Sturm als Außenseiter ins Duell mit Roses Bournemouth
Das Herbstmenü von Sturm Graz pendelt sich am Donnerstag bei den Hauptgängen ein. Nach dem 2:0 gegen die Wiener Austria als Ouvertüre wartet nun in der Fußball-Europa-League das Gastspiel beim Premier-League-Club AFC Bournemouth (live bei Sky Sport Austria – streame mit WOW). Auch als Außenseiter will das Team von Coach Fabio Ingolitsch in Südengland etwas mitnehmen, bevor am Sonntag mit dem Grazer Derby sowie wenige Tage später mit dem Spiel gegen Olympique Marseille weitere Highlights warten.
„Diese Woche ist richtig geil. Ich glaube, jeder brennt darauf. Jede Müdigkeit ist da vergessen“, erklärte Kapitän Jon Gorenc Stankovic am Mittwoch vor dem Flug auf die Insel. Aller steirischen Personalsorgen zum Trotz sind Stimmung und Motivation vor dem Spiel beim englischen Vorjahressechsten hoch. „Wir wollen unserer jungen Mannschaft die nächste Bewährungsprobe geben, wo sie wertvolle Erfahrungen für ihre Entwicklung sammeln können“, meinte Ingolitsch.
„Höherer Marktwert als die gesamte Bundesliga“
Der Trainer der Grazer versuchte, die Größe der Aufgabe anhand des mehr als 600 Millionen Euro schweren Gegnerkaders zu skizzieren. „Bournemouth ist die Mannschaft mit dem höchsten Marktwert in der gesamten Europa-League-Saison. Das heißt, sie haben wertvollere Spieler als AC Mailand oder Juventus Turin. Sie haben auch einen höheren Marktwert als die ganze österreichische Bundesliga zusammen. Dementsprechend wissen wir, was unsere Rolle dort sein wird“, sagte Ingolitsch. „Wir wollen trotzdem frech und mutig auftreten und den Gegner ärgern.“
Das wird allerdings ohne die Verletzten Otar Kiteishvili, Filip Rozga, Gizo Mamageishvili, Emran Soglo, Leon Grgic oder Nelson Weiper geschehen. Fraglich ist Abwehrchef Albert Vallci. Der Kapitän hat dennoch volles Vertrauen in seine Mitspieler und verwies auf den Sieg gegen die Austria. „Wir haben am Wochenende gezeigt, dass jeder richtig gut spielen kann“, sagte Stankovic. Ingolitsch forderte die Seinen dazu auf, selbstbewusst zu agieren und aktiv zu verteidigen. „Wir müssen uns darauf einstellen, den Ball weniger zu haben als normalerweise. Und wir müssen uns darauf einstellen, dass wir speziell in der Anfangsphase eine Mannschaft gegen uns haben werden, die eine brutale Intensität fährt.“
Duell mit Ex-Salzburg-Coach
Wichtig sei, dass man gegen „das hohe Tempo und aggressive vertikale Angriffsspiel“ der Engländer gut dagegenhalten, betonte Ingolitsch. Die Vorfreude auf das Duell mit Bournemouth-Trainer Marco Rose ist jedenfalls groß, beide kennen sich aus gemeinsamen Salzburger Zeiten. „Ich habe immer zu ihm aufgeschaut. Er hat seine Sachen fantastisch gemacht in Salzburg, nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits. Er hat es geschafft, aus dieser Liga raus eine große Karriere zu machen. Deswegen bewundere ich den Weg, den er gegangen ist“, erklärte der Sturm-Coach.
Rose gab das Kompliment am Mittwoch auf der Club-Pressekonferenz zurück. „Die österreichische Liga hat sich stark verbessert, speziell Sturm Graz. Das ist ein ziemlich gutes Team, sie spielen sehr intensiv, es ist nahe dran am Premier-League-Level. Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Für Bournemouth ist das Match gegen die Steirer nicht irgendeine Partie, sondern das erste Europacup-Heimspiel der Clubgeschichte. „Das ist eine große Sache. Jeder ist aufgeregt, jeder freut sich auf das Match. Das müssen wir auf die richtige Art und Weise nutzen gegen einen starken Gegner.“
Schwacher Saisonstart für Bournemouth
Allerdings ist bei „The Cherries“ derzeit nicht alles unbedingt eitel Wonne, in der Meisterschaft gab es in sechs Partien drei Remis und drei Niederlagen. Zuletzt setzte es Pleiten gegen Liverpool (0:1) und Chelsea (1:5). Nach dem 2:1-Sieg zum EL-Auftakt bei Real Sociedad soll aber der nächste Dreier her. Dafür sollen die brasilianischen Offensivstars Rayan und Evanilson sorgen. Auch Amine Adli und Justin Kluivert stehen nach Verletzungen wieder zur Verfügung. „Sie sind bereit für ein paar Minuten – nicht für ein ganzes Spiel, nicht für 45 Minuten, sondern für ein paar Minuten. Ich bin froh, dass sie wieder dabei sind“, sagte Rose.
Für Sturm hatte es in EL-Runde eins ein respektables Heim-0:0 gegen Stade Rennes gegeben. Im gerade einmal 12.000 Zuschauer fassenden Bournemouth-Stadion hoffen mehr als 600 Fans in den Farben Schwarz und Weiß erneut auf Zählbares.
