Von der Salzburger Austria bis zum LASK: Österreichs CL-Geschichte im Überblick

Mit dem historischen „Wunder von Linz“ gelang dem amtierenden Doublesieger LASK erstmals der sensationelle Einzug in die UEFA Champions League. Die Linzer sind damit der sechste österreichische Verein, der an der Königsklasse teilnimmt.

Die Beletage des europäischen Fußballs erlebte 1992 eine grundlegende Reform. Bis dorthin noch „Europapokal der Landesmeister genannt“, bekam die Millionenliga mit der Champions League einen neuen Namensgeber. 1992/93 war auch der Start der Gruppenphasen, die bis zur Saison 2024/25 den beliebten Modus bildeten.

Österreichische Vereine mischten in den 34 Jahren auch mit, manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich.

Salzburg trifft 1994 auf beide Finalisten

Der Meister aus der Saison 1993/94, Austria Salzburg, sorgte für die rot-weiß-rote Premiere in der Champions League. Nach zwei Siegen in der Qualifikation über Maccabi Haifa, zog die Mannschaft von Otto Baric in die Gruppenphase ein. Dort bekamen es die Mozartstädter mit AEK Athen sowie den beiden späteren Finalisten Ajax Amsterdam und AC Milan zu tun.

Salzburg remisierte gegen AEK Athen und Ajax jeweils zu Hause mit einem 0:0. In Griechenland holte die Salzburger Austria dann mit einem 3:1 den ersten Sieg eines österreichischen Vertreters in der UEFA Champions League. Heimo Pfeifenberger traf doppelt, Ralph Hasenhüttl besorgte den 3:1-Endstand.

Salzburg gegen AEK Athen am 14. September 1994: v.l. Ralph Hasenhuettl, Mladen Mladenovic, Nikola Jurcevic, Thomas Winklhofer, Adolf Huetter, Wolfgang Feiersinger, Heimo Pfeifenberger, Hermann Stadler, Otto Konrad und Leo Lainer.

Gegen den AC Milan gab es zwei Niederlagen. Auswärts in Amsterdam gelang wie im Hinspiel ein Unentschieden. Salzburg führte dabei durch ein Tor von Tomislav Kocijan bis zur 85. Minute, ehe Jari Litmanen den Ausgleich für die Holländer erzielte.

Ajax Amsterdam kürte sich dann später zum vierten und bisher letzten Mal zum Champions-League-Sieger. Vor 50.000 Zuschauern schoss Patrick Kluivert Ajax mit dem entscheidenden 1:0 gegen Milan im Ernst-Happel-Stadion zum Titel.

Erste Rapid-Teilnahme

Der SK Rapid fand den Weg in die neue Champions League erstmals 1996. Mit einem Gesamtscore von 6:2 gegen Dynamo Kiev, waren die Wiener erstmals in der Königsklasse dabei.

Mit zwei Unentschieden in sechs Spielen landeten die Hütteldorfer auf dem letzten Platz. Im ersten Spiel trennte man sich mit Fenerbahce daheim mit 1:1 sowie gegen Juventus Turin ebenfalls in Wien mit 1:1. Gegen Manchester United war Rapid mit zwei 0:2-Niederlagen machtlos. Janek Stary und Trifon Ivanov trugen sich als erste Torschützen in der Champions League in die Geschichtsbücher Rapids ein.

Hannes Kartnig bringt die Champions League nach Graz

In der Saison 1997/98 feierte der SK Sturm Graz in der Präsidenten-Ära von Hannes Kartnig seinen ersten Bundesliga-Meistertitel. Die Truppe von Ivica Osim hatte in der Qualifikation gegen Ujpest Budapest keine Probleme und landete mit einem 7:2 aus Hin- und Rückspiel verdient in der Gruppenphase. Dort wartete für die Steirer allerdings eine Hammergruppe.

Real Madrid, Inter Mailand und Spartak Moskau waren die damaligen Kontrahenten in Gruppe C. Gegen Real Madrid und Inter waren Ivica Vastic und Co. machtlos und verloren zweimal. Das erste Spiel gegen den vermeintlich leichtesten Gruppengegner Spartak ging zu Hause in Graz mit 0:2 verloren. In Russland erreichten die Grazer mit einem 0:0 den einzigen Punktgewinn. So schied Sturm zwar klar abgeschlagen auf dem letzten Platz aus, kam aber in der folgenden Spielzeit wieder in die Königsklasse.

Champions-League-Fußball in der Steiermark gab es erstmals unter der Regentschaft von Hannes Kartnig. Copyright GEPA

Mit Titelverteidiger Manchester United, Olympique Marseille und Dinamo Zagreb (damals Croatia Zagreb) hatte der österreichische Meister wieder harte Gegner vor der Brust. Gegen die Kroaten feierte Sturm daheim einen wichtigen 1:0-Sieg. Kocijan – diesmal im Sturm-Dress – köpfte zum Siegtreffer ein.

Weiters besiegten die Steirer Marseille in Graz sensationell mit 3:2. Mit sechs Punkten wurde man vor Zagreb Dritter und spielte dadurch im UEFA-Cup weiter. Dort war in der dritten Runde gegen Parma Schluss.

