ÖFB-Team besinnt sich seiner Stärken: „Nur ein bisschen Pressing, das funktioniert nicht“
Das österreichische Fußball-Nationalteam hat sich der Qualitäten besonnen, die es in der Ära von Ralf Rangnick bisher stark gemacht haben.
„Wir werden zukünftig nur Spieler einladen und erst recht einsetzen, die hundertprozentig fit sind. Das ist Voraussetzung für unsere Spielweise“, betonte Rangnick nach dem 3:1-Heimsieg gegen den von seinem ÖFB-Teamchef-Vorgänger Franco Foda betreuten Kosovo am Sonntag in Wien. „Nur ein bisschen Pressing, das funktioniert nicht.“
Das Energielevel habe diesmal gestimmt. „Ich habe zu Beginn des Lehrganges gesagt, es muss wieder scheppern“, erinnerte Rangnick. „In diesem Spiel hat es fast 90 Minuten gescheppert.“ Und das mit einer deutlich umgebauten Mannschaft. David Alaba, Marcel Sabitzer und Marko Arnautovic stehen aktuell nicht bzw. nicht mehr zur Verfügung. Bayern-München-Star Konrad Laimer stößt nach seiner überstandenen Adduktorenverletzung am Montag zum Team.
Das Wort „Umbruch“ gefalle ihm als Sprachwissenschafter nicht besonders, verriet Rangnick. „Es ist klar, dass, wenn so viele Spieler von der WM nicht dabei sind, andere dafür spielen. Die machen es gut. Das war der nächste Schritt, da heißt es jetzt weitermachen. Es heißt, auf diesem Energielevel weiterzuspielen, dann ist es nicht so angenehm, gegen uns zu spielen.“
Rotation auch gegen Irland
Das soll am Donnerstag (20.45 Uhr MESZ) in Dublin im nächsten Nations-League-Spiel Irland zu spüren bekommen. „Da wird eine heiße Atmosphäre herrschen, und sie werden eine andere Herangehensweise haben. Darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagte der Teamchef über die vorwiegend langen Bälle der Iren, die sich am Sonntag in Debrecen gegen Israel mit 3:0 durchgesetzt haben.
Die Österreicher, die die Israelis vergangenen Donnerstag in Linz mit 3:1 niedergerungen hatten, reisen als Führender von Gruppe 3 der Liga B mit dem Punktemaximum auf die grüne Insel. „Es war wichtig, diese zwei Heimspiele zu ziehen“, meinte Rangnick. Jetzt gehe es darum, in Dublin „so ausgeruht wie möglich“ anzutreten. Der Deutsche gab seinen Spielern daher am Dienstag trainingsfrei. „Das heißt aber nicht, dass sie machen können, was sie wollen.“
Wie aus der WM, als der Tank bei einigen Stammspielern nicht ganz voll war, will Rangnick auch aus dem ersten Viererpack an aufeinanderfolgenden Nations-League-Spielen kurz nach seiner Amtsübernahme 2022 gelernt haben. „Im letzten Spiel in Dänemark (0:2/Anm.) hatten wir gar keine Power und gar keinen Sprit mehr“, erinnerte der 68-Jährige. „Wir werden im größeren Stil rotieren, ohne an Qualität zu verlieren. Das ist der entscheidende Faktor. Im Gegenteil: Wir haben vielleicht sogar nochmal einen draufgesetzt auf Israel, das war auch das ganz klare Ziel.“
Personelle Überlegungen
Dabei nahm Rangnick nicht weniger als sechs Umstellungen an der Startformation vor. Sasa Kalajdzic begann erneut auf der Bank, nachdem er den Trainer laut Rangnicks Schilderung in einem persönlichen Gespräch aufgrund seiner Verletzungshistorie darum gebeten habe. „Er hatte so eine Situation schon mal in Frankfurt, da hat er sich vier Tage nach einem richtig guten Spiel einen erneuten Kreuzbandriss zugezogen. Deswegen war es eine absolut richtige Entscheidung.“
Bei Phillipp Mwene habe im Abschlusstraining der Muskel etwas zugemacht. Weil mit Nikolas Veratschnig („Er hat nicht gewirkt wie ein Debütant“) eine gute Alternative als Rechtsverteidiger bereitstand, wollte Rangnick nichts riskieren. Wie Mwene stand auch Innenverteidiger Philipp Lienhart nicht auf dem Spielbericht. Auf diesem werde er in Irland auf jeden Fall wieder aufscheinen. „Es ist auch gut möglich, dass er von Anfang an spielt.“
In der Innenverteidigung ist die Konkurrenz allerdings besonders groß. Die erstmals einberufene Olympique-Lyon-Stammkraft Felix Bacher hat noch keine einzige Minute gespielt. Rangnick: „Ich hoffe, dass er in den nächsten zwei Spielen auch nochmal vom Trainer die Möglichkeit bekommt, weil er es richtig gut macht im Training. Das ist einer, bei dem man auch gespannt sein kann.“ Mittelfeldmann Paul Wanner spürte laut dem Teamchef vor seiner Auswechslung einen kleinen Stich am Fußgewölbe. „Es ist in erster Linie eine Schmerzproblematik.“ Er hoffe, dass der 20-Jährige in Irland wieder zur Verfügung stehe.
Lob für erstarkten Xaver Schlager
Hinter bzw. neben Wanner machte im Mittelfeld-Zentrum Xaver Schlager eine starke Partie. „Er war schon gegen Israel gut, aber er hat nochmal einen draufgesetzt“, sagte Rangnick über seinen neuen Vizekapitän, der das ÖFB-Team erstmals mit der Schleife aufs Feld geführt hatte. „Das ist der Xaver, den wir brauchen. So hätten wir ihn auch bei der WM gebraucht, aber es nützt jetzt nichts.“ Vor seinem Sommerwechsel zu Nottingham Forest war der Schlüsselspieler wegen körperlicher Beschwerden nicht in Bestform gewesen.
Schlager leitete das 2:0 mit einem Sololauf vom eigenen Sechzehner ein. Hervorheben wollte Rangnick angesichts der Teamleistung aber keinen Spieler. „Es war klar, dass wir ein höheres Energielevel brauchen als der Gegner. Wir wollten auf höchstem Level performen, das war fast über das gesamte Spiel der Fall.“ Dazu sei die hohe Zahl an herausgespielten Torchancen erfreulich. „Wir waren wieder einmal richtig kontergefährlich.“
Mit Patrick Wimmer und dem eingewechselten Torschützen Carney Chukwuemeka habe man „richtig Speed gehabt“, erläuterte der Deutsche. Schon vor 35 oder 40 Jahren habe er seinen Teams gesagt: „Wer kontert, und wer gut kontert, gewinnt. Es war genau das, was wir haben wollten: richtig aggressives Spiel gegen den Ball und das Umschaltverhalten dazu, das zu klaren Torchancen geführt hat. Insgesamt gab es nicht so viel auszusetzen.“
