Zum NACHSEHEN: „RIESENrad – Sportgrößen im Waggon 28“ mit Manuela Zinsberger

via Sky Sport Austria

In der dritten Ausgabe „RIESENrad – Sportgrößen im Waggon 28“ trifft Kimberly Budinsky Österreichs Fußball-Nationaltorfrau und Arsenal-Legionärin Manuela Zinsberger.

Die Nierderösterreicherin hütet seit 2019 das Tor der Frauen-Mannschaft des FC Arsenal. Die 26-Jährige spielte zuvor u.a. beim FC Bayern München und stand bereits 75 Mal im Tor der österreichischen Nationalmannschaft.

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Alle Stimmen zu „RIESENrad – Sportgrößen im Waggon 28“

Manuela Zinsberger (ÖFB-Torfrau bzw. FC Arsenal):
…über ihre enge Beziehung zu ihrer Familie: „Wir sind eine ziemlich große Familie. Meine Familie und meine Großeltern – die beide leider nicht mehr da sind – haben eine unglaublich große Bedeutung in meinem Leben. Unglaublich schöne Momente, wenn ich zurückschaue. Ich habe die Zeit mit ihnen genossen.“

…weiter zu ihren Großeltern: „Meine Oma hat mir auch die Love-Stories von früher erzählt. Da kommt oft der Gedanke von Positivität und das Leben so zu nehmen, wie es ist. Nicht in die Vergangenheit zu schauen, sondern im Hier und Jetzt sein. Sind Worte, die mir die Oma beigebracht hat und die mich bis heute prägen.“

…angesprochen auf ihr besonderes Ritual, welches sie in jedem Spiel macht und welches an die Großeltern erinnern soll: „Immer wenn ich aufs Feld rauslaufe, egal ob vor dem Spiel oder nach der Halbzeitpause, springe ich auf die Latte, mache ein Kreuz und schaue nach oben. Damals habe ich es immer nur mit einer Hand gemacht – für meinen Opa und das erste Mal, wo ich es dann mit zwei Händen gemacht habe (Anm. zweite Hand für die Oma), habe ich schon für einen kurzen Moment schlucken müssen. Es ist krass, aber wunderschön und somit weiß ich, dass sie bei jedem Spiel dabei sind und uns Glück bringen.“

…zu ihren Anfängen im Fußball: „Zum Fußball bin ich auch ein Stück weit durch meinen Papa gekommen, aber eher durch meine Freunde. Ich habe grundsätzlich nur mit Burschen zu tun gehabt. Irgendwie mussten alle zum Training und dann stand ich alleine da. Dann meinte eine Mama, warum ich nicht mitkomme, mal zusehe und wenn ich Lust habe, es zu probieren. Keine zwei Minuten danebengesessen, hat sie gemeint: ,Komm, probier es aus.´ Was war das Resultat? Ich bin zu Hause mit Anmeldezettel angetanzt und habe gesagt: Unterschreibt, damit ich dort morgen wieder hingehen kann.“

…weiter zu den Anfängen und über ihren ungewöhnlichen Karriereweg zur Spitzentorfrau: „Zunächst war ich einmal Feldspielerin. Ich bin erst mit 19 Jahren ins Tor gegangen. Es war sehr turbulent und mit sehr viel Erfahrung, Disziplin und Lernen verbunden. Es war nicht so einfach. Ich war auch in der Fußballakademie und im Internat in St. Pölten, getrennt von meinen Eltern. Aber rückblickend würde ich alles nochmals genau gleich machen.“

…angesprochen auf den Moment, als dann 2014 die Anfrage von Bayern München kam: „Es war Gänsehautfeeling. Ich hätte niemals gedacht, dass ich als kleines Mädchen aus Niederfellabrunn, einmal die Möglichkeit haben werde, ein Probetraining beim FC Bayern München zu haben. Und dann noch wirklich die Unterschrift setzen zu können, war wirklich ein Highlight. Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern. Mein Papa war dabei und wir sind beide mit einem Lächeln rausgegangen. Dass wir diesen Moment gemeinsam genießen konnten, war extrem schön und weiß ich heute umso mehr zu schätzen.“

