Die Sky-Saisonvorschau: Blau-Weiß Linz
Ab Freitag rollt der Ball wieder in der ADMIRAL Bundesliga (alle Spiele der ADMIRAL Bundesliga live auf Sky – mit dem Sky X-Traumpass unkompliziert den besten Livesport streamen)! Vor dem Saisonauftakt haben unsere Vereinsredakteure eine umfassende Vorschau zu ihrem jeweiligen Verein auf die Beine gestellt. Hier findet ihr die wichtigsten Infos über Aufsteiger Blau-Weiß Linz, zusammengestellt von Vereinsredakteur Michael Ganhör.
Budget: wird offiziell nicht kommuniziert – liegt schätzungsweise etwas unter dem Budget der SV Ried aus der vergangenen Saison (8,4 Mio. €).
Saisonziel:
Das ausdrückliche Ziel des Vereins ist der Klassenerhalt.
Der (schwierige) Weg in die Bundesliga
Die vergangene Saison war keine einfache für den Verein. Angesagte Meistertitel sind eben die schwierigsten. Hier die Chronologie:
- Der Saisonstart verläuft nicht nach Wunsch. Nach 10 Spieltagen stehen die Linzer nur am 10. Tabellenplatz. (4S/1U/5N). Eine Trennung von Trainer Scheiblehner wäre keine Überraschung gewesen, der Verein (vor allem Tino Wawra) blieb aber ruhig – es sollte sich auszahlen. Die folgenden acht Spiele wurden gewonnen.
- Im November gibt Stefan Reiter seinen vorzeitigen Rückzug bekannt. Mit Jahresende gibt er die Geschäftsführung ab und geht in Pension. Er hat einen großen Anteil daran gehabt, dass es den Verein noch gibt bzw. sich sogar positiv entwickeln konnte. Als er 2019 übernommen hat, sah es nämlich alles andere als rosig aus.
- Mitte Jänner wird Christoph Peschek als neuer Geschäftsführer bestellt. Aus Sicht von BW ein starker Move. Peschek soll den Verein weiter professionalisieren. Noch dazu hat er einen Stadionbau und -eröffnung auch bei Rapid mitgemacht.
- Im März folgt der nächste Knalleffekt. Sportdirektor Tino Wawra wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Noch brisanter: er wechselt im Sommer zum direkten Aufstiegskonkurrenten St. Pölten. Wie konnte es so weit kommen? Wawra hatte bei Blau Weiß keinen gut dotierten Vertrag. Reiter wollte den Vertrag nur ohne Gehaltsaufbesserung verlängern. In der Phase kam dann das Angebot des SKN. Mehr Verdienst, mehr Budget. Wolfsburg möchte St. Pölten in der Bundesliga haben, dafür wird Geld hineingesteckt. Noch dazu bekommt Wawra die Aussicht auch bei Wolfsburg hineinschnuppern zu können. Als Peschek zu Blau Weiß kam stand der Entschluss von Wawra schon fest. Ein weiterer Punkt: Peschek konnte Wawra zu diesem Zeitpunkt noch keinen budgetären Rahmen für das Team geben, falls BW nicht aufsteigen sollte.
- Ende April wird der Nachfolger von Tino Wawra bekanntgegeben. Christoph Schösswendter wird nach seinem Karriereende der neue Sportdirektor. Zuvor muss Schösswendter aber noch mit der Mannschaft den Aufstieg schaffen. Durch die vielen Verletzungen ist „Schössi“ auf einmal wieder Stammspieler. Schösswendter ist sehr strukturiert, fleißig und korrekt. Die große Stärke von Wawra war das Gespür für die Spieler bei der Kaderzusammenstellung. Da muss Schösswendter noch lernen.
- Das Meisterrennen war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Der Dreikampf zwischen BW Linz, St. Pölten und dem GAK wird noch lange in Erinnerung bleiben. Die Linzer gewinnen im Frühjahr die direkten Duelle gegen die zwei Konkurrenten souverän, lassen aber gegen die vermeintlich Schwächeren Punkte liegen. Der SKN schüttet am Ende der Saison einmal zu viel aus und nimmt sich damit aus dem Titelkampf raus. Still und heimlich geht der GAK (lange Zeit am 3. Platz) als Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung in den letzten Spieltag.
Die Grazer spielen in Dornbirn allerdings nur Unentschieden. BW Linz siegt nach 0:1 Rückstand (Eigentor Schösswendter) zu Hause gegen die Sturm Amateure mit 2:1. Der entscheidende Treffer fiel in der 86. Minute. Das Tor selbst höchst umstritten. War der Kopfball von Danilo Mitrovic mit vollem Umfang hinter der Linie? Wir werden es nie erfahren. Nach dem Schlusspfiff brechen bei den Blau Weißen alle Dämme. Erstmals steigt der Verein in die Bundesliga auf. Das wurde gebührend gefeiert. Für die Betreuer und das Team ging es nach Mallorca.
Vorbereitung
Das Abenteuer Bundesliga beginnt. Lediglich neun Spieler haben Bundesligaerfahrung. Dobras (131 Spiele) und Haudum (93), Strauss (78), Maranda (53), Gölles (24), Brandner (24), Schantl (8), Tursch (4) und Koch (3) kommen auf insgesamt 420 BL-Einsätze. Dementsprechend groß ist bei allen Beteiligten die Vorfreude. Die fehlende Erfahrung ist aber sicher ein Thema.
