Pechvogel Brennsteiner blickt vor Olympia-Start nicht zurück
Die Speedbewerbe sind olympische Geschichte, nun übernehmen die Ski-Techniker. Beim Riesentorlauf am Samstag erleben einige Protagonisten ihren ersten Einsatz bei den Winterspielen in Italien. Stefan Brennsteiner führt gemeinsam mit Marco Schwarz Österreichs Riege der Riesentorläufer an. Er hat mit Olympia noch eine Rechnung zu begleichen, sagt vor seinem einzigen Start aber: „Ich blicke nicht viel zurück.“
Der bittere Moment, als der Salzburger bei der Heim-WM 2025 nach wenigen Fahrsekunden im ersten Lauf einen Ski verlor, ist vielen noch in Erinnerung. Die Szene war sinnbildlich für Brennsteiners Auftritte bei Großereignissen. Abgesehen vom Team-Olympiasieg 2022 galt es für den mittlerweile 34-Jährigen fast immer schmerzhafte Erlebnisse wegzustecken. 2018 erlitt er bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang einen Kreuzbandriss. Bei den Winterspielen 2022 stürzte er auf Bronzekurs liegend im zweiten Durchgang. Bei der WM 2021 schied er im zweiten Lauf aus (Innenskifehler), bei jener 2023 wurde er Vierter.
Bormio-Schnee mit Schladming nicht vergleichbar
„Pyeongchang und Peking ist es mir zweimal gelungen, sehr gut in Form zu sein. Ich habe dann immer blöde Fehler, blöde Sachen gemacht, sodass es nicht für ein gutes Ergebnis gereicht hat“, sagte Brennsteiner zu seiner Olympia-Vergangenheit. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass er nun wesentlich konstanter unterwegs sei. „Ich hoffe, dass ich einen sehr klaren Plan durchziehen kann.“
Mit seinem ersten Weltcupsieg und insgesamt fünf Top-fünf-Platzierungen startete Brennsteiner imposant in diesen Winter. Mit einem Ausfall in Adelboden und Platz 15 in Schladming zeigte die Formkurve zuletzt aber nach unten. Brennsteiner relativierte nach dem Check-in in Bormio: „Schladming bin ich leider mit den eisigen Bedingungen überhaupt nicht zurechtgekommen. Da herunter wird es nicht eisig, ich hoffe daher schon, dass ich vorne mitfahren kann.“ Die Stelvio präsentierte sich bisher griffig bis weich – dem begnadeten Frühlingsschnee-Fahrer Brennsteiner sollte das tatsächlich liegen.
Odermatt mit Understatement
Der prägende Riesentorläufer der letzten Jahre schnappte sich 2022 auch Olympia-Gold. In Italien ist Marco Odermatt nach Platz vier in der Abfahrt, Silber in der Team-Kombination und Bronze im Super-G noch ungekrönt. „Klar ist es nach wie vor das große Ziel, Gold zu gewinnen“, sagte der Schweizer Topstar vor seiner letzten Chance in Bormio. Er werde mit lediglich zwei Riesentorlauf-Trainingstagen seit dem Weltcup in Adelboden ins Rennen gehen. „Die Spezialisten werden wahrscheinlich 15, 20 Tage gemacht haben, das ist sicher nicht die gleiche super Vorbereitung“, sagte Odermatt.
„Wenn ich 15, 20 gute Tage hätte, wäre ich jetzt im Bett, weil ich so müde wäre“, sagte dazu Brennsteiner. „Das wäre vom Umfang her viel zu viel.“ Als Riesentorlauf-Spezialist habe er natürlich mehr disziplinspezifisch als Odermatt trainieren können. „Das kann ein bisschen ein Vorteil sein, aber der Marco hat schon gezeigt, dass er mit dem immer sehr gut umgehen kann.“ Die Schweizer hat Brennsteiner sowieso ganz oben auf der Rechnung. „Die heißesten Eisen sind sicher Marco Odermatt und Loic Meillard. Aber es können sicher sehr viele um die Medaillen mitfahren.“
Schwarz: „Fühle mich im Riesentorlauf wohl“
Das hofft auch Schwarz, der Sieger des selektiven Riesentorlaufs von Alta Badia. Olympia in Italien lief für den Kärntner bisher nicht nach Wunsch. In der Teamkombination (11.) haderte er einmal mehr mit seiner Slalom-Vorstellung, im Super-G (14.) mit der direkten Kurssetzung. „Im Riesentorlauf fühle ich mich wohl, da ist es nicht so gravierend, wie gesetzt ist. Ich habe da schon gewonnen, da passt der Schwung.“
Raphael Haaser geht als amtierender Riesentorlauf-Weltmeister ins Rennen. Der Coup von Saalbach entpuppte sich bisher als Eintagsfliege, als Sechster (Sölden) und Achter (Adelboden) schaffte er es in den sieben Saisonrennen zweimal in vordere Regionen. Nun wartet wohl einer der flachsten Riesentorlaufhänge der Olympia-Geschichte. „Es ist ein schöner Riesentorlauf zum Ziehen. Bis auf den San Pietro, wo drei vier steilere Schwünge sein werden, ist es eher mittelsteiles Gelände“, sagte Haaser.
Patrick Feurstein komplettiert das ÖSV-Quartett. Der Vorarlberger feiert mit 29 Jahren sein Olympia-Debüt. „Es erfüllt mich mit Stolz. Ich habe mein Leben lang darauf hingearbeitet, dass ich bei so einem Riesenevent für Österreich am Start sein darf.“ Ein achter und ein neunter Rang reichten dieses Mal für die Nominierung.
(APA)
Beitragsbild: GEPA
