US-Läufer gedopt: Pallitsch um WM-Finalteilnahme gebracht

Der US-amerikanische 1500-m-Meister des Vorjahres, Jonah Koech, ist kürzlich des Blutdopings überführt worden. Mit Rückwirkung zum 17. Juli 2026 ist der Athlet für drei Jahre gesperrt worden, die USADA veröffentlichte am Mittwoch eine entsprechende Stellungnahme. Besonders bitter ist der Dopingfall für den Österreicher Raphael Pallitsch.

Durch die Sperre werden sämtliche Wettkampfergebnisse des US-Läufers seit dem 30. Juli 2025 annulliert. Koech akzeptierte die Sanktion, weshalb die Sperre auf drei statt der regulär vorgesehenen vier Jahre reduziert wurde. Davon betroffen ist auch sein Ergebnis bei der WM in Tokio.

Das Drama um Pallitsch

Einen fahlen Beigeschmack hat der Fall für Österreichs Rekordläufer Raphael Pallitsch. Im WM-Semifinale über 1500 Meter in Tokio im September 2025 verpasste der 36-jährige Burgenländer den Finaleinzug als Siebenter seines Laufs denkbar knapp um eine Hundertstelsekunde. Der gedopte Jonah Koech kam als Vierter nur fünf Hundertstel vor Pallitsch ins Ziel und lag damit auf einem der sechs direkten Qualifikationsplätze. Durch die Annullierung von Koechs Ergebnissen bekommt Pallitschs damaliges Ausscheiden nun eine völlig neue Bedeutung.

Der Fall des US-amerikanischen 1500-m-Läufers Jonah Koech zeigt, dass Dopingverstöße im Spitzensport sehr weitreichend sein können.

Kipruto: Der biologische Pass wird zum Beweismittel

Doch Koech ist kein Einzelfall: Fälle wie Rhonex Kipruto und Mohamed Katir zeigen, dass Doping längst nicht mehr nur durch einen positiven Test auffliegt. Der Athletenbiologische Pass, Meldepflichten und Ermittlungen liefern zunehmend entscheidende Beweise. Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie sich der Kampf gegen Doping verändert hat.

Auch der Fall des kenianischen Langstreckenläufers Rhonex Kipruto offenbart, wie Doping heute aufgedeckt werden kann. Der frühere 10-km-Weltrekordler wurde aufgrund von Auffälligkeiten in seinem Athletenbiologischen Pass sanktioniert. Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte im April 2026 eine fünfjährige Sperre. Gleichzeitig wurden Kiprutos Ergebnisse vom 2. September 2018 bis zum 11. Mai 2023 annulliert.

Der biologische Pass funktioniert dabei anders als ein klassischer Dopingtest: Statt nach einer bestimmten verbotenen Substanz zu suchen, werden Blutwerte über einen längeren Zeitraum beobachtet. Auffällige Veränderungen können Hinweise auf verbotene Methoden liefern. Im Fall Kipruto stellte das CAS in seinem Urteil sogar mehrere Hinweise auf Blutdoping fest.

Katir fälscht Bordkarte – Sperre verdoppelt

Auch der spanische 1500-Meter-Läufer Mohamed Katir sorgte mit einem ungewöhnlichen Fall für Schlagzeilen. Nachdem er zunächst wegen Verstößen gegen die Meldepflicht gesperrt worden war, wurde seine Sanktion auf vier Jahre erhöht. Der Grund: Katir verpasste drei Dopingtests innerhalb von zwölf Monaten und versuchte sich, laut der Unabhängige Integritätskommission (AIU), mit einer gefälschte Bordkarte zu rechtfertigen.

Mohamed Katir im 5000-Meter-Finale bei der Leichtathletik-WM 2023 in Budapest am 27. August 2023. (Quelle: Imago.)

Der CAS bestätigte die vierjährige Sperre wegen Manipulation einer Dopingkontrolle. Zudem wurden seine Ergebnisse vom 10. Oktober 2023 bis zum 7. Februar 2024 gestrichen. Dieser Fall zeigt: Ein Dopingverstoß muss nicht mit einem positiven Test beginnen. Auch wer versucht, Kontrollen zu umgehen oder zu manipulieren, muss mit erheblichen Konsequenzen rechnen.

Nicht jeder Dopingfall beginnt mit einer positiven Probe

Genau diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen der Athletics Integrity Unit (AIU) wider. Die für die Integrität der internationalen Leichtathletik zuständige Einheit bearbeitete 2024 insgesamt 405 Dopingfälle, davon 100 auf internationaler Ebene. In 26 internationalen Fällen basierte der Verdacht nicht auf einem klassischen positiven analytischen Befund, sondern unter anderem auf Verstößen gegen die Meldepflicht, Auffälligkeiten im Athletenbiologischen Pass, Manipulationen oder Erkenntnissen aus Ermittlungen.

Gleichzeitig wurde umfangreich getestet. Die AIU und nationale Anti-Doping-Organisationen führten im Vorfeld der Olympischen Spiele in Paris tausende Kontrollen durch. Die Teststrategie setzt dabei stark auf Kontrollen außerhalb des Wettkampfs und auf langfristige Überwachung. Das zeigt einen grundlegenden Wandel in der Dopingbekämpfung.

Dopingfälle wirken über Jahre nach

Für Athleten wie Pallitsch ist diese Entwicklung besonders relevant. Denn wenn Ergebnisse nachträglich annulliert werden, verändert sich nicht nur die Statistik eines gedopten Athleten. Auch Konkurrenten können dadurch nach Jahren neue Platzierungen erhalten oder verpasste Qualifikationen anders bewertet sehen.

Die Leichtathletik versucht damit, einem grundsätzlichen Problem des Dopings zu begegnen: Der Betrug endet nicht mit dem Zieleinlauf. Und manchmal beginnt seine Aufarbeitung erst Jahre später.

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