Mit Mayulu und Seidl (zu Rapid) musste man zwei Leistungsträger der Aufstiegsmannschaft ziehen lassen. Sie steuerten insgesamt 23 Tore und 17 Assists zum Meistertitel bei. Mit den restlichen Stammspielern bzw. dem Kern der Meistermannschaft bestreitet man das Abenteuer Bundesliga. Eine eingespielte Mannschaft, die die Abläufe kennt ist natürlich ein Pluspunkt für das Abenteuer Bundesliga. Mit Dobras und Haudum wurde Erfahrung geholt. Von Raphael Hofer erhofft man sich bei den Linzern einiges. Noß und Ibrahimi sind Kreativspieler, die für Torgefahr sorgen sollen. Bei allen Neuzugängen war die Belastung ein großes Thema, denn die Intensität ist durch den BWL-Spielstil doch eine andere.
Das neue Stadion wurde gegen PSV Eindhoven eröffnet. Ronivaldo sorgte früh im Spiel mit einem Traumtor für die Führung. Ein Klassenunterschied war natürlich bemerkbar, der Auftritt von BW Linz kann aber positiv bewertet werden. Mit dem frühen Pressing hat man selbst gegen PSV viele Balleroberungen erzielen können. Wurden die Linien aber überspielt wurde es jedes Mal sehr gefährlich im eigenen Strafraum. Hier gilt es für die Bundesliga die richtige Balance zu finden und wenn nötig zu adaptieren.
Testspiele
BW Linz – Gallneukirchen 6:0
BW Linz – SV Pichl 10:0
First Vienna – BW Linz 2:0
Amstetten – BW Linz 1:1
BW Linz – Diósgyőri VTK (HUN, 1. Liga) 2:0; nach 55 Minuten wegen Unwetter abgebrochen
BW Linz – PSV Eindhoven 1:2
Cup: SV Wallern – BW Linz 1:5
Transfers
Zugänge: Krisitjan Dobras (Vaduz), Stefan Haudum (Altach), Stefan Feiertag (Amstetten), Conor Noß (Gladbach), Mehmed Ibrahimi (Leipzig), Marcel Schantl (Hartberg), Alem Pasiv (Vorwärts Steyr), Erwin Softic (OÖ Juniors), Raphael Hofer (Leihe/Red Bull Salzburg)
Abgänge: Matthias Seidl (Rapid), Fally Mayulu (Rapid), Christoph Schöwsswendter (Karriereende), Jahn Herrmann (FSV Zwickau), Anteo Fetahu (Dornbirn), Alexander Briedl (Wallern), Kevin Radulovic (Wallern), Lukas Rath (vereinslos)
Mögliche Startelf
Spielanlage:
Gerald Scheiblehner lässt sein Team im 3-4-3 früh attackieren. Nach dem Ballgewinn soll es dann schnell in Richtung gegnerisches Tor gehen. Der Trainer ist großer Fan der Spielweise von Oliver Glasner (vor allem während seiner LASK-Zeit). Ob diese Spielweise nicht etwas zu riskant ist für die Bundesliga? Scheiblehner auf diese Frage: „Wir haben uns in der zweiten Liga gegen die Teams schwer getan die gemauert haben. Das war gegen uns eigentlich jeder bis auf St. Pölten und der GAK und genau diese Teams haben wir im Frühjahr in den direkten Duellen mit dieser Spielweise dominiert. In der Bundesliga werden die Teams gegen uns ihr Spiel durchziehen wollen und ich denke schon, dass uns das dann entgegenkommen könnte. Ein Großteil der Spieler ist es gewohnt so zu spielen und wir werden daran erstmals nichts ändern.“
Zusammenfassend: BW Linz wird mutig auftreten und den Gegner früh unter Druck setzen. Natürlich geht das nicht 90 Minuten, aber der Stil soll klar erkennbar sein. Ein Risiko, denn bereits in der zweiten Liga stand die Abwehr relativ hoch und war so anfällig für Kontertore. Bitter: Aktuell kann man nicht in Bestbesetzung antreten. Abwehrchef Lukas Tursch fehlt wegen seines Kreuzbandrisses noch länger, Manuel Maranda verpasste die komplette Vorbereitung, steigt erst diese Woche wieder in das Training ein. Sollte man in den ersten Runden viele Gegentore kassieren wird der Trainer sicher Adaptierungen vornehmen.
Prognose
+ ein Verein der für Ruhe und Kontinuität steht
+ der Trainer hat einen klaren Plan
+ „nur“ zwei Stammspieler haben den Verein verlassen, die Neuzugänge haben Potential
+ neues Stadion in Kombination mit Fans, die für gute Stimmung sorgen.
Das alles sind gute Faktoren für eine erfolgreiche erste Bundesligasaison. Die fehlende BL-Erfahrung im Team kann aber durchaus ein Thema werden. Noch dazu ist das Team gewohnt erfolgreich zu sein. In der Bundesliga ist die Qualität der Gegner aber höher und durch die Spielweise war man bereits in der zweiten Liga anfällig für Kontertore. Es wird spannend zu beobachten sein wie sich das Team in dieser Hinsicht präsentiert und auch mit Niederlagen(serien?) umgehen wird.
Der Klassenerhalt ist das Ziel, hier gibt es keine Träumereien. Der Verein ist gut gerüstet, um dieses Ziel zu erreichen. Generell hat der Verein beste Voraussetzungen sich in der Bundesliga zu etablieren und diese zu bereichern.

