ÖEHV-Frauen setzen auf kanadische Expertise

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General Managerin Kingsbury bringt viel Erfahrung mit – Team Austria mit tiefem Kader, Potenzial und guten Leaderinnen
Der Österreichische Eishockeyverband ist in den vergangenen Monaten für seinen Umgang mit dem Frauen-Team heftig kritisiert worden, mit der Verpflichtung von Gina Kingsbury ist dem ÖEHV aber ein Coup gelungen. Die 44-jährige Kanadierin führt das heimische Frauenteam als General Managerin zur historischen ersten Teilnahme an einer A-WM, die am Freitag in Dänemark beginnt. Von ihrem Know-how können vor allem die vielen jungen Spielerinnen profitieren.

Kingsbury war als Spielerin Olympiasiegerin, führte Kanadas Nationalteam als General Managerin zu Olympia-Gold 2022 und drei Weltmeistertiteln, ist seit drei Jahren General Managerin der Toronto Sceptres in der Profiliga PWHL und seit acht Jahren Mitglied im Frauenkomitee des Weltverbands IIHF. Im Herbst übernahm sie zusätzlich eine Führungsrolle bei den rot-weiß-roten Frauen und erhält dabei Unterstützung der ehemaligen kanadischen Teamchefin Melody Davidson.

Meixner begeistert

„Unfassbar, ich kann es gar nicht in Worte fassen, dass sie mit uns diesen Weg zur WM gehen. Sie arbeiten mit absoluter Professionalität, wie ich es so noch nie erlebt habe“, ist Anna Meixner begeistert. Kingsbury „ist einer der größten Namen, die es im Frauen-Eishockey gibt. Sie hat so viel Erfahrung, man kann sie alles fragen. Sehr bewundernswert, wie das alles abläuft“, erklärte Österreichs Teamkapitänin im APA-Gespräch.

Offenbar die richtige Medizin für die Wunden, die über den Sommer sichtbar geworden sind. Mangelnde Wertschätzung und Unterstützung hatte das Frauenteam moniert und bis hin zur Drohung eines WM-Boykotts Verbesserungen eingefordert und bekommen. „Wir sind mit den Schritten zufrieden. Momentan konzentrieren wir uns zu 100 Prozent auf das Sportliche“, hakte Meixner die Ablenkungen im WM-Vorfeld ab.

Kingsbury war sich der Situation bewusst. „Ich wusste, sie sind durch Probleme gegangen. Ich habe gefragt, ob ich helfen kann, nicht unbedingt, dass ich Teil davon werde. Dann ist das Angebot gekommen“, erklärte sie ihren Weg nach Österreich. Mit Trainings auf höchstem Niveau und in vielen Gesprächen hat sie in Zusammenarbeit mit Teamchef Alexander Bröms das junge Team mit 14 der 22 Kaderspielerinnen zwischen 17 und 22 Jahren auf ihre größte sportliche Herausforderung vorbereitet. „Wir haben einige der besten Trainings, die wir in Kanada gelernt haben, mit dem Team geteilt“, sagte Kingsbury im APA-Gespräch. „Es wird sehr physisch und aggressiv. Das wird eine Anpassung sein.“

Körperliche und mentale Herausforderung

Aber nicht nur körperlich, auch mental wird es eine Herausforderung, ganz besonders natürlich das Duell mit Olympiasieger und Weltmeister USA nächsten Montag. Darauf wurden die Spielerinnen vorbereitet. „Es ist ein Traum wahr geworden, viele junge Spielerinnen werden auf die Stars beim Aufwärmen schauen. Aber wenn der Puck fällt, dann musst du spielen, wie du es gewohnt bist. Wir haben sie informiert, was sie zu erwarten haben. Wir haben ihnen gesagt, sie sollen sich selbst gewisse Situationen vorstellen, zum Beispiel wenn du 0:2 zurück bist, und wie sie darauf reagieren. Es ist eine bescheidene Gruppe, aber es ist wichtig, dass sie so selbstbewusst wie möglich sind, dass sie zu diesem Top-Level gehören“, erklärte Kingsbury.

Vom Potenzial der Österreicherinnen ist die kanadische Expertin überzeugt. „Ich bin beeindruckt von der Tiefe des Kaders, das ist eine der Stärken. Der Mix der Generationen ist wichtig für die Kontinuität und das Wachsen des Programms. Es ist ein großer, guter Kern von Spielerinnen, die schon lange dabei sind. Die besten Spielerinnen sind top, es gibt wirklich gute junge Spielerinnen und wir haben großartige Torhüterinnen“, betonte Kingsbury und hob auch die Führungsqualitäten von Meixner oder der Nordamerika-Legionärin Theresa Schafzahl hervor. „Es ist beeindruckend, dass du in einem Land, in dem 600 Frauen Eishockey spielen, Spielerinnen wie Theresa und Anna herausbringen kannst. Sie sind gute Leaderinnen, uneigennützig, Gewinnertypen. Das willst du von deinen besten Spielerinnen, das haben wir hier.“

Nordamerikanerinnen ziehen Tempo an

Sehr zufrieden sieht Kingsbury auch die internationale Entwicklung. „Es ist eine spannende Zeit im Frauen-Eishockey. Das Spiel wächst, wird schneller und stärker. Jedes Team, das eine WM oder Olympia gewinnt, würde die Vorgänger-Mannschaft besiegen. Die zwei Nordamerikaner (USA und Kanada) ziehen das Tempo an, aber alle steigern sich, auf allen Ebenen“, erklärte die Kanadierin, die die im Jahr 2023 gegründete PWHL mit ihrer weltweiten Aufmerksamkeit und finanziellen Basis als Motor dieser Entwicklung sieht. Zu erwarten ist, dass auch in Dänemark das Duell um Gold eine nordamerikanische Angelegenheit wird. Mit Ausnahme von Finnland bei der Heim-WM 2019 standen bisher nur die USA und Kanada im WM-Finale.

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