Zidane zurück bei „Les Bleus“: Kann Frankreich an alte Erfolge anschließen?
Zinédine Zidane kennt den Weg zum Institut National du Football von Clairefontaine nur zu gut. Etwas abgelegen, umgeben von Wäldern, recht malerisch, rund 50 Kilometer von Paris. Früher kam er als Spieler ins weitläufige Leistungszentrum des französischen Fußball-Verbandes, nun ist „Zizou“ der Trainer der Équipe Tricolore. „Wir waren alle Fans von ihm, als wir Kinder waren“, sagte Dayot Upamecano nach der ersten Einheit unter dem neuen, berühmten Coach.
Zidane übernimmt eine Mannschaft, die fast eineinhalb Jahrzehnte von seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Didier Deschamps geformt und zum Weltmeister-Titel 2018 und ins WM-Finale 2022 geführt wurde. Er benötigt keinen Umbruch, wie ihn Jürgen Klopp in Deutschland durchzieht. Superstars en masse, dazu alle in einem Alter mit der Perspektive von zwei, drei großen Turnieren.
Kapitän Kylian Mbappé von Real Madrid (27), Weltfußballer Ousmane Dembélé von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain (29), Bayern Münchens Michael Olise (24) – und das ist nur eine Auswahl. Dass das Portal football.fr nach dem ersten Training dennoch fragte: „Ist Zinédine Zidane technisch besser als seine Spieler“, sagt viel über den neuen Trainer von „Les Bleus“ aus. Der Sender ESPN schwärmte von Zidanes Pässen im Training: „Die Magie geht nie verloren.“
Viele Angebote abgelehnt – Warten auf Nationalmannschaft
Doch auch ein Nationalheld wie Zidane wird an Erfolgen gemessen. Bei Real zeigte er seine Trainerqualitäten bereits: Er gewann mit den Königlichen dreimal nacheinander die Champions League und wurde zweimal zum Weltclubtrainer des Jahres gekürt. Er habe seit seinem Ende bei Real im Sommer 2021 viele Angebote von Vereinen gehabt, berichtete der 54-Jährige: „Ich habe sie alle abgelehnt – für die französische Nationalmannschaft. Denn für mich ist die Équipe de France das Einzige, das ich nach meiner Karriere übernehmen wollte.“
Bei der französischen Nationalmannschaft erwartet ihn, was Deschamps mit seiner auch kauzig-knorrigen Art in vielen Jahren aufgebaut und hinterlassen hat. Erfolge und Strategie – dank Disziplin und klaren Rollen. Aktuell ist Frankreich nach dem WM-Aus im Halbfinale gegen den späteren Titelträger Spanien Weltranglisten-Dritter. Und mit Zidane hat nun einer die Verantwortung, der schon als Spieler Gegenentwurf zu Deschamps war. Zusammen wurden sie Welt- und Europameister, Zidane war der kreative Superstar, Deschamps der Kapitän und Arbeiter im defensiven Mittelfeld.
Zidane-Heimdebüt gegen Italien
Los geht es am Freitag in Kocaeli gegen die Türkei in der UEFA Nations League, am Montag steht die Partie in Brüssel gegen Belgien an. Das Heimdebüt im Stade de France wird für Zidane am 2. Oktober auch zu einem besonderen Wiedersehen – mit Italien.
Rückblick: Berlin, 9. Juli 2006. Frankreich, Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000, steht im WM-Finale gegen Italien. Es sollte Zidanes letztes Spiel im Dress der Franzosen werden. Und es wird sein Tiefpunkt. In der Verlängerung lässt er sich zu einem Kopfstoß hinreißen. Nach einem verbalen Austausch geht Zidane auf Marco Materazzi zu und rammt den Italiener regelrecht mit dem Kopf. Er trifft ihn mit voller Wucht auf der Brust. Zidane sah die Rote Karte, Italien krönte sich im Elfmeterschießen zum Weltmeister.
