Totschnig ist rot-weiß-roten Giro-Rekord los: „Wurde Zeit“

Georg Totschnig ist nicht traurig. Der historische zweite Platz von Felix Gall beim Giro d’Italia kostete den 55-Jährigen zwar die bis Sonntag beste rot-weiß-rote Platzierung bei der Italien-Radrundfahrt, der einstige Profi kann es aber verschmerzen.

„Ich bin froh und freue mich für den Felix. Es wurde Zeit“, sagte Totschnig. Die Leistung von Gall könne jedenfalls gar nicht hoch genug bewertet werden. „Ein Podium bei einer großen Tour ist etwas Außergewöhnliches.“

Galls souveräne Vorstellung, nur übertroffen vom unantastbaren Dänen Jonas Vingegaard, führte zu einer aus rot-weiß-roter Sicht historischen Platzierung, war doch im Radsport davor mit Adolf Christian bei der Tour de France 1957 nur ein weiterer Österreicher bei den großen Drei – Tour de France, Giro und Vuelta – aufs Stockerl gefahren – aber eben noch nie jemand unter die Top zwei. „Hut ab, das hat er sich verdient. Der zweite Platz war ja nicht hart umkämpft, sondern einzementiert“, befand Totschnig. Er selbst war beim Giro 2003 Fünfter geworden, schaffte insgesamt fünf Top-Ten-Plätze bei den TdF (7. 2004), Giro (5. 2003, 7. 2002, 9. 1995) und Vuelta 6. 1996).

Totschnig traut seinem 28-jährigen Tiroler Landsmann logischerweise noch mehr zu. „Wer so ein Rennen als Zweiter abschließt, kann auch gewinnen“, betonte der 2006 zurückgetretene Elitefahrer. Gegen Sieger Jonas Vingegaard war für Gall in Italien freilich kein Kraut gewachsen. „Es hat keinen Sinn darüber zu spekulieren, Jonas zu schlagen“, stellte Gall am Ende der zweiten Giro-Woche nüchtern fest. Trotz idealer Unterstützung durch u.a. Gregor Mühlberger ist sein Decathlon-Team im Vergleich mit Vingegaards Visma-Rennstall zudem doch im Nachteil.

„Nicht wirklich als großen Traum gehabt“

Umso stolzer und glücklicher schätzte sich Gall am Sonntag in der Ewigen Stadt. „Jeder inklusive mir, ist über sich hinausgewachsen und hat wieder einen Schritt in der Entwicklung gemacht. Dass es so gut klappt, habe ich mir nicht vorgestellt“, betonte er im ORF. Große Sprüche klopfte er nicht, sondern verwies auf seine Arbeitseinstellung. „Ich habe es vielleicht nicht wirklich als großen Traum gehabt, bei einer Grand Tour am Podium zu stehen. Ich bin eher jemand, der von Rennen zu Rennen blickt und sich so immer weiter voranarbeitet.“

Galls nächste große Herausforderung ist ab 22. August die Vuelta. Im Juli geht es ins Höhentrainingslager, danach will er sich beim Eintagesklassiker in San Sebastian bzw. bei der Burgos-Rundfahrt auf das Großereignis vorbereiten. „Vielleicht wird bei der Vuelta wieder die Gesamtwertung das Ziel sein,. Es könnte aber auch sein, dass ich es offensiver anlege und mich auf Etappen konzentriere“, betonte Gall. Die Tour de France (4. bis 26. Juli), bei der 2023 sein Stern mit dem Sieg auf der Königsetappe aufgegangen war, zu übergehen, sei die richtige Entscheidung gewesen. „Ich bin auch mal doch sehr froh, die Tour auszulassen und vorm Fernseher zu verfolgen.“

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(APA) / Artikelbild: Imago