Bei allen Weltcup-Rennen am Start: Aicher schielt auf große Kristallkugel
Bei der Frage nach ihrer Lieblingsdisziplin muss Emma Aicher nicht lange nachdenken. „Skifahren“, sagte die Deutsche. Das will die Anwärterin auf den Gesamtweltcup so intensiv tun wie keine andere ihrer Konkurrentinnen im alpinen Weltcup. Die 22-Jährige landete am Samstag in Sölden als Dritte hinter Paula Moltzan (USA) und Lara Colturi (ALB) erstmals in ihrer Karriere auch im Riesentorlauf auf dem Podest, im Super-G, in der Abfahrt und im Slalom war ihr das bereits gelungen.
Schon in der vergangenen Saison fehlte Aicher nicht viel auf die große Kugel, um 87 Zähler war am Ende die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin besser. Diese verspielte beim Saisonauftakt auf dem Rettenbachferner die Halbzeitführung und büßte als Siebente gleich ein paar Zähler ein. Das bereits eingesetzte Gerede um den Gesamtweltcup, der wegen Shiffrins Halbverzicht auf den Slalom alles andere als utopisch erscheint, stört Aicher nicht. „Mit vier Disziplinen ist ja sehr deutlich, dass das ein Ziel ist, denke ich. Aber man muss es am Schluss halt irgendwie ausblenden.“
„Luft nach oben“: Entwicklung soll noch weitergehen
Alle 40 Weltcup-Rennen will Aicher in diesem Winter, der zusätzlich noch die WM in Crans-Montana mit sich bringen wird, bestreiten. Das sind je neun Abfahrten und Super-Gs sowie zwölf Riesentorläufe und zehn Slaloms. Damit hat sie ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. In 36 von 37 Rennen hatte sie sich in der vergangenen Weltcup-Saison aus dem Starthaus gestoßen.
„Solange es mir Spaß macht, ich gesund und fit bin, warum nicht? Und mir macht jede Disziplin richtig Spaß, ich mag die Abwechslung und wir kriegen die Wechsel gut hin. Ich sehe kein Hindernis, warum ich nicht alles fahren könnte.“ Heute Abfahrt, morgen Slalom – und dabei will sich Aicher auch skifahrerisch noch weiterentwickeln. „Solange man nicht überall ganz oben steht, gibt es immer Luft nach oben.“
Aicher teilt Energie gut ein
Müdigkeit sollte sich trotz Reise- und Rennstress im Winter keine ausbreiten. „Ich trainiere den ganzen Sommer und Herbst, damit ich den Winter gut schaffe. Das hat letztes Jahr sehr gut funktioniert. Wir haben einen ganz guten Plan, wie wir das mit der Energie managen.“ Außerdem wurde ihr bescheinigt, ohnehin einen energiesparenden Fahrstil zu haben, sagte sie lächelnd. Und sollte eine Pause nötig sein, dann wird ein Trainingstag gestrichen. „Das bringt langfristig viel mehr, als auf Krampf trainieren.“
Die in Salzburg in einer WG lebende dreifache Olympia-Silbermedaillengewinnerin versucht rasch abzuhaken, was abzuhaken ist. Ausfälle zum Beispiel. „Wenn es schlecht läuft, ist das nicht das Ende der Welt. Klar bin ich auch sauer, aber es geht weiter. Wenn es mir deshalb eine Woche schlecht gehen würde, wäre das Energieverschwendung.“
