Auf den Spuren von King & Navratilova: Vondrousova verzückt Wimbledon
Marketa Vondrousova hat völlig überraschend das Finale von Wimbledon erreicht. Damit wandelt sie auf den Spuren der Tennis-Ikonen Billie Jean King und Martina Navratilova.
Denn mit ihrem Finaleinzug ist Vondrousova die erste Spielerin der Open Era und die erste Spielerin seit 1963, die das als ungesetzte Spielerin geschafft hat. Bislang war die US-amerikanische Tennis-Legende Billie Jean King die letzte Spielerin, der das gelungen ist. King trat damals noch unter ihrem Mädchennamen Moffitt an, zog im Endspiel gegen Margaret Smith (später Court) allerdings den Kürzeren.
Vondrousova bekommt es im diesjährigen Finale (am Samstag ab 14.45 Uhr LIVE auf Sky) mit Ons Jabeur (TUN/6) zu tun. Und geht natürlich als klare Außenseiterin ins Match. Denn eigentlich ist die 24-Jährige nicht gerade auf Rasen zu Hause. Zuvor war Vondrousova nämlich noch nie über die zweite Runde an der Church Road hinausgekommen. Nach den verlorenen Endspielen bei den French Open 2019 und bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 ist es nun aber ihre dritte große Titelchance.
„Vondrousova spielt sehr einfallsreich und das macht immer was mit ihrer Gegnerin, es stellt diese vor Herausforderungen. Die Tschechin spielt unorthodox, ändert häufig den Rhythmus und bringt selbst viel Übersicht mit. Sie kommt damit in den Kopf ihrer Gegnerin rein, die sich umstellen muss“, analysierte Sky Wimbledon-Expertin Julia Görges den Erfolgslauf der 1,72-Meter großen Spielerin.
https://twitter.com/Wimbledon/status/1679490125406048256?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1679490125406048256%7Ctwgr%5Ef04e3dce612428e5f77d11200ad664459eaefc4d%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fsport.sky.de%2Ftennis%2Fartikel%2Fwimbledon-marketa-vondrousova-gelingt-mit-finaleinzug-historisches%2F12920329%2F35311
Vondrousova tritt in große Fußstapfen
Görges fügte noch hinzu: „Eigentlich liegen ihr die langsameren Belage noch mehr, dort kann sie ihren Spielwitz noch besser auf den Court bringen. Aber der Rasen in Wimbledon ist über die Jahre etwas langsamer geworden, da hat sie jetzt mit ihrem Spiel auch mehr Zeit. Für mich ist sie aber nicht die typische Rasenspielerin. Trotzdem überrascht es mich nicht, dass sie bis ins Finale gekommen ist, weil sie ihr Spiel und ihre Stärken gut auf den Platz gebracht hat.“
Vondrousova reiht sich in die große Liste erfolgreicher tschechischer Spielerinnen auf dem heiligen Rasen ein. Denn mit Martina Navratilova, Hana Mandlikova, Jana Novotna, Petra Kvitova sowie Karolina Pliskova erreichten vor ihr bereits viele große Namen, die in Tschechien geboren wurden, das Endspiel von Wimbledon. Navratilova, die die meiste Zeit ihrer Karriere für die USA antrat, Novotna und Kvitova holten am Ende auch einen oder mehrere Titel.
Finale! Vondrousova Siegerin im Überraschungs-Halbfinale gegen Svitolina
„Das ist eigentlich die Geschichte. Navratilova und Kvitova sind wie Vondrousova Linkshänderinnen, aus Tschechien und haben am Ende den Wimbledon-Titel geholt. Auch interessant: Vondrousova hat mit Jan Mertl einen Coach, der mal für Nürnberg in der Tennis-Bundesliga gespielt hat. Dazu sitzt bei ihr Jan Kodes, Wimbledon-Sieger von 1973 mit in der Box“, erklärte Sky Wimbledon-Kommentator Stefan Hempel.
Vondrousova kämpft sich stark zurück
Vondrousova hinterlässt in Wimbledon bislang einen sehr abgebrühten Eindruck. Nach drei sehr souveränen Siegen zum Start zeigte die 24-Jährige im Achtelfinale gegen Marie Bouzkova (CZE/32) sowie im Viertelfinale gegen Jessica Pegula (USA/4) starke Comeback-Qualitäten. Mit Elina Svitolina (UKR/WC) machte sie dann im Halbfinale wieder kurzen Prozess. „Ich kann es gar nicht glauben. Ich bin einfach sehr glücklich, dass ich das geschafft habe“, so Vondrousova nach ihrem Sieg.
„Sie ist am Ende beim Stand von 6:3, 4:0 kurz nervös geworden, aber hat dennoch insgesamt einen coolen Eindruck hinterlassen. Vondrousova hat wenig Fehler gemacht, gut antizipiert, schnelle Bein gehabt und ihr variantenreiches sowie flexibles Spiel gezeigt. Besonders ihre Rückhand war dabei sehr stabil. Ansonsten ist bei ihr das Pokerface auffällig, man kann bei ihr kaum Emotionen lesen“, so Hempel. Auch mit ihren vielen Tattoos an den Armen fällt Vondrousova natürlich auf.
Mit Rückschlägen weiß die Olympia-Zweite umzugehen. Mehrfach machte eine hartnäckige Handgelenkverletzung ihr zu schaffen, die auch bereits des Öfteren operiert werden musste. Doch davon hat sich Vondrousova ganz unbeeindruckt zurückgekämpft – und strebt nun im Wimbledon-Endspiel nach dem ganz großen Coup.
(Peer Kuni / skysport.de)
Bild: Imago