Sturm-Verteidiger Günther Neukirchner behauptet sich im Old Trafford gegen Ryan Giggs (02.11.1999) Copyright: imago/Camera 4

Nach dem zweiten Meistertitel der Grazer 1999, qualifizierten sie sich in der Spielzeit 2000/2001 zum dritten Mal hintereinander für die Champions League. Dies war für lange Zeit die erfolgreichste Teilnahem eines österreichischen Klubs. Erneut mussten die Osim-Männer durch die dritte Qualifikationsrunde. Mit einem 2:1-Sieg und einem 1:1 besiegelte man als Vizemeister die dritte Teilnahme der Gruppenphase.

Nach einer 0:5-Pleite bei den Glasgow Rangers zum Auftakt, rechnete kaum jemand mehr mit Sturm in dieser Gruppenphase. Doch zu Hause schlugen die Schwarz-Weißen eindrucksvoll mit Siegen über die Rangers und die anderen Gruppengegner AS Monaco und Galatasary Istanbul zurück. Am letzten Spieltag wurde Sturm Graz mit einem 2:2 in Istanbul Gruppensieger. Das gelang danach keinem Bundesliga-Verein mehr.

In dieser Zeit folgte jedoch kein Achtelfinale, sondern die sogenannte 2. Gruppenphase. Wieder ging es in einer Vierergruppe mit Hin- und Rückspiel weiter. Dort begegneten Mählich und Co. Panathinaikos Athen, FC Valencia und erneut Manchester United. Zwei Siege über die Griechen brachten sechs Punkte und den dritten Platz. SK Sturm Graz schrieb in dieser Zeit Geschichte.

Längere Durststrecken

Der großen Euphorie von Sturm Graz folgten nun ein paar Jahre ohne österreichische Vertretung in der Königsklasse. Erst 2005/06 stand mit der zweiten Teilnahme von Rapid wieder ein Österreicher in der Champions League. In Gruppe A gelost, kassierte das Team von Josef Hickersberger sechs Niederlagen in sechs Partien. Juventus Turin, Bayern München und der FC Brügge waren für Rapid zu stark und zum ersten Mal musste ein österreichischer Teilnehmer mit null Punkten die Segel streichen.

07.12.2005: Rapid-Stürmer Marek Kincl gegen Giorgio Chiellini in der Champions League gegen Juventus Turin. Copyright: imago/Ulmer

Mitte der 00er-Jahre begann langsam, aber sicher die Dominanz von Salzburg in der Red-Bull-Ära. Trotz zahlreicher Meistertitel blieb den „Bullen“ das Tor zur Champions League verschlossen. 2012 etwa gab es die Blamage gegen den luxemburgischen Meister Düdelingen (4:4 gesamt, Düdelingen wegen Auswärtstor-Regel weiter).

In der von Salzburg dominierten Ära feierte die Wiener Austria 2013 den Meistertitel. Im Playoff gegen Dinamo Zagreb zitterten sich die Violetten nach einem Thriller erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League.

Roman Kienast brachte die Austria 2013 in einem Herzschlag-Finish gegen Dinamo Zagreb erstmals in die Champions League Foto: GEPA pictures/ Christian Ort

Die Austria, damals trainiert von Nenad Bjelica, siegte in Kroatien mit 2:0. Was als gute Ausgangsposition für das Rückspiel dienen sollte, endete in einem Kampf. Dinamo Zagreb führte plötzlich 3:1 und war dem Turnaround sehr nahe. Der eingewechselte Roman Kienast traf dann in der Schlussphase zum erlösenden 2:3 und die erste CL-Teilnahme war besiegelt. Mit Atletico Madrid, Zenit St. Petersburg und dem FC Porto waren die Wiener krasser Außenseiter in Gruppe G. Auswärts holten die Bjelica-Männer in St. Petersburg und in Porto einen Punkt. Am letzten Spieltag siegten sie mit 4:1 gegen St. Petersburg und beendeten die Gruppe mit fünf Punkten auf dem letzten Platz.

Salzburgs Scheitern geht weiter

Danach blieben österreichische Vereine im Königsgeschäft lange Zeit aus. Der SK Rapid scheiterte 2015 im Playoff gegen Shaktar Donezk hauchdünn. Nach einer 0:1-Niederlage im Happel-Stadion, blieb Rapid die dritte Teilnahme der Champions-League-Gruppenphase nach einem 2:2 in der Ukraine verwehrt. Bitter: Philipp Prosenik hatte in der Schlussphase die Chance auf den Siegtreffer, traf aber nur die Stange.

Währenddessen ging das Trauma für Red Bull Salzburg weiter. Elfmal scheiterte Österreichs damaliger Serienmeister in der Qualifikation. Das Tor zur Königsklasse war oft weit offen, fiel aber gegen Dinamo Zagreb (2017), Malmö FF (2015, 2016) oder Roter Stern Belgrad (2018) spät wieder zu.

