Personalmisere bei Sturm spitzt sich zu – Ingolitsch vor Sperre
Joshua Quarshie am Knöchel verletzt, Arjan Malic ausgeschlossen: Die angespannte Personallage bei Vizemeister Sturm Graz ist am Sonntag beim 2:2 gegen die SV Ried noch prekärer geworden.
Dass nach Spielschluss Trainer Fabio Ingolitsch wegen Kritik an Schiedsrichter Safak Barmaksiz die Rote Karte sah, macht die Sache für die Steirer vor dem Cup-Auftritt in Lustenau und Liga-Gastspiel beim WAC nicht einfacher. Der Strafsenat wird diese Woche tagen.
Rot für Ingolitsch nach Schluspfiff wegen Schiedsrichter-Kritik
Es wäre keine Überraschung, würde der 34-Jährige wegen einer Sperre in beiden Partien nur auf der Tribüne Platz nehmen dürfen. „Ich bin direkt nach dem Spiel, natürlich voller Emotionen, zum Schiedsrichter und habe ihm gesagt, dass seine Leistung heute ein Skandal war. Ich habe ihn nicht beschimpft, ich wollte meine Gefühlslage äußern“, klärte Ingolitsch auf.
Aufgebracht sei er gewesen, da er sich in „vielen Situationen benachteiligt gefühlt“ habe. Das nicht nur bei der Roten Karte für Arjan Malic (45.+2) nach einer leichten Tätlichkeit gegen Jeadin Rhodes, die den Spielverlauf zum Kippen brachte.
„Wrestlingkampf“ vor Rieds 2:1
Vor dem 2:1 der Rieder durch Isaac Kiese Thelin sei ein „Wrestlingkampf“ des Schweden mit Jon Gorenc Stankovic nicht abgepfiffen worden. Ganz am Ende der Partie hätte Ingolitsch statt des Abpfiffs gerne einen Freistoß gehabt. „Wir haben aber nicht die Köpfe in den Sand gesteckt und gesagt, ‚wir gehen in die Opferrolle, wir haben so viele Spiele, keine Spieler, so viele Verletzte, und jetzt müssen wir noch mit einem Mann weniger spielen und werden noch vom Schiedsrichter betrogen‘, sondern wir haben einfach weitergemacht“, resümierte der Sturm-Coach.
Dafür, dass man am Ende alles auf eine Karte gesetzt habe, sei man mit dem Ausgleich belohnt worden. „Das spiegelt unsere derzeitige Situation wider“, betonte Ingolitsch. „Es ist gut, dass der Fußballgott zumindest ganz kurz vorbeigeschaut hat, weil dieses Spiel zu verlieren, wäre einfach nicht richtig gewesen.“ Als nicht richtig ordnete er im Nachgang auch seine Aktion nach Spielende ein. Auch deshalb entschuldigte er sich in der Kabine beim Referee, Handshake inklusive. „Das hätte man auch smarter und drinnen lösen können. Ich habe mich da falsch verhalten“, gestand Ingolitsch.
Malic-Ausschluss „tut doppelt weh“
Falsch hatte sich auch Malic verhalten, es war zwar kein harter Ellbogenschlag gegen den Rücken seines Gegenspielers, dafür laut Ingolitsch ein „sehr unnötiger“ in Zeiten des VAR.
Malic habe sich beim Team entschuldigt. „Er hat nicht nur in dem Spiel dafür gesorgt, dass es schwieriger wird, er fehlt uns ja im nächsten Spiel. Das tut doppelt weh in unserer Situation“, sagte der Sturm-Coach.
Sorgen um Quarshie
Hinzu kommt, dass Quarshie nach einem Zweikampf umknickte. „Er hat Schmerzen, aber es scheint, dass die Bänder stabil sind. Wir hoffen, dass er keinen großen Schaden davongetragen hat“, meinte Ingolitsch.
Schon am Donnerstag muss sein Team im Ländle bestehen, ehe es am Sonntag bei der Generalprobe für das Europa-League-Spiel gegen Celje zum WAC geht. „Was wir mitnehmen müssen, ist die Energie aus der 2. Hälfte. Das hat uns in den letzten Spielen auch schon ausgemacht“, schilderte Verteidiger Paul Koller.
Laut Offensivspieler Jacob Peter Hödl werde es in den kommenden Wochen auf die mentale Kraft ankommen. „Körperlich kann man immer drübergehen, wir machen das als Mannschaft schon gut.“ 14 Liga-Heimspiele gab es keine Niederlage mehr. „Wenn wir immer 100 Prozent Leistung bringen, dann kommt so etwas raus“, betonte Koller.
Ried holte elf Punkte aus jüngsten fünf Spielen
Bis zur Roten Karte von Malic spielten die Heimischen auf ein Tor, es fehlte abgesehen vom Treffer von Simon Seidl nur die Effizienz. „Es hat Spaß gemacht, der Mannschaft da zuzuschauen“, meinte Ingolitsch. Umso ärgerlicher war der verpasste Sieg. „Wir haben uns das Leben selbst sehr schwer gemacht, weil bei elf gegen elf hätte Ried heute keine Chance gehabt“, erläuterte Ingolitsch.
Die Rieder gewannen nach drei Siegen diesmal nicht, bauten ihre ungeschlagene Serie aber auf fünf Ligapartien aus. Dabei holten sie elf von 15 Punkten. Für Coach Mario Despotovic ist das eine „zufriedenstellende“ Ausbeute.
Laut Mittelfeldmotor Stefan Schwab stehe sein Team, das sich vor der Pause auf einen starken Tormann Andreas Leitner verlassen konnte, in der Liga „gut“ da. „Wir zeigen, dass wir eine gefährliche Mannschaft sind“, meinte der Ex-Rapidler.
Auch wenn man den Punkt gerne mitnehme, war bei ihm ein weinendes Auge dabei. „So oft kriegst du als Ried nicht die Möglichkeit, bei Sturm zu gewinnen. Deshalb tut es am Ende richtig weh.“