvor. Die FIFA verfolgte damit das Ziel, den Fußball weltweit weiterzuentwickeln und auch kleineren Fußballnationen die Möglichkeit zu geben, sich auf der größten Bühne des Sports zu präsentieren. Gleichzeitig sorgte das neue Format dafür, dass mehr Mannschaften die Gruppenphase überstanden und erstmals ein Sechzehntelfinale ausgetragen wurde.
Ein Milliardenprojekt für den Weltfußball
Auch wirtschaftlich verband der Weltverband große Hoffnungen mit der XXL-WM. Nach Schätzungen der FIFA und der Welthandelsorganisation (WTO) sollte das Turnier rund 40,9 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung erzeugen und weltweit etwa 824.000 Arbeitsplätze unterstützen. Besonders Tourismus, Hotellerie, Gastronomie sowie Medien- und Werbeunternehmen profitierten von der erhöhten Nachfrage. Hinzu kam, dass sich die drei Gastgeberländer die organisatorischen Kosten teilen konnten. Da viele moderne Stadien bereits vorhanden waren und zahlreiche Austragungsorte über eine gut ausgebaute Infrastruktur verfügten, fielen umfangreiche Neubauten deutlich geringer aus als bei früheren Weltmeisterschaften.
Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen spielte vor allem die internationale Aufmerksamkeit eine entscheidende Rolle. Milliarden Menschen verfolgten die Spiele über Fernsehen, Streamingdienste und soziale Netzwerke. Jedes Tor, jede Überraschung und jede Kontroverse verbreitete sich innerhalb weniger Minuten weltweit. Dadurch entwickelte sich die Weltmeisterschaft mehr denn je zu einer globalen Marketingplattform. Gastgeberländer konnten sich einem internationalen Publikum präsentieren, Unternehmen erreichten Milliarden potenzieller Kunden und die FIFA steigerte den kommerziellen Wert ihres wichtigsten Wettbewerbs weiter. Gleichzeitig erhielt der Fußball insbesondere in den USA und Kanada zusätzliche Aufmerksamkeit und konnte seine Position auf dem nordamerikanischen Sportmarkt weiter stärken.
Politik und Kommerz im Fokus
Trotz dieser positiven Entwicklungen blieb das Turnier nicht frei von Kritik. Bereits im Vorfeld wurde der FIFA vorgeworfen, ihre politische Neutralität zunehmend aufzugeben. Präsident Gianni Infantino trat mehrfach gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf und sorgte insbesondere durch die Verleihung eines eigens geschaffenen „FIFA-Friedenspreises“ an den US-Präsidenten für Diskussionen. Viele Beobachter*innen sahen darin einen Widerspruch zu den eigenen Statuten des Weltverbandes, der sich eigentlich zu politischer Neutralität verpflichtet hat. Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch außenpolitische Spannungen der USA während des Turniers, wodurch die politische Dimension der Weltmeisterschaft stärker in den Fokus rückte als bei früheren Austragungen.
Auch die Einreisebestimmungen sorgten für Kritik. Aufgrund verschärfter Visaregeln konnten Fans aus mehreren Teilnehmerländern ihre Mannschaften nur eingeschränkt oder gar nicht vor Ort unterstützen. Für Zuschauer aus dem Iran und Haiti galten Einreiseverbote, während Besucher*innen aus weiteren Ländern nur unter erschwerten Bedingungen Visa erhielten. Zusätzlich sorgten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen und mögliche Kontrollen der Einwanderungsbehörden für Verunsicherung. Menschenrechtsorganisationen kritisierten, dass dadurch nicht alle Fans die gleichen Möglichkeiten hatten, ihre Nationalmannschaften bei der Weltmeisterschaft zu begleiten.
Ein weiterer Streitpunkt war die Ticketvergabe. Erstmals setzte die FIFA auf ein dynamisches Preissystem, bei dem sich die Ticketpreise abhängig von der Nachfrage veränderten. Dadurch mussten Zuschauer für vergleichbare Plätze teilweise sehr unterschiedliche Preise bezahlen. Bereits reguläre Finaltickets kosteten mehrere tausend US-Dollar, einzelne Premiumplätze wurden zeitweise sogar für bis zu 690.000 US-Dollar angeboten. Fanverbände und Verbraucherschützer warfen der FIFA eine übermäßige Kommerzialisierung sowie mangelnde Transparenz beim Ticketverkauf vor. Zusätzlich wurde kritisiert, dass Käufer trotz der Auswahl bestimmter Sitzplatzkategorien teilweise andere Plätze erhielten als ursprünglich erwartet.
Die Schattenseiten der XXL-WM
Auch das neue Turnierformat wurde kontrovers diskutiert. Durch die Aufstockung auf 48 Mannschaften erhöhte sich die Zahl der Spiele von 64 auf 104. Während Befürworter:innen die größere Chancengleichheit und die internationale Vielfalt lobten, befürchteten Kritiker:innen einen Qualitätsverlust in der Gruppenphase. Da erstmals auch die acht besten Gruppendritten in die K.-o.-Phase einzogen, galt das Erreichen der ersten K.-o.-Runde als deutlich einfacher als bei früheren Weltmeisterschaften. Gleichzeitig bedeuteten zusätzliche Spiele eine höhere körperliche Belastung für die Spieler, deren Terminkalender bereits durch Vereins- und Nationalmannschaftswettbewerbe stark ausgelastet war.
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Darüber hinaus rückte die Nachhaltigkeit des Turniers verstärkt in den Mittelpunkt. Trotz der Klimaziele des Weltverbandes verursachte die Austragung über drei Länder hinweg enorme Reisewege für Mannschaften, Medien und Fans. Studien gingen von einem CO₂-Ausstoß von mehr als neun Millionen Tonnen aus und bezeichneten die Weltmeisterschaft als eine der klimaschädlichsten der Geschichte. Hinzu kamen teilweise hohe Kosten für die Anreise zu den Stadien, die häufig außerhalb der Innenstädte lagen und nur eingeschränkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar waren. Viele Fans kritisierten deshalb, dass die Nachhaltigkeitsziele der FIFA nur schwer mit der tatsächlichen Organisation des Turniers vereinbar gewesen seien.
Ein Turnier mit Folgen
Mit dem Ende der Weltmeisterschaft fällt das Gesamtfazit gemischt aus. Die WM 2026 eröffnete mehr Nationen denn je die Chance auf eine Teilnahme, steigerte die weltweite Reichweite des Turniers und setzte wirtschaftlich neue Maßstäbe. Gleichzeitig machten politische Diskussionen, hohe Ticketpreise, erschwerte Einreisebedingungen, die wachsende Belastung der Spieler sowie erhebliche Umweltprobleme deutlich, dass die Erweiterung auch zahlreiche Herausforderungen mit sich brachte. Die erste XXL-Weltmeisterschaft wird deshalb nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen in Erinnerung bleiben, sondern vor allem als Turnier, das den internationalen Fußball in organisatorischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht nachhaltig verändert hat.
