UEFA gegen Infantino: Diese Themen stehen beim FIFA-Council im Fokus
Bei der Sitzung des FIFA-Councils am Donnerstag (11.00 Uhr) in Zürich stehen alle Zeichen auf eine Konfrontation mit der Alarmstufe Rot. Erstmals seit den gescheiterten Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino zu einer externen WM-Vermarktung kommt der FIFA-Rat zusammen, erstmals seit dem XXL-Turnier in Amerika sitzen sich die großen Streithähne Infantino und UEFA-Boss Aleksander Ceferin an einem Tisch gegenüber. Infantino ist zu einer monströsen Reizfigur geworden.
Durch fünf ziemlich dröge Tagungsordnungspunkte mit Formalien und Berichten von Ausschüssen müssen sich die Fußball-Funktionäre arbeiten. Dann könnte es krachen. In Tagesordnungspunkt sechs wird der gescheiterte Infantino-Plan mit dem Namen FIFA Forward Enterprise diskutiert. Dahinter versteckte sich die von Infantino mit US-Investoren quasi im Alleingang vorangetriebene und milliardenschwere Idee einer WM-Vermarktung jenseits der Fußball-Institutionen.
Der Affront brachte den Schweizer in die Bredouille. Jetzt wollen ihn seine Kontrahenten im Council zur Rede stellen. Im Auge des Sturms zeigte sich der Schweizer zuletzt scheinbar milde, offerierte die Diskussion für eine Änderung der FIFA-Führungsstrukturen. Die ihm feindlich gegenüberstehenden Europäer legten einen Forderungskatalog vor – der Infantino das Amt kosten würde.
UEFA-Bosse in der Bringschuld
Ebenso auf die Agenda gesetzt wurde von europäischen Kräften die Debatte um den FIFA-Friedenspreis, den Infantino im Dezember an US-Präsident Donald Trump verlieh. Es könnte hoch hergehen in einem in den Keller der imposanten FIFA-Zentrale gehauenen Besprechungssaal.
Die UEFA-Delegation muss vor den Funktionärskollegen aus aller Welt – die meisten von ihnen Infantino unverändert freundlich gewogen – ihre Kritik darlegen. Eine Woche nach der UEFA-Generalversammlung in Berlin geht es zunächst darum, Infantino möglichst nachhaltig als egoistischen Machthaber darzustellen, aber auch innerhalb der FIFA-Struktur einen Wandel anzustoßen.
Kernpunkt ist die Forderung einer Reform laut der der nächste Präsident weitgehend nur noch repräsentative Funktionen hat, die Geschäfte in der hauptamtlichen Administration und im Council geführt werden. Eine für Infantino inakzeptable Forderung, obgleich er vor seiner ersten Wahl vor gut zehn Jahren diesen Gedanken selbst propagiert hatte.
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Mögliche Namen einer solchen überparteilichen Symbolfigur werden längst gehandelt. Arsene Wenger, als Fußball-Vordenker bei der FIFA schon engagiert, wäre vielleicht eine Option. Die Europäer könnten den Portugiesen Luis Figo als Ceferin-Kompagnon ins Spiel bringen. Doch besser, weil weltweit propagierbar, wäre es, einen Würdenträger von einem anderen Kontinent zu finden. „Es braucht jemanden, der integer ist, der die Governance stärkt“, sagte UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister.
Doch momentan ist ein Machtwechsel eher Wunschdenken der Europäer. Die Machtbasis Infantinos in Asien, Afrika, Südamerika und Ozeanien ist unverändert stark. Nun legt der Eidgenosse offenbar nach und will die FIFA-Schatulle mit 25 Millionen Dollar pro Jahr und Verband öffnen. Ein ziemlich durchschaubares Manöver in der Kernkompetenz des Schweizers: Wer mich wählt, dem wird es an nichts mangeln. Das verfängt unverändert in den meisten Funktionärsköpfen, weltweit.
Die FIFA hat nach der Sitzung keine öffentlichen Statements angekündigt. Es ist wahrscheinlich, dass beide Lager mehr oder weniger offensiv ihre Sichtweise darlegen und als Erfolg verkaufen. Faktisch sind aber die Infantino-Gegner in der Bringschuld. Sie müssen bis 18. November einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen präsentieren, dann läuft die Frist drei Monate vor dem Wahltermin beim FIFA-Kongress am 18. März in Rabat in Marokko ab.