…angesprochen auf die Zeit als Nummer 2 oder sogar Nummer 3 bei den Bayern: „Ich glaube wirklich an den Spruch: Harte Arbeit zahlt sich aus. Ich finde es gut, dass man auf der einen Seite Talent braucht, aber du musst wirklich dafür arbeiten. Ich habe meine Ernährung umgestellt, ich habe im Fitnessstudio mehr gemacht, ich habe in den ersten drei Jahren eine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen. Das heißt, ich habe 40 Stunden gearbeitet, aber trotzdem war ich noch bei den Bayern. Ich war da gerade Nummer 3, vielleicht mal Nummer 2. Aber ich hatte wirklich ein Ziel vor Augen und wollte es wirklich erreichen. Und siehe da, es hat sich alles bezahlt gemacht, auch wenn schon einmal die eine oder andere Träne geflossen ist und ich meinen Schweinehund überwinden musst. Aber ich bin stolz, dass ich es durchgezogen habe und jetzt hier sagen kann, dass ich als Nummer 1 von Bayern gegangen bin und jetzt die Nummer 1 von Arsenal bin. Da kann ich mir selbst mal auf die Schulter klopfen, auch wenn ich das ungern mache.“

…über die Beweggründe zum Schritt nach England, zu Arsenal: „Einfach eine neue Challenge für mich selber. Ich habe fünf Jahre beim großen FC Bayern München verbracht, von der Nummer 3 bis zur Nummer 1 und habe dann gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann. Die Möglichkeit bietet sich nicht so oft, dass der große FC Arsenal anklopft. Daher bin ich umso glücklicher, dass ich auf mein Herz vertraut habe und den Schritt gewagt habe.“

…über das Zukunftsprojekt Profi-Frauenbundesliga in Österreich: „Ich kann dastehen und sagen: Ich kann vom Sport leben. Aber natürlich kommt es darauf noch an, in welcher Liga du spielst. In Österreich wird es vielleicht nicht so leicht möglich sein, aber nichtsdestotrotz hoffen wir, dass wir irgendwann dorthin kommen. Dafür wollen wir auch im Nationalteam Gas geben, um Leute zu motivieren und durch unsere Leistungen vielleicht Investoren in den Bereich zu bringen.“

…über das Nationalteam und dessen Bedeutung für sie: „Eine unglaubliche Zeit, die mich mit dem Nationalteam verbindet. Vor allem die EURO 2017 war ein mega Highlight. Aber nicht nur das, sondern auch die Menschen, die dort dabei sind, prägen mich bis heute.“

…weiter zur EURO 2017: „Es kommen mir viele verschiedene Bilder in den Kopf. Wenn ich daran denke, dann ist es pure Gänsehaut und ein Gefühl, dass ich selber kaum beschreiben kann. Wenn mir jemand davor gesagt hätte, dass ich dann im Halbfinale stehe, hätte ich gesagt: ,Zwickt’s mi, I man I tram.´ Es hat mir einfach bewiesen, wie groß unser Potential ist und flasht mich bis heute. Zeig mir einen Österreicher, der darauf nicht stolz ist. Ich bin wirklich stolz auf jede einzelne, die gespielt hat, die vielleicht weniger gespielt hat, die wirklich für die Mannschaft da war und das ,Wir´ vor das ,Ich´ gestellt hat. Das hat man am Platz gemerkt und war das, was Österreich so krass stolz gemacht hat.“

…angesprochen auf die anstehende EURO 2022 und das Eröffnungsspiel im Old Trafford, gegen England: „Erwartungen habe ich einfach an uns selbst. Dass wir an uns glauben, dass wir den Moment für uns als Mannschaft genießen und alles auf den Platz bringen, was wir über die Jahre gesammelt haben. Und rennen, bis der Arzt kommt.“

…angesprochen auf die WM 2023: „Die Teilnahme zu schaffen, wäre ein unglaublicher historischer Moment für uns und den österreichischen Fußball. Wäre einfach wow.“

…über ihr Liebes-Outing im letzten Herbst: „Ich habe mir gedacht: Warum nicht?! Warum nicht öffentlich machen und zu sich stehen und vielleicht anderen Mut zu machen, die vor so einer Entscheidung stehen. Ich kann nur sagen: Fühl dich stark und mach es.“

…weiter zu ihrem Outing: „Für mich stand aber nie in Frage, ob ich es mache, sondern mit wem.“

…auf die Frage, wie die Reaktionen darauf waren: „Durchwegs positiv. Grundsätzlich haben mir alle den Rücken gestärkt.“

…über ihre fußballerische Zukunft und auf die Frage, ob es noch Ziele gibt: „Grenzen setze ich mir generell keine. Aber natürlich hat man Ziele. Individuelles Ziel wäre zum Beispiel, Welttorhüterin zu werden. Wäre unglaublich, wenn ich das auf meinem Weg mitnehmen könnte.“