Irlands Physis wartet: Neue Herausforderung für ÖFB-Team
Österreichs Fußball-Nationalteam will am Donnerstag (20.45 Uhr) in Dublin den nächsten Schritt machen.
Nach 3:1-Heimsiegen zum Auftakt der Nations League gegen Israel und Kosovo wartet im ersten Auswärtsspiel des Jahres abgesehen von der WM mit Irland eine gänzlich andere Aufgabe. Die Österreicher müssen sich vor allem auf ein physisches Spiel einstellen. „Wir brauchen wieder eine höhere Energie auf dem Platz als unser Gegner“, forderte Teamchef Ralf Rangnick.
Nach der WM hatte Österreichs mit mehreren neuen Akteuren ausgestattete Truppe zu ihren alten Tugenden, allen voran Dynamik im Spiel gegen den Ball, zurückgefunden. Rangnick war alles andere als überrascht. „Wir hatten uns von vornherein vorgenommen, dass wir Austria 2.0 wieder auf den Platz bringen“, erklärte der 68-Jährige. „Die Mannschaft hat es über dreieinhalb Jahre – eigentlich bis auf die WM – immer gezeigt.“
Das Energielevel von zuvor hatte man beim Turnier in Nordamerika nicht erreicht. Mehrere arrivierte Akteure – von Marko Arnautovic über David Alaba bis zu Marcel Sabitzer – standen beim Neustart danach zumindest vorerst nicht zur Verfügung. „Das Führungsspieler-Thema wird überschätzt. Es ist im heutigen Fußball überbewertet. Speziell bei der Spielweise, die wir an den Tag legen wollen, ist jeder Führungsspieler und muss Verantwortung übernehmen“, meinte Rangnick. „Die Jungs müssen sich untereinander coachen und füreinander da sein.“
2,05-Meter-Mann Wiegele im ÖFB-Tor
Mit Konrad Laimer wird eine Schlüsselkraft nach überstandenen Adduktorenproblemen in Dublin ihr Comeback geben – aber nicht von Beginn an. Es sei laut Rangnick im Vorfeld mit Bayern München und auch mit Laimer vereinbart worden, dass dieser „im Lauf der zweiten Hälfte reinkommen kann“, eine halbe Stunde Spielzeit hält der Teamchef für möglich. „Wenn das gut geht, dann ist er sicherlich auch am Sonntag von Beginn an ein Kandidat.“ Dann gastieren die Österreicher im letzten Spiel des aktuellen Länderspielfensters im Kosovo.
Dort werden laut Rangnick entweder Florian Wiegele oder Alexander Schlager das Tor hüten. In Irland wird es Wiegele sein, bestätigte Rangnick bereits nach dem Abschlusstraining und vor dem Abflug am Mittwochnachmittag in Wien. Der 2,05-Meter-Mann von Viktoria Pilsen kommt zu seinem zweiten Länderspiel. „Er hat es im Training wieder richtig gut gemacht, spielt in seinem Verein auch jedes Spiel“, sagte der Teamchef. „Von daher habe ich nicht nur keine Bedenken, sondern bin sehr guter Dinge, dass der das auch richtig gut machen wird.“
Wiegeles Körpergröße könnte ihm gegen das Spiel der Iren zugutekommen. „Das ist eine Mannschaft, die schnell versucht, Bälle vorne reinzuspielen. Ich rechne auch mit vielen langen Bällen, mit Bällen in unseren Sechzehner“, erklärte Rangnick. „Wir müssen schauen, dass wir gegen diese etwas andere Spielweise auch die richtigen Lösungen haben.“ Die physische Komponente will er nicht außer Acht lassen. „Es ist wichtig, dass wir mit unserer Art von Fußball nicht nur dagegenhalten, sondern auch ein Übergewicht kriegen in Sachen Energie.“
Ausfälle auf beiden Seiten
Rangnick hatte angekündigt, erneut auf Rotation zu setzen. Michael Gregoritsch steht nach seiner vergangenen Donnerstag beim 3:1 gegen Israel erlittenen Sprunggelenksverletzung wieder zur Verfügung. Ob der Augsburg-Angreifer, wie gegen Kosovo der frühere Schottland-Legionär Junior Adamu oder erstmals seit dem WM-Auftaktspiel gegen Jordanien (3:1) Sasa Kalajdzic im Sturmzentrum beginnt, ist allerdings offen. Auch Außenverteidiger Phillipp Mwene ist wieder einsatzfähig.
Verletzung & Torwart-Rochade: LASK-Duo reist vom ÖFB-Team ab
Beide Teams haben namhafte Ausfälle zu verkraften. Bei den Österreichern gesellte sich in den vergangenen Tagen etwa Mittelfeld-Youngster Paul Wanner dazu, bei den Iren fehlen unter anderem Kapitän Nathan Collins wegen einer Wadenblessur oder Stürmer Evan Ferguson wegen einer Sprunggelenksverletzung. Die Österreicher reisten als Tabellenführer mit dem Punktemaximum nach Dublin, in Irland haben sie aber seit 1995 nicht mehr gewonnen. Mit einem Heimsieg würden die Iren im Kampf um den angestrebten Aufstieg in die Liga A an ihnen vorbeiziehen.
Ihre besten Leistungen unter Rangnick hatte die ÖFB-Auswahl zumeist in Wien oder Linz abgeliefert. „Die Auswärtsspiele waren dann manchmal Arbeitssiege“, sagte der Deutsche bereits bei der Kaderbekanntgabe vor zwei Wochen. Den gleichen „Trommelwirbel“ wie zu Hause habe es dabei nicht gegeben. „Heim und auswärts ist sicher nochmal eine Geschichte, die wir sehen müssen“, meinte Rangnick. Seit der EM 2024 hat sein Team vier von acht Auswärtsspielen gewonnen und drei verloren.