Das Warten hat endlich ein Ende, Salzburg wird zum Dauergast

In der Saison 2019/2020 war es dann so weit und Red Bull Salzburg stand erstmals in der Champions League. Aufgrund der guten Leistungen in der Europa League von Salzburg, lag Österreich in der UEFA-Fünfjahreswertung weit vorne und der Meister war dadurch fix qualifiziert.

Schon das erste Gruppenspiel in der Red-Bull-Zeit endete mit einer Machtdemonstration. Der belgische Vertreter KRC Genk wurde mit 6:2 abgefertigt. Erling Haaland traf dreimal, Heechan Hwang, Dominik Szobszlai und Andreas Ulmer erzielten die weiteren Tore. Auch auswärts siegte Salzburg mit 4:1. Gegen Titelverteidiger Liverpool war man zweimal unterlegen, auswärts holte man bei Neapel ein 1:1. Somit schlossen die „Bullen“ unter Trainer Jesse Marsch ihre erste Gruppenphase mit sieben Zählern auf dem dritten Platz ab.

RB Salzburg – KRC Genk | die Highlights im VIDEO:

2019 schafft Salzburg erstmals unter Red Bull den Einzug in die Königsklasse. Im ersten Spiel schießen die Bullen Genk mit 6:2 aus dem Stadion. Hee-Chan Wan trifft zum zwischenzeitlichen 4:1. Copyright: Vincent Van Doornick

Erstes Achtelfinale

Die erfolgreichste Champions-League-Gruppenphase spielte Salzburg in der Saison 2021/22. Dem Meister wurden Lille, FC Sevilla und VfL Wolfsburg zugelost. Am ersten Spieltag holte die Truppe von Matthias Jaissle in Sevilla ein 1:1. Darauf folgte ein 2:1-Heimsieg nach einem Adeyemi-Doppelpack gegen Lille. Auch Wolfsburg rangen die Bullen mit 3:1 nach zwei Okafor-Toren und einem Adeyemi-Treffer nieder. Die Niederlagen in Lille und Wolfsburg vereitelten Salzburgs zweiten Gruppenplatz nicht und erstmals stand ein österreichischer Klub im Achtelfinale der Champions League.

Als Achtelfinal-Gegner warteten die starken Bayern. Das Hinspiel ging in Salzburg über die Bühne und Junior Adamu brachte die Jaissle-Elf sensationell nach 21 Minuten in Führung. Bayern München erzielte in der Schlussminute durch Kingsley Coman den 1:1-Endstand.

Als einziger österreichischer Achtelfinalist schied Red Bull Salzburg 2022 gegen Bayern München mit 1:7 aus. Copyright Imago

Mit viel Euphorie und Hoffnung im Gepäck reisten die Salzburger dann zum Rückspiel. Die Verhältnisse waren jedoch schnell zu Gunsten der Deutschen gekippt. Ein Lewandowski-Hattrick sorgte schon nach 23 Minuten für eine Art Vorentscheidung. Gnabry, ein Müller-Doppelpack und ein Tor von Sané besiegelten die sieben Treffer für Bayern München. Kjaergaard machte in der 70. Minute den Ehrentreffer für Salzburg.

Nächste Reform

In der Folgesaison schied Salzburg als Dritter der Gruppe E aus. Drei Unentschieden gegen AC Milan, Chelsea und Dinamo Zagreb sowie ein Sieg gegen Dinamo brachten sechs Punkte.

Ein weiteres Facelifting folgte zur Saison 2024/25, als die UEFA den Modus für alle Bewerbe umkrempelte. Damit kam das Aus für die Gruppenphase und der beste Bewerb im Klubfußball wurde auf 36 Starter aufgestockt. Im aktuellen Modus blieben Erfolge von Salzburg aus. In acht anstatt bisher sechs Partien verlor Salzburg gegen Sparta Prag, Stade Brest, Dinamo Zagreb, Bayer Leverkusen, PSG, Real Madrid und Atletico Madrid. Es gelang jedoch ein Auswärtssieg bei Feyenoord Rotterdam.

Der neue Spielmodus brachte für Österreich wieder eine Premiere. Denn auch Meister Sturm Graz war dabei. Somit waren erstmals zwei rot-weiß-rote Vereine in der Königsklasse vertreten. Auch die Grazer mussten in der Ligaphase die Segel streichen, erreichten aber mit Heimsiegen gegen Leipzig und Girona Achtungserfolge.

Nach dem verlorenen Fixplatz, war in der Saison 2025/26 nach längerer Zeit kein ÖFB-Klub in der Champions League vertreten.

Dafür fixierte der LASK nach einer Sensation den Celtic Glasgow nach einer 0:3-Niederlage in Schottland mit einem glorreichen 5:1 daheim den ersten Einzug in die Champions League der Klubgeschichte. Die Auslosung dazu ist am Donnerstag ab 18:00 Uhr live bei Sky im kostenlosen Stream zu sehen.

Moses Usor fixierte mit dem LASK nach einer Sensation gegen Celtic Glasgow die erstmalige Teilnahme der UEFA Champions League. Copyright GEPA